Landgericht Berlin lässt Untreue-Anklage gegen Schlesinger zu
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RBB-Affäre

Landgericht Berlin lässt Untreue-Anklage gegen Schlesinger zu

Das Landgericht Berlin hat die Untreue-Anklage gegen vier frühere RBB-Führungskräfte zugelassen. Der Prozess gegen Patricia Schlesinger und drei Mitangeklagte beginnt am 10. November 2026 und ist zunächst auf 56 Verhandlungstage angelegt.

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Die frühere RBB-Intendantin Patricia Schlesinger muss sich vor dem Landgericht Berlin verantworten: Die Anklage der Generalstaatsanwaltschaft ist zugelassen, das Hauptverfahren eröffnet. Der Strafprozess beginnt am 10. November 2026.

Der Beschluss ist auf den 23. September 2026 datiert, bekannt gegeben wurde er am 29. September durch eine Gerichtssprecherin; das Aktenzeichen lautet 517 Kls 23/25, wie aus dem LTO-Bericht zur Zulassung der Anklage hervorgeht. Mitangeklagt sind drei weitere frühere Führungskräfte des Senders.

Der Weg zum Strafprozess

  1. Sommer 2022
    Der RBB-Skandal wird publik

    Vorwürfe von Vetternwirtschaft und Verschwendung treffen die Senderspitze: Dienstwagen mit Massagesitzen, luxuriöse Intendanz-Ausstattung, Essen auf Senderkosten, ein gestopptes Millionen-Bauprojekt. Schlesinger muss gehen, die Geschäftsleitung wird ausgewechselt.

  2. August 2022
    Generalstaatsanwaltschaft ermittelt

    Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft gibt bekannt, von Amts wegen gegen die frühere RBB-Spitze zu ermitteln.

  3. Juli 2025
    Urteil im Zivilstreit

    Das Landgericht Berlin entscheidet im Streit zwischen Schlesinger und dem RBB: Teilerfolg für die Ex-Intendantin, in zwei Punkten setzt sich der Sender durch. Beide Seiten legen Berufung ein.

  4. Dezember 2025
    Anklage erhoben

    Nach langen Ermittlungen erhebt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin Anklage gegen Schlesinger und drei weitere frühere leitende Mitarbeiter.

  5. 23. September 2026
    Anklage zugelassen

    Das Landgericht Berlin I lässt die Anklage zu und eröffnet das Hauptverfahren (Az. 517 Kls 23/25).

  6. 10. November 2026
    Prozessbeginn

    Die Hauptverhandlung vor der 17. Großen Strafkammer beginnt; zunächst 56 Verhandlungstage sind bis Ende Juni 2027 angesetzt.

Vier Angeklagte, 50 Tatvorwürfe

Neben der 65 Jahre alten Schlesinger sind der damalige Vorsitzende des RBB-Verwaltungsrats, Wolf-Dieter Wolf, der frühere Verwaltungsdirektor Hagen Brandstäter und die frühere Juristische Direktorin Susann Lange angeklagt. In sieben Fällen geht die Anklage von einem besonders schweren Fall aus.

Vorgeworfen werden ihnen Untreue nach Paragraf 266 StGB und Betrug nach Paragraf 263 StGB zum Nachteil des RBB. Der Tatzeitraum reicht von Januar 2018 bis Juli 2022. Schlesinger werden 26 Taten angelastet, Wolf 13, Lange sechs und Brandstäter fünf.

Tatvorwürfe je Angeschuldigten

Zahl der Taten, die die Anklage den vier früheren RBB-Führungskräften zuordnet

Quelle: Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Berlin

Zulagen, Vorruhestand, Tochterfirma

Ein Teil der Vorwürfe betrifft Zulagen zur turnusmäßigen ARD-Geschäftsführung von 1.700 Euro brutto monatlich. Sie gingen an die Juristische Direktorin, den Verwaltungsdirektor und vier weitere Mitarbeiter; der Gesamtschaden liegt laut Anklage bei 122.400 Euro.

Hinzu kommen Zahlungen an Freigestellte: Ein seit April 2019 freigestellter ehemaliger Mitarbeiter soll bis August 2025 rund 662.600 Euro aus einer unzulässigen Vorruhestandsregelung erhalten haben. Ein freigestellter Mitarbeiter eines RBB-Tochterunternehmens bekam auf Schlesingers Veranlassung knapp 12.300 Euro für drei Monate.

Verteidigung weist alle Vorwürfe zurück

Schlesingers Verteidiger Oliver Sahan von der Kanzlei Roxin weist alle Vorwürfe zurück. Er kündigte an, die Vorwürfe „vollumfänglich“ zu entkräften. Für alle Angeschuldigten gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung.

„Frau Schlesinger hat alle ihre Entscheidungen als Intendantin ausschließlich an den Interessen des RBB ausgerichtet. Wir werden die Vorwürfe vollumfänglich entkräften.“
Oliver Sahan, Verteidiger von Patricia Schlesinger

56 Verhandlungstage bis Ende Juni 2027

Die Hauptverhandlung soll am 10. November 2026 vor der 17. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin beginnen. Angesetzt sind zunächst 56 Verhandlungstage bis Ende Juni 2027, wie ZDFheute über den geplanten Prozessbeginn berichtet.

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Parallel streiten Schlesinger und der RBB zivilrechtlich über gegenseitige Forderungen von zuletzt 1,78 Millionen Euro – Ruhegeld gegen Rückzahlungen. Nach dem Urteil des Landgerichts Berlin vom Juli 2025 legten beide Seiten Berufung ein; das Kammergericht Berlin soll sich im Frühjahr 2027 damit befassen. Ein Urteil im Strafverfahren ist damit frühestens im Sommer 2027 zu erwarten.