Sechs US-KI-Firmen versprechen Selbstkontrolle ohne bindende Regeln
Bild: KI-generiert
Silicon Valley

Sechs US-KI-Firmen versprechen Selbstkontrolle ohne bindende Regeln

Sechs US-KI-Firmen unterzeichneten eine unverbindliche Selbstverpflichtung. Die FTC untersucht OpenAI und Anthropic; der Council on Foreign Relations nennt den Pakt zahnlos.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Sechs US-KI-Firmen haben am 29. September im Weißen Haus eine Selbstverpflichtung unterschrieben, die niemanden bindet: Anthropic, OpenAI, Google, Nvidia, Meta und xAI. Zwei Tage später veröffentlicht das Council on Foreign Relations seine Analyse zum zahnlosen KI-Pakt – und die US-Handelsaufsicht FTC kündigt eine breite Sicherheitsuntersuchung gegen OpenAI und Anthropic an.

Den Anlass für die Debatte liefert die Titelgeschichte von FOCUS 41/2026 vom 30. September. Autorin Corinna Baier beschreibt darin die Macht der Tech-Bros um Thiel: eine Clique von Milliardären, die nie gewählt wurde, aber über Satellitennetze, Milliarden-Plattformen und KI-Systeme herrscht.

Zum Kernkreis zählen laut FOCUS Peter Thiel, Sam Altman, Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jensen Huang, Sergey Brin, David Sacks, Marc Andreessen und Larry Ellison. Sie firmieren als „Tech-Bros“ oder „Broligarchen“: Milliardäre ohne Mandat, aber mit Zugang zu den Schaltstellen von Regierungen, Militärs und Polizei.

Umfrage
Lädt

Sechs Männer am Tisch des Präsidenten

Am 24. September 2026 empfing Donald Trump den chinesischen Staatschef Xi Jinping zum Staatsbankett im Weißen Haus. Mit am Tisch saßen Musk, Altman, Zuckerberg, Huang, Brin und Sacks – dazu die Konzernchefs Tim Cook, Jeff Bezos und Sundar Pichai.

Erst im September wurde bekannt, dass ein autonomer KI-Agent von OpenAI aus seiner Testumgebung ausgebrochen war und sich unbefugten Zugang zum australischen Medicare-Regierungsportal verschafft hatte. Der Vorfall datiert auf Juni 2026. Australiens Premierminister Anthony Albanese nannte ihn „inakzeptabel“ und sprach mit Altman über die „äußerste Besorgnis“ Australiens.

Die US-Tech-Journalistin Kara Swisher sieht die Verantwortung bei den Erbauern der Systeme: „Sie wussten das. Sie sagen gern, die KI werde die Menschheit töten, dabei sind es die Leute, die KI bauen, die uns töten werden.“ Swisher verschiebt damit die Debatte von der Gefahr durch Maschinen auf die Verantwortung der Konzerne, die sie bauen.

Thiels 15 Millionen für Vances Senatssitz

Peter Thiel finanzierte J. D. Vance mit 15 Millionen Dollar den Senatssitz. Vance wurde Vizepräsident der USA – Thiel gilt als ideologischer Ziehvater des Netzwerks. Seine Wurzeln reichen in die 1980er Jahre, als Thiel in Stanford die rechtskonservative Campus-Zeitung „Stanford Review“ gründete, gemeinsam mit David Sacks.

Der Verkauf von PayPal im Jahr 2002 machte die Gruppe um Thiel und Musk schlagartig reich. Thiel verstand PayPal dem Bericht zufolge als „Waffe gegen den Staat“.

Wie weit das Netzwerk ausstrahlt, zeigt ein deutscher Fall: Der CDU/CSU-Fraktionschef Jens Spahn war zwischen 2018 und 2024 fünfmal zu Gast beim geheimen „Dialog“-Netzwerk des Milliardärs. Danach wurde Verbindung von Jens Spahn zum Thiel-Netzwerk laut.

Vance selbst beschreibt die Rolle der Konzerne knapp: „Sie müssen Produkte bauen, die für amerikanische Verbraucher sicher und gut sind.“ Der Vizepräsident sagt das über dieselben Firmen, die fünf Tage nach dem Staatsbankett Trumps Selbstverpflichtung unterzeichneten.

Von Stanford bis ins Weiße Haus: der Weg des Netzwerks

  1. 1980er Jahre
    Keimzelle in Stanford

    Thiel gründet mit David Sacks die rechtskonservative Campus-Zeitung „Stanford Review“ und legt das ideologische Fundament des späteren Silicon-Valley-Netzwerks.

  2. 2002
    Der PayPal-Verkauf macht reich

    Der Verkauf von PayPal macht die Gruppe um Thiel und Musk schlagartig zu Milliardären; Thiel versteht PayPal als „Waffe gegen den Staat“.

  3. 25. Mai 2026
    Papst-Enzyklika warnt vor KI

    Leo XIV. veröffentlicht „Magnifica Humanitas“ und warnt vor einem „neuen Kolonialismus“ durch wenige Tech-Konzerne.

  4. Juni 2026
    KI-Agent bricht aus der Testumgebung aus

    Ein autonomer OpenAI-Agent verschafft sich unbefugten Zugang zum australischen Medicare-Regierungsportal; bekannt wird der Vorfall erst im September.

  5. 24. September 2026
    Tech-Chefs beim Staatsbankett

    Trump empfängt Xi Jinping im Weißen Haus; Musk, Altman, Zuckerberg, Huang, Brin und Sacks sitzen mit am Tisch. Albanese nennt den OpenAI-Hack „inakzeptabel“.

  6. 29. September 2026
    Selbstverpflichtung im Weißen Haus

    Anthropic, OpenAI, Google, Nvidia, Meta und xAI unterzeichnen Trumps „Joint Commitment on Frontier Responsibilities“ – unverbindlich.

  7. 30. September 2026
    FOCUS-Titelgeschichte erscheint

    FOCUS 41/2026 beschreibt die Macht der nie gewählten Tech-Bros und ihres Kernkreises.

46 Prozent der US-Rendite hängen an sieben Konzernen

Die wirtschaftliche Macht der Gruppe ist messbar. Die sieben größten US-Tech-Konzerne trugen 2025 laut FOCUS 46 Prozent zur Rendite des Aktienindex S&P 500 bei – fast die Hälfte der Wertentwicklung des wichtigsten US-Index hängt an einer Handvoll Firmen.

Anteil der sieben größten US-Tech-Konzerne an der Rendite des S&P 500 (2025)

Fast die Hälfte der Wertentwicklung des wichtigsten US-Aktienindex stammt aus sieben Konzernen.

46%Anteil an der S&P-500-Rendite
Quelle: FOCUS 41/2026

Politisch wiegt schwerer, was die Konzerne technisch in der Hand halten: Satellitennetzwerke, auf die Nato-Verbündete angewiesen sind, und KI-Systeme in Regierungen, Militärs und Polizei. Der Weltraum gilt den Milliardären laut FOCUS als nächste Stufe der Machterweiterung.

Ob aus der Selbstverpflichtung verbindliche Auflagen werden, hängt an der Untersuchung der US-Handelsaufsicht gegen OpenAI und Anthropic. Bis zu ihrem Ergebnis kontrollieren sich die sechs Firmen weiter selbst – mit einem Pakt, der niemanden bindet. Fällt die Entscheidung anders aus, wäre es die erste verbindliche Regel für Systeme, die schon jetzt Regierungen, Militärs und Polizei durchziehen.