Die Staatsanwaltschaft wirft Gerhard Delling (67) vor, an der Entführung der Kinder seiner Partnerin Christina Block beteiligt gewesen zu sein. Vor dem Landgericht Hamburg bestreitet Delling erneut jede Beteiligung und wartet auf das Ende des Verfahrens.
Am Mittwoch, dem 78. Verhandlungstag, sprach der frühere ARD-Sportmoderator mehrstündig. Nach einem Bericht über seine Aussage im Block-Prozess bestritt er darin abermals alle Vorwürfe. Es war nicht seine erste lange Erklärung: Bereits im September 2025 hatte er sich im Prozess ausführlich geäußert.
Angeklagt sind sieben Menschen, darunter Christina Block (53), die Tochter des Block-House-Gründers Eugen Block. Der Vorwurf dreht sich um die Entführung ihrer damals 13-jährigen Tochter und ihres zehnjährigen Sohnes in der Silvesternacht 2023/24 in Dänemark. Block bestreitet jede Tatbeteiligung.
Delling bestreitet jede Beteiligung
Die Anklage legt Delling zur Last, in dieser Nacht das Zusammentreffen seiner Partnerin mit ihren Kindern in Baden-Württemberg organisiert und die Rückkehr nach Hamburg koordiniert zu haben. Von einer möglichen Entführung will er nichts geahnt haben. Vor Gericht sagte er:
„Ich war weder beteiligt noch hatte ich eine Ahnung davon.“
In seiner Anwesenheit habe es nie Gewalt seiner Partnerin gegen ihre Kinder gegeben, sagte Delling. Die beiden jüngsten Kinder seien „eng mit ihr verbunden“ gewesen und hätten „keine Angst vor ihrer Mutter“ gehabt.
Tränen seit dem Sommer 2021
Delling schilderte auch, wie sich das Leben seiner Partnerin aus seiner Sicht verändert hat. Seit dem Sommer 2021 sei es „vollständig“ ein anderes.
„Ich habe noch nie so viele Tränen gesehen.“
„Seitdem gehören Tränen zu ihrem und damit unserem Alltag“, sagte er. Den Anfang nahm die Entwicklung im August 2021: Damals brachte Kindsvater Stephan Hensel die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch nicht nach Hamburg zurück. Als Grund nannte er Gewaltvorwürfe, die Block bestreitet.
Ein Knüppel gegen die Angst
In der Silvesternacht 2023/24 will Delling keine Ahnung von einer möglichen Entführung gehabt haben. Aus Angst vor Angriffen des als aggressiv geltenden Kindsvaters habe er damals „einen Knüppel mit ans Bett“ genommen.
Selbstjustiz lehnt er ab: „Es gibt in all den Jahren keine Skandale und Skandälchen.“ Das Verfahren habe sein Leben „extrem beeinträchtigt“, sein „Arbeitsleben“ sei „nahezu zum Erliegen gekommen“. Er hoffe, „dass dieser Alptraum nun endlich zum Ende kommt“.
Von Dänemark nach Hamburg
Der Block-Prozess hat eine jahrelange Vorgeschichte. Sie reicht vom Sommer 2021 bis zu den Schlussplädoyers, die im Herbst 2026 beginnen könnten.
Die Vorgeschichte des Block-Prozesses
- August 2021Kindsvater bringt Kinder nicht zurück
Nach einem Wochenendbesuch bringt Stephan Hensel die beiden jüngsten Kinder von Christina Block nicht nach Hamburg zurück. Als Grund nennt er Gewaltvorwürfe, die Block bestreitet.
- September 2021Beweisantrag zur E-Mail an dänische Behörden
Ein Beweisantrag der Block-Verteidigung soll belegen, dass eine E-Mail von Hensels neuer Ehefrau an dänische Behörden die Absicht dokumentiert, die Kinder in Dänemark zu behalten.
- 31. Dezember 2023Entführung in Dänemark
Maskierte Täter entführen die damals 13-jährige Tochter und den 10-jährigen Sohn. Die Kinder werden in der Neujahrsnacht 2024 erst nach Süddeutschland, dann nach Hamburg gebracht.
- 1. Januar 2024Vorwurf gegen Delling
Laut Anklage organisiert Delling das Zusammentreffen Blocks mit ihren Kindern in Baden-Württemberg und koordiniert die Rückkehr nach Hamburg.
- 11. Juli 2025Prozessbeginn in Hamburg
Vor dem Landgericht Hamburg beginnt der Strafprozess gegen Christina Block und weitere Angeklagte.
- September 2025Dellings erste lange Erklärung
Gerhard Delling gibt im Prozess erstmals eine lange Erklärung ab.
- 30. September 2026Beweisprogramm beendet
Am 78. Verhandlungstag bestreitet Delling erneut alle Vorwürfe. Die Kammer erklärt das Beweisprogramm für beendet und setzt eine Frist bis zum 28. Oktober.
Frist bis zum 28. Oktober
Am Mittwoch erklärte die Kammer das Beweisprogramm für beendet. Verteidigung und Staatsanwaltschaft können bis zum 28. Oktober 2026 schriftlich weitere Beweisanträge stellen. Nach dem skizzierten weiteren Fahrplan des Block-Prozesses könnten danach die Schlussplädoyers beginnen.
Den Vorsitz führt die Hamburger Richterin Isabel Hildebrandt. Von den sieben Angeklagten hat bislang nur ein 37-Jähriger aus Israel die Vorwürfe eingeräumt.
Sollten bis zum 28. Oktober keine weiteren Anträge eingehen, könnten die Plädoyers beginnen.
