Drohne schlägt in Kiewer Schule ein – Sprengkopf detoniert nicht
Der Einschlag in eine Kiewer Schule mit mehr als 100 Kindern im Schutzraum zeigt, wie tief russische Drohnen in den Alltag der Hauptstadt reichen. Der 50 Kilogramm schwere Sprengkopf detonierte nicht – bei anderen Treffern derselben Nacht starb ein Mensch.
Eine russische Angriffsdrohne ist am frühen Donnerstagmorgen in eine Schule im Kiewer Bezirk Solomjanskyj eingeschlagen. Eine Überwachungskamera filmte, wie das Geschoss mit hoher Geschwindigkeit heranraste und beim Aufprall eine Explosion auslöste. In dem Gebäude brach ein Feuer aus, nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im zweiten Stock. Fenster und Türen wurden zerstört, eine Außenwand teilweise abgerissen. Verletzte gab es nach übereinstimmenden Angaben nicht.
Mehr als 100 Kinder und rund 60 Lehrkräfte hielten sich zu diesem Zeitpunkt bereits im Schutzraum auf, wie dem Bericht über die Kinder im Schutzraum zu entnehmen ist. Wie das Nachrichtenportal Hromadske berichtet, war es nicht der erste Einschlag in dieser Schule; der Großteil der Schüler nimmt wegen der ständigen Angriffsgefahr ohnehin nur online am Unterricht teil.
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Wir wissen aus Geheimdienstinformationen und von einigen Leuten um Putin, dass Putin Anfang September sagte: „Jetzt gibt es keine Regeln mehr.“ Die Russen konnten uns nicht besetzen. Also führen sie jetzt massive Angriffe und massives Töten durch. Und natürlich wollen sie auf unsere Brücken losgehen und, soweit wir verstehen, auf unsere Rechenzentren, Internet, Mobilfunknetz, Krankenhäuser, Kindergärten, Schulen, Universitäten – alles. Sie wollen, dass die Menschen aus ihren Städten fliehen, und wir müssen alles tun, um unsere Menschen und Städte zu retten.
F-16s zerstören jetzt 50 bis 60 % der Jet-Drohnen. Das ist ein Weg, und wir arbeiten viel daran, Waffen für F-16s zu bekommen. Der zweite Weg sind schnelle Abfangjäger. Jetzt haben wir fünf Abfangjäger im Test. An einem Tag sind sie 70 % effektiv, am anderen Tag – 30 %. Also, um die Frage zu beantworten „Wann können wir die Produktion hochskalieren?“ – wir haben nicht Milliarden, um eine Million Abfangjäger zu produzieren, die nicht funktionieren werden. Motoren sind der Schlüssel. Wir importieren viel und produzieren einige, aber diese Zahlen sind nicht genug.
Also von diesen 5 Mustern wurden einige fünfmal verwendet, einige zehnmal und einige nur einmal. Aber du hattest einen und hast eine russische Drohne zerstört. Das ist das Problem. Ich kenne das genaue Datum nicht, aber im Oktober werden wir 400 dieser Abfangjäger haben. Und es ist normal, wenn du 400 Abfangjäger über mehrere Tage von Angriffen einsetzt und du sagst: „Schaut, Leute, sorry, aber es zerstört nur 10 %. Es funktioniert nicht.“ Oder zum Beispiel, wenn es 30 % oder mehr ist: „Großartig, Leute, ihr müsst ein bisschen daran arbeiten, und wenn der Prozentsatz 60–70 % ist – riesiger Erfolg.“
Aus einem Interview mit der Financial Times.
X · @ZelenskyyUa
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Der Sprengkopf lag auf der Treppe
Am Tag nach dem Einschlag wurde die Auswertung der Überwachungskamera bekannt: Die Aufnahmen vom Einschlag der Drohne zeigen, wie das Geschoss in die Fassade fährt und eine Explosion das Gebäude erfasst. Ermittler stellten dabei fest, dass der rund 50 Kilogramm schwere Sprengkopf auf die Treppe des Hauses fiel – und nicht detonierte.
Selenskyj rechnet den Treffer einer Angriffsserie auf ukrainische Bildungseinrichtungen zu.
„Die russischen Missgeburten greifen weiter das Leben unseres Landes, ukrainische Kinder, unsere Schulen an.“
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
107 Drohnen an einem einzigen Morgen
Der Treffer in Solomjanskyj war Teil einer großen Angriffswelle. Ukrainischen Angaben zufolge setzte Russland in dieser Nacht 107 Drohnen gegen das Land ein. In Kiew wurde im selben Stadtteil eine Lagerhalle getroffen, im Bezirk Obolonskyj geriet eine weitere Lagerhalle in Brand, im Bezirk Petscherskyj ein Gebäudekomplex. Drohnen schlugen an der Südbrücke ein. Bei einem Treffer in ein Wohnhaus starb ein Mensch, zwei weitere wurden verletzt.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko beschreibt die Lage nach der Angriffsnacht mit drastischen Worten:
„Der Feind reißt Kiew auseinander.“
Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew
Brücken gesperrt, Klitschko warnt vor dem Alltag
Auch am Freitag, dem 2. Oktober, schlug eine Drohne erneut an der Südbrücke ein. Mehrere Dnipro-Brücken in Kiew bleiben ganz oder teilweise gesperrt. Klitschko spricht von einer sehr dramatischen Lage in der Hauptstadt – und davon, dass sich die Stadt dauerhaft auf den Krieg einstellen muss:
„Es ist nicht mehr möglich, so zu tun, als ob wir jetzt noch so wie in Friedenszeiten leben könnten.“
Vitali Klitschko, Bürgermeister von Kiew
Für die Schulen der Hauptstadt bleibt eine Frage offen, die der Schutzraum allein nicht beantwortet: Ob Präsenzunterricht in Kiew überhaupt noch zu verantworten ist, wenn ein Großteil der Kinder ohnehin online lernt – und beim nächsten Einschlag der Sprengkopf nicht auf der Treppe liegen bleibt.