Letzte US-Soldaten verlassen Irak – Pentagon beendet Anti-IS-Einsatz
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Truppenabzug

Letzte US-Soldaten verlassen Irak – Pentagon beendet Anti-IS-Einsatz

Das Pentagon bestätigt den vollständigen Abzug der US-Truppen aus dem Irak, in Bagdad wird mit einer Militärparade gefeiert. Zurück bleibt ein Staat, dessen mächtigste Milizen weiter bewaffnet sind – und in dem seit dem Iran-Krieg Hunderte Angriffe auf US-Ziele verübt wurden.

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Die letzten US-Soldaten haben den Irak verlassen. Das Pentagon bestätigte am Mittwoch offiziell das Ende der Anti-IS-Koalition „Operation Inherent Resolve“, wie aus DW-Bericht zum Abzug hervorgeht. Die irakische Regierung hatte den vollständigen Abzug schon am Sonntag vermeldet.

Am Mittwoch feierte Bagdad den Abzug mit einer Militärparade. Vier staatliche Feiertage zum „Tag der Unabhängigkeit“ wurden ausgerufen, öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen; mit diesem Tag lief die Frist für den US-Abzug offiziell aus. Für Ministerpräsident Ali al-Saidi ist damit eine Kernforderung erfüllt, die er und die mit dem Iran verbündeten Milizen jahrelang erhoben hatten.

Zurück bleibt ein Staat, in dem die mächtigsten Milizen weiter bewaffnet sind. Die Entwaffnung und Eingliederung der mit dem Iran verbündeten Gruppen in den staatlichen Sicherheitsapparat wurde auf Juni 2027 verschoben. Die stärksten Milizen lehnen eine Abgabe ihrer Waffen bislang ab.

Von der Invasion 2003 bis zum Abzug 2026

Der Abzug schließt eine Geschichte, die 2003 begann: Damals marschierten die USA mit Verbündeten im Irak ein und stürzten Saddam Hussein – begründet mit angeblichen Massenvernichtungswaffen, die sich später als falsch erwiesen. 2011 zogen die Truppen vollständig ab, 2014 kehrten sie auf Bitten Bagdads zurück, um den Islamischen Staat (IS) zu bekämpfen.

2017 erklärte die Koalition den IS im Irak für militärisch besiegt, 2021 endete der US-Kampfeinsatz. Die verbliebenen rund 2.500 amerikanischen Soldaten wirkten seither nur noch als Berater und Ausbilder. Im September 2024 vereinbarten beide Länder in einer gemeinsamen Erklärung das Ende des Koalitionseinsatzes und einen schrittweisen Abzug.

Der Weg zum US-Abzug aus dem Irak

  1. März 2003
    US-Invasion im Irak

    US-Truppen und Verbündete stürzen Saddam Hussein. Die Begründung mit angeblichen Massenvernichtungswaffen erweist sich später als falsch.

  2. 2011
    Vollständiger US-Abzug

    Die letzten amerikanischen Soldaten verlassen den Irak.

  3. 2014
    Rückkehr nach Bagdad

    Auf Bitten der irakischen Regierung beginnen die USA die Anti-IS-Koalition „Operation Inherent Resolve“. Mehr als 80 Länder beteiligen sich.

  4. 2017
    IS militärisch besiegt

    Die Koalition erklärt den Islamischen Staat im Irak für militärisch besiegt; in Syrien gilt das 2019.

  5. 2021
    Ende des Kampfeinsatzes

    Rund 2.500 US-Soldaten bleiben als Berater und Ausbilder im Land.

  6. September 2024
    Abkommen zum Abzug

    USA und Irak vereinbaren in einer gemeinsamen Erklärung das Ende des Koalitionseinsatzes und einen schrittweisen Abzug.

  7. 30. September 2026
    Pentagon bestätigt den Abzug

    Das US-Verteidigungsministerium meldet, die letzten Soldaten hätten den Irak verlassen. In Bagdad findet eine Militärparade statt.

Al-Saidi verspricht das staatliche Gewaltmonopol

Ministerpräsident al-Saidi stellte den Abzug als Erfolg dar. Er erklärte, das Ende der Koalitionsmission bedeute nicht das Ende des Kampfes gegen den Terrorismus. Zugleich sicherte er zu, alle Waffen unter die Kontrolle staatlicher Institutionen zu bringen.

„Wir sind fest entschlossen sicherzustellen, dass der Staat alleine die Entscheidung über Krieg und Frieden fällt und alle Waffen in den Händen der staatlichen Institutionen sind.“
Ali al-Saidi, irakischer Ministerpräsident

Wie weit dieses Versprechen trägt, ist offen. Al-Saidi schloss Zusammenstöße mit den Milizen aus und verwies auf einen „konstruktiven Dialog mit den Gruppen“. Der irakische Politikanalyst Sajjad Eyad bezweifelt, dass die Gruppen ihre Waffen abgeben: „Es gibt eine große Ablehnung beim Thema Entwaffnung. Das wird nicht passieren.“

Seit dem Iran-Krieg steigt die Furcht vor dem IS

Der Abzug fällt in eine angespannte Lage. Seit die USA Ende Februar 2026 gemeinsam mit Israel den begannen, ist es nach dpa-Angaben zu Hunderten Angriffen auf US-Einrichtungen und -Soldaten im Irak sowie auf Ziele kurdischer Kräfte gekommen.

Attackiert wurden auch die US-Botschaft in Bagdad und der Stützpunkt Erbil, den US-Truppen und die Bundeswehr nutzten. Peschmerga-Oberkommandeur Serwan Barzani warnte, der Abzugstermin habe dem IS Auftrieb gegeben und er beobachte neue Bewegungen von Schläferzellen.

„Wir beobachten neue Bewegungen von Schläferzellen des IS, seit es den Termin für den Truppenabzug gibt. Das hat den IS-Terroristen moralisch Auftrieb gegeben.“
Serwan Barzani, Oberkommandeur der Peschmerga

Der jordanische Politikwissenschaftler Amer al-Sabaileh sieht das Kräfteverhältnis dauerhaft verschoben: Mit dem Sturz Saddam Husseins sei der Irak dem Iran „auf dem Silbertablett serviert“ worden.

Die frühere US-Botschafterin im Irak, Alinor Rominoski, fragt, wie die Regierung reagieren will, wenn Milizen weiter Befehle aus Teheran befolgen und Nachbarn angreifen. Antworten darauf muss Bagdad künftig ohne amerikanische Truppen im Land geben.

Bundeswehr räumt Erbil, Wadephul lässt Tür offen

Die Bundeswehr war seit 2015 an der Anti-IS-Mission beteiligt, mit bis zu 500 Kräften; ihr Mandat läuft bis Januar 2027. Das Feldlager in Erbil ist bereits geräumt. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hält eine weitere Präsenz deutscher Militärberater in Erbil für möglich.

Das Pentagon bewertet den Abzug als Erfolg. Sprecher Sean Parnell nannte das Verlassen des Stützpunkts Erbil den „erfolgreichen Abschluss der Militärmission“, mit der der IS im Irak besiegt worden sei. Barzanis Warnung vor neuen Aktivitäten von Schläferzellen steht dazu im Widerspruch.

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Vor den Folgen des Abzugs für die Zeit danach warnt auch die dpa-Meldung zum Abzug und dem drohenden Machtvakuum. Offen bleibt, ob die Regierung die Milizen bis Juni 2027 entwaffnet.

Gelingt das nicht, bleiben die schlagkräftigsten Verbände des Landes außerhalb staatlicher Kontrolle – und der Streit darüber, wer im Irak über Krieg und Frieden entscheidet, geht ohne amerikanische Truppen weiter.