Früherer Olymp-Chef Eberhard Bezner ist mit 90 Jahren gestorben
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Textilindustrie

Früherer Olymp-Chef Eberhard Bezner ist mit 90 Jahren gestorben

Er holte die Hemdenproduktion aus Deutschland, machte Olymp zum größten Hemdenhersteller des Landes und verteidigte den Schritt bis ins hohe Alter. Eberhard Bezner ist mit 90 Jahren gestorben – sein Sohn Mark führt das Unternehmen in dritter Generation.

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Eberhard Bezner ist tot. Der langjährige Chef des Hemdenherstellers Olymp aus Bietigheim-Bissingen starb am 29. September im Alter von 90 Jahren friedlich zu Hause im Kreis seiner Familie. Die Olymp Bezner KG gab den Tod am Tag darauf bekannt, bundesweit berichteten Medien – darunter der Nachruf auf den Hemden-Pionier aus Bietigheim-Bissingen.

Bezner machte Olymp zum größten Hemdenhersteller Deutschlands – und holte dafür die Produktion aus Deutschland heraus. 1969 nahm die erste Auslandsfabrik in Slawonien im damaligen Jugoslawien die Produktion auf, 1980 verkaufte das Unternehmen sein letztes deutsches Werk in Kißlegg im Allgäu. Den Vorwurf, damit Arbeitsplätze in Deutschland aufgegeben zu haben, konterte er bis zuletzt.

„Wäre ich seinerzeit nicht ins Ausland gegangen, gäbe es das Unternehmen Olymp nicht mehr.“
Eberhard Bezner, langjähriger Olymp-Chef (†)

Vom Lehrling zum Firmenchef

Geboren wurde Eberhard Bezner am 31. Dezember 1935 in Stuttgart, als einziges Kind des späteren Olymp-Gründers Eugen Bezner und dessen Frau Wilma. Er wuchs in Bietigheim und Ingersheim auf. Nach dem Schulabschluss in Bietigheim begann er 1950 eine Lehre zum Textil- und Einzelhandelskaufmann in einem Ludwigsburger Textilgroßhandel.

1951 gründete sein Vater Olymp in der Waschküche des eigenen Hauses; die ersten Hemden entstanden aus Militärstoffen und Fallschirmseide. Am 1. September 1953 trat der Sohn als einfacher Mitarbeiter ein – er reparierte Nähmaschinen, verpackte Hemden und schrieb Rechnungen. Nach dem überraschenden Tod des Vaters übernahm er im Januar 1960 mit 24 Jahren die Führung, damals rund 70 Beschäftigte.

Fabriken in Slawonien, auf den Philippinen und in Myanmar

Die Expansion ging weit über Jugoslawien hinaus. In den 1970er- und 1980er-Jahren betrieb Olymp auf den Philippinen ein eigenes Werk – mit einer Klinik für die Beschäftigten. Weitere Standorte entstanden in Hongkong, Taiwan, Myanmar und Indonesien. 1980 endete die Hemdenfertigung in Deutschland mit dem Verkauf des Werks in Kißlegg.

Der Lohn war der Markt: Seit 2007 ist Olymp Marktführer bei Herrenhemden in Deutschland. Die FAZ nannte Bezner den „Hemdenpapst“, 2013 zeichnete ihn das Wirtschaftsforum Baden-Baden für sein Lebenswerk als „Doyen der deutschen Hemdenindustrie“ aus. 2010 übergab er die Führung an seinen Sohn Mark.

816 Mitarbeiter, 198 Millionen Euro Umsatz

Bezner blieb dem Unternehmen verbunden. Im August 2026 nahm er noch an der Pressekonferenz zum Führungswechsel im Bietigheimer Hotel und Restaurant „Eberhards“ teil, das er 2010 eröffnet hatte. Im März 2026 hatte sich Olymp die Markenrechte des insolventen Konkurrenten Eterna gesichert.

Die Zahlen der Gegenwart sind durchwachsen: 2025 beschäftigte Olymp nach eigenen Angaben 816 Mitarbeiter und erzielte 198 Millionen Euro Umsatz – 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Mark Bezner führt das Unternehmen in dritter Generation.

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Gemeinderat, Stiftung und „Jazz im Olymp“

Für die CDU saß Bezner von 1968 bis 2004 im Gemeinderat von Bietigheim-Bissingen, zeitweise als dienstältestes Fraktionsmitglied und als ehrenamtlicher Stellvertreter von Oberbürgermeister Manfred List. 2001 rief er das Festival „Jazz im Olymp“ ins Leben, das seither jährlich auf dem Firmenareal stattfindet. 2008 gründete er mit seinen Kindern Mark und Birgit die Olymp-Bezner-Stiftung mit einer Million Euro Stiftungskapital.

List beschrieb ihn als „gleichermaßen bodenständig und weltoffen“. Zu Bezners Ehrungen zählen die Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg und das Bundesverdienstkreuz am Bande. Offen bleibt, wie sich Olymp ohne den Mann entwickelt, der das Unternehmen 50 Jahre lang – von 1960 bis 2010 – führte.