Mit 14 oder 15 Jahren lag die Rocksängerin Doro Pesch mit einer Lungentuberkulose im Endstadium in einer Klinik – hinter einem Gitter vor dem Fenster, zwischen angebundenen Mitpatienten. Sie sagt, sie habe damals mit ihrem Leben abgeschlossen.
Auslöser der neuen Schilderungen ist ein Interview, das WELT am 2. Oktober veröffentlicht hat. Darin erzählt Pesch von Gittern vor dem Fenster und Medikamenten; am 3. Oktober ist sie um 15 Uhr Auftaktgast des neuen Formats „MusikerGrillen“ auf WELT TV.
Ihre Erzählung spannt einen Bogen über rund ein Jahrzehnt: Erst bestimmten Ärzte und Pflegepersonal über ihren Alltag, später ein Coach, den die Plattenfirma ihr in New York zur Seite stellte. Ihr größtes Album entstand mitten in diesem Druck.
Gitter vor dem Fenster, angebundene Patienten
Pesch war etwa 14 oder 15 Jahre alt, als bei ihr eine Lungentuberkulose im Endstadium festgestellt wurde. In der Klinik sah sie nach eigener Schilderung angebundene Mitpatienten, vor dem Fenster hing ein Gitter. Medikamente stellten sie ruhig.
„Es war wie in so einem rumänischen Kinderheim. Die Leute wurden da angebunden, es war ein Gitter vor dem Fenster und ich dachte, ich sterbe. Ich wusste, ich sterbe.“
Ihre Mutter holte sie gegen den Widerstand von Ärzten und Pflegepersonal aus der Klinik. Erst als sie drohte, an die Presse zu gehen, ließ man beide gehen. Danach folgten rund neun Monate Behandlung in einem anderen Krankenhaus.
Vom Krankenhaus zur ersten Band
In der zweiten Klinik reifte der Entschluss, der ihr weiteres Leben bestimmte: „Wenn ich da jemals lebend rauskomme, dann mache ich was mit meinem Leben, dann möchte ich Menschen glücklich machen.“
Zwei Wochen nach ihrer Entlassung gründete sie ihre erste Band. Rund ein Jahrzehnt später führte sie dieser Weg nach New York – in die Zeit ihres größten Erfolgs und einer neuen Abhängigkeit.
Tanzen ab halb sieben, nur noch Salat
In den 1980er-Jahren stellte die Plattenfirma Pesch in New York einen persönlichen Coach zur Seite. Die Frau kontrollierte nach Peschs Schilderung ihren Tagesablauf: Tanzen ab halb sieben Uhr morgens, stundenlanger Sport, Rauchverbot, „nur noch Salat“.
„Sie war ein richtiger Schleifer. Die war da, die hat mich gequält. Da musste ich also jeden Morgen um halb sieben tanzen. Und dann wurde erst mal so stundenlang Sport gemacht.“
Die Vorgaben, sagt Pesch, hätten ihrem Verständnis von Heavy Metal widersprochen: Für sie bedeutet die Musik Freiheit. Mit dem Album „Triumph and Agony“ feierte ihre Band Warlock in diesen Jahren den größten Erfolg ihrer Geschichte.
Nächte in der U-Bahn mit Obdachlosen
Dem Druck hielt sie nicht durchgehend stand: Nach eigener Schilderung haute sie manchmal ab und verbrachte die Nächte bei Obdachlosen in den U-Bahnen von New York. Um nicht als junge Frau erkannt zu werden, trug sie einen Hoodie und malte sich einen Schnurrbart aufs Gesicht.
Über ihre Flucht zu Obdachlosen in New York sagt sie: „Ich war manchmal so mit den Nerven runter. Dann hatte ich manchmal so die Nase voll, bin einfach abgehauen und habe die Nächte in den U-Bahnen verbracht mit den Obdachlosen.“
Bekannt war bislang, dass Pesch eine Tuberkulose-Erkrankung durchlitten hatte – ein Interview von 2023 erwähnte sie. Die Details der Klinik und die Nächte in New York schildert sie erst jetzt in dieser Ausführlichkeit.
Tiefe statt Drei-Minuten-Interview-Reel
Am 30. September hatten WELT und ROLLING STONE Germany die Talksendung „MusikerGrillen“ angekündigt. Pesch ist Auftaktgast der ersten Ausgabe, die am 3. Oktober um 15 Uhr auf WELT TV läuft. In der Ankündigung nennt WELT außerdem Thomas Anders und Westbam.
Sassan Niasseri, Director Digital Content beim Rolling Stone, begründet den Anspruch des Formats so: „Wir wollen wieder echte Tiefe jenseits des Drei-Minuten-Interview-Reels schaffen und die Menschen hinter der Musik kennenlernen, Geschichten und Seiten entdecken, die bislang kaum erzählt wurden.“
Von der Klinik zur Talkshow-Premiere
- um 1973/1974Erkrankung mit 14 oder 15 Jahren
Pesch erkrankt an Lungentuberkulose im Endstadium und kommt in eine Klinik; sie beschreibt Gitter vor dem Fenster, angebundene Patienten und Medikamente zur Ruhigstellung.
- um 1974Die Mutter holt sie heraus
Gegen den Widerstand von Ärzten und Pflegepersonal; erst nach der Drohung, an die Presse zu gehen, lässt das Personal Mutter und Tochter gehen.
- um 1974/1975Entschluss und erste Band
Nach rund neun Monaten Behandlung in einem anderen Krankenhaus fasst Pesch den Entschluss, etwas mit ihrem Leben zu machen. Zwei Wochen nach der Entlassung gründet sie ihre erste Band.
- 1980er-JahreNew York: Erfolg und Kontrolle
Mit Warlock entsteht „Triumph and Agony“, der größte Erfolg der Band. Die Plattenfirma stellt Pesch einen kontrollierenden Coach zur Seite; sie flieht zeitweise in die U-Bahn.
- 30. September 2026Ankündigung von „MusikerGrillen“
WELT und ROLLING STONE Germany stellen die Talksendung vor; Pesch wird als Auftaktgast genannt.
- 2. Oktober 2026Das Interview erscheint
WELT veröffentlicht „Doro Pesch über ihre schwerste Zeit“; weitere Medien greifen die Schilderungen auf.
- 3. Oktober 2026Erste Ausgabe
„MusikerGrillen“ läuft um 15 Uhr auf WELT TV.
Ob die erste Ausgabe diesen Anspruch einlöst, entscheidet sich am 3. Oktober um 15 Uhr. Das Format will ausführliche Gespräche über das Leben hinter der Musik ermöglichen. Ob Pesch im Gespräch auch den Coach und die Nächte in der U-Bahn erwähnt, ist offen.
