Die deutsche Nordseeküste soll zur militärischen Drehscheibe der Nato werden – der neue Marinehafen aber entsteht woanders. Am 29. September unterzeichneten Verteidigungsminister Boris Pistorius, Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte und BLG-Chef Matthias Magnor im Bremer Rathaus die Absichtserklärung für den „Deployment Hub Bremerhaven 2031“.
Der Standort an der Wesermündung soll Truppen und Material für die Nato aufnehmen. Nach dem Zeitplan der Allianz soll die Anfangsbefähigung bis 2027 erreicht sein, voll nutzbar für große Verlegungen wird der Hub bis 2031. Die ersten Baumaßnahmen sollen noch 2026 beginnen.
Der Bund stellt dafür 1,35 Milliarden Euro bereit. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte die Summe im November 2025 für die Jahre 2026 bis 2031 bewilligt. Pistorius nennt den Hub „die größte Investition hier“ und sagt, was die geplante Milliarden-Investition in Bremerhaven leisten soll: „Wir sind die Drehscheibe für militärische Verlegung im Ernstfall.“
Der Marinehafen geht nach Emden
Der zweite Teil des Pakets fällt nicht in Bremen. Die Nachrichtenagentur dpa meldete am Tag der Unterzeichnung, der neue Marinehafen solle in Emden entstehen. Bereits am 23. September war zu lesen, warum Bremerhaven beim Marinehafen leer ausgeht.
Die Standortfrage hat eine Vorgeschichte. Mitte Juli hatte Pistorius bei einem Truppenbesuch in Ostfriesland einen zweiten Marinehafen an der deutschen Nordseeküste gefordert. Am 8. September beschloss der Bremer Senat die militärische Ertüchtigung des Bremerhavener Überseehafens, zwei Tage später stimmte die Wirtschaftsdeputation der Bürgerschaft zu.
Vom Milliardenbeschluss zur Unterschrift
- November 2025Milliarden bewilligt
Der Haushaltsausschuss des Bundestages stellt 1,35 Milliarden Euro für den Deployment Hub Bremerhaven für die Jahre 2026 bis 2031 bereit.
- Mitte Juli 2026Pistorius fordert zweiten Marinehafen
Bei einem Truppenbesuch in Ostfriesland betont der Verteidigungsminister den Bedarf an der deutschen Nordseeküste.
- 8. September 2026Bremer Senat stimmt zu
Der Senat beschließt die militärische Ertüchtigung des Bremerhavener Überseehafens.
- 10. September 2026Deputation folgt
Die Wirtschaftsdeputation der Bremischen Bürgerschaft stimmt dem Vorhaben zu.
- 23. September 2026Emden wird Favorit
Bei der Standortsuche für den neuen Marinehafen deutet sich Emden als Favorit an.
- 29. September 2026Unterschrift im Rathaus
Pistorius, Bovenschulte und BLG-Chef Matthias Magnor unterzeichnen die Absichtserklärung zum Deployment Hub.
- 5. Oktober 2026Gespräche in Emden
Geplante Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen beim neuen Marinestützpunkt.
Historische Chance für den Hafen
Für den Standort ist der Hub mehr als ein Logistikprojekt: Pistorius beschreibt den Betrieb nüchtern. „Zehntausende Soldatinnen und Soldaten brauchen Unterkunft, Verpflegung. Maschinen und Geräte müssen gewartet und entsprechend betrieben werden“, sagt er. Bovenschulte nennt die Aufgabe „nochmal eine richtige Herausforderung“.
Für Bovenschulte ist der Hub vor allem eine Finanzfrage. Die 1,35 Milliarden kommen vom Bund, Bovenschulte zufolge bringt Bremen Hafen und Fläche ein – und kann nach seinen Worten etwas umsetzen, das aus eigener Kraft nie möglich gewesen wäre.
„Man muss ganz klar sagen: Das gibt uns die historische Chance, den Hafen insgesamt in Schuss zu bringen. Das hätten wir mit eigenen Mitteln alleine nie geschafft.“
Ein Signal an Moskau
Pistorius ordnet den Ausbau nicht nur logistisch, sondern als Absicherung ein. „Wir stärken den Standort Bremerhaven: Wir investieren in einen so genannten Deployment Hub und sorgen dafür, dass wir die Logistik für unsere Streitkräfte sicherstellen – und in einem Ernstfall auch für die unserer Verbündeten“, sagt er. Ein wichtiger Baustein für die Umsetzung des Operationsplans Deutschland sei damit gesetzt.
Bovenschulte argumentiert offensiver. Der Ausbau solle „das Signal senden: ‚Legt euch lieber nicht mit uns an, wir sind vorbereitet‘“, sagt der Bürgermeister. Und: „Erstmal dient ja der Ausbau des Hafens dazu, dass unsere Sicherheit, unsere Freiheit gesichert bleibt.“
Der Zeitdruck hat einen Hintergrund: Der britische Premierminister Keir Starmer warnt auf Basis von Geheimdienstinformationen, vor einem möglichen Angriff bis 2030. Weitergehen soll es am 5. Oktober: In Emden wollen Pistorius, Olaf Lies, Vizeadmiral Wilhelm Tobias Abry und Horst Jahnke über den neuen Marinestützpunkt sprechen. Offen bleibt dann, wann dort gebaut wird – und wie sich die 1,35 Milliarden am Ende zwischen beiden Standorten verteilen.
