Bain-Studie sieht KI-Energiebedarf 16-fach überschätzt
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Rechenzentren

Bain-Studie sieht KI-Energiebedarf 16-fach überschätzt

Bain & Company hat nachgerechnet: KI braucht 0,7 Prozent des globalen Energieverbrauchs – Führungskräfte schätzen 11 Prozent, Verbraucher 19 Prozent. Beim WELT AI Summit in Berlin sagte Digitalminister Karsten Wildberger, KI könne „für Deutschland und Europa ein Befreiungsschlag sein“.

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Der Stromhunger der KI fällt einer Analyse von Bain & Company zufolge 16-mal kleiner aus, als Führungskräfte annehmen – und knapp 30-mal kleiner, als Verbraucher glauben. Am 22. September veröffentlichte die Unternehmensberatung die deutschsprachige Fassung ihrer Studie; am selben Tag tagte der WELT AI Summit in Berlin.

Die Zahlen stammen aus der vierten Auflage von „The Visionary CEO's Guide to Sustainability“. 400 befragte Führungskräfte erwarten für die KI einen Anteil von rund 11 Prozent am globalen Energieverbrauch, Verbraucher kommen auf 19 Prozent. In der deutschsprachigen Pressemitteilung zur vierten Auflage der Studie nennt Bain 0,7 Prozent als eigene Prognose.

Damit liegen die Erwartungen um das 16-Fache beziehungsweise knapp das 30-Fache daneben. Zwischen den Erwartungen und Bains Prognose liegt eine erhebliche Differenz.

Der WELT AI Summit fand am 21. und 22. September zum dritten Mal im Axel-Springer-Neubau in Berlin statt. Rund 130 Menschen nahmen teil, etwa 50 CEOs saßen am runden Tisch. Gesprochen wurde unter der Chatham House Rule – nach außen zitierbar sind nur die freigegebenen Wortmeldungen.

Die Lücke zwischen Angst und Prognose

Die Sorge vor einem wachsenden Energiebedarf hat einen realen Anlass: Weltweit entstehen neue Rechenzentren in großem Stil. In der Analyse der WELT zum Energiehunger der KI heißen diese Befürchtungen übertrieben.

Der Artikel von Wirtschaftsredakteur Daniel Zwick erschien am 23. September in der Printausgabe der WELT und steht seit dem 24. September online. Darin heißt es, der massive Ausbau der KI-Rechenzentren wecke Ängste vor einem wachsenden Energiebedarf, die sich so nicht bestätigen lassen – der Ausbau habe sogar positive Effekte auf das Energiesystem.

Für die Einordnung zählt vor allem die Größenordnung. Führungskräfte liegen laut Bain um das 16-Fache daneben, Verbraucher um knapp das 30-Fache. Wer den Energiebedarf der KI fürchtet, fürchtet demnach nicht ein knappes Missverständnis, sondern eine sehr große Fehleinschätzung.

KI-Anteil am globalen Energieverbrauch: Schätzung und Prognose

Erwartete Werte von Führungskräften und Verbrauchern im Vergleich zur Bain-Prognose

Quelle: Bain & Company, September 2026

Ein Befreiungsschlag für Deutschland?

Auf dem Gipfel trat auch Digitalminister Karsten Wildberger auf. Er sieht in der KI weniger ein Risiko für das Energiesystem als einen Ausweg aus einer festgefahrenen Lage – und widerspricht damit zugleich der Annahme, das deutsche Exportmodell funktioniere unverändert weiter.

„Karsten Wildberger sagte: „Noch nie war die Gleichzeitigkeit der Herausforderungen so groß wie heute. Unser Exportmodell ist in die Jahre gekommen und funktioniert so nicht mehr. Ich glaube aber, dass KI, wenn wir es richtig machen, für Deutschland und Europa ein Befreiungsschlag sein kann.““
Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung (CDU)

Der Minister spricht damit den Kern der Berliner Debatte an: Er stellt sich gegen die Vorstellung, am bisherigen Geschäftsmodell müsse sich nichts ändern, und setzt auf KI als industriellen Hebel. Sein Auftritt fiel auf einen Gipfel, auf dem die Bain-Studie die Sorge vor einem ausufernden Energiebedarf der Technologie entkräften sollte.

Deutschland könne bei industrieller KI sogar führen, sagte Wildberger: „Deutschland unterschätzt sich komplett in seinen Fähigkeiten. Wir haben großartige Talente und Unternehmen. Deutschland kann führend sein im Bereich der industriellen KI.“ An dieser Aussage muss sich der Standort messen lassen.

Weitere Wortmeldungen kamen von Nick Fox (Google), Jonas Andrulis (CNTR), Helge Fuhst und Mathias Sanchez; Axel Springer veröffentlichte sie zum Abschluss des Gipfels. Am Vorabend hatte Kardinal Michael Czerny aus dem Vatikan gesprochen, ebenso Wolfgang Ischinger von der Münchner Sicherheitskonferenz.

Die beiden Botschaften des Tages stehen nebeneinander. Die Studie sagt, die Angst vor dem Energiebedarf sei übertrieben; der Minister sagt, ohne KI verliere Deutschland den Anschluss. Nach dieser Logik bremst, wer den Ausbau der Rechenzentren aus Sorge um den Stromverbrauch bremst, auch das, was Wildberger als Befreiungsschlag beschreibt.

Verbraucher bleiben skeptisch

Die Wahrnehmungslücke betrifft nicht nur die Energie. Eine Konsumentenumfrage des Berichts, die der Fachdienst ESG Today am 23. September aufgriff, zeigt: Die Sorge der Verbraucher um Nachhaltigkeit ist erstmals seit drei Jahren wieder gestiegen.

Wie weit diese Skepsis gegenüber der Technologie reicht, zeigt auch Ex-DeepMind-Forscher warnt vor Gefahren der KI. Beim Gipfel in Berlin traf sie auf ein Programm, das den Nutzen der KI in den Vordergrund stellt.

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Was aus Berlin folgt

Beschlossen wurde in Berlin nichts. Geblieben sind eine Zahl, ein Satz und eine offene Rechnung: Wie stark der Strombedarf durch KI wirklich steigt, entscheidet sich nicht im Konferenzsaal, sondern an den Netzdaten der kommenden Jahre und an den Genehmigungen für neue Rechenzentren.

Wildberger hat beschrieben, was er unter einem Befreiungsschlag verstehen würde – messbar wäre er daran, ob deutsche Unternehmen bei industrieller KI aufholen. Ob die 0,7 Prozent von Bain dieser Entwicklung standhalten, wird sich an den Netzdaten zeigen.