Die Gesellschafter des insolventen Autohauses König wollen die Geschäftsführung sofort loswerden. In einem internen Schreiben verlangen sie den Rauswurf von Dirk Steeger und Roman Kerber – samt Hausverbot für beide. Ihnen wird vorgeworfen, seit 2019 rund 40 Millionen Euro nicht eingetrieben zu haben.
Anlass ist ein offener Machtkampf in dem Berliner Familienunternehmen. Die Autohaus Gotthard König GmbH und die Autohaus König GmbH hatten am 26. August 2026 Insolvenzanträge gestellt. Zum Zeitpunkt des Antrags standen mehr als 212 Millionen Euro fällige Verbindlichkeiten nur 1,3 Millionen Euro liquide Mittel gegenüber.
Der Streit trifft den größten Renault-Händler Deutschlands mit 82 Standorten und rund 1200 Beschäftigten. Noch im Januar 2026 hatte Focus Money das Haus als „Unternehmen des Jahres 2026“ in der Branche Autohändler ausgezeichnet, Anfang 2026 übernahm König weitere Betriebe.
Seit 2019 sollen 40 Millionen Euro offen sein
Der Kern des Vorwurfs: Steeger und Kerber sollen seit 2019 Forderungen von rund 40 Millionen Euro nicht eingetrieben haben. Die Gesellschafter verlangen Aufklärung darüber, warum Ansprüche, die der Gesellschaft zustanden, nicht geltend gemacht wurden.
„Die Nichtgeltendmachung fälliger und werthaltiger Ansprüche stellt, sofern hierfür keine tragfähigen sachlichen Gründe bestehen, einen erheblichen Verstoß gegen die Pflicht der Geschäftsführung zur Wahrung der Vermögensinteressen der Gesellschaft dar.“
Aus diesem Vorwurf leitet das Schreiben seine Forderung ab: die sofortige Abberufung der Geschäftsführung und ein Hausverbot für Steeger und Kerber. Ob die Vorwürfe zutreffen, ist nicht gerichtlich festgestellt.
Wer hinter den Immobiliengeschäften steckt
Ein zweiter Komplex betrifft Immobiliengeschäfte des Unternehmens. Wie dem Business-Insider-Bericht über Millionen-Forderungen und Immobilien zu entnehmen ist, soll geklärt werden, ob Erwerber, Vermittler oder andere Beteiligte dieser Geschäfte Steeger, Kerber oder der König Leasing GmbH zuzurechnen sind.
„Vor dem Hintergrund der bestehenden personellen und gesellschaftsrechtlichen Verflechtungen bedarf zudem der Aufklärung, ob diese Vorgänge zu marktgerechten Bedingungen und im Interesse der Gesellschaft erfolgen oder ob sie Eigeninteressen von Organmitgliedern oder Gesellschaftern dienen.“
Vom Rekordjahr zum Insolvenzantrag
Der Niedergang trifft ein Haus mit langer Geschichte. 1966 gründeten Gotthard und Marianne König in West-Berlin eine kleine Werkstatt; ab den 1980er-Jahren war das Unternehmen offizieller Renault-Vertragspartner.
Von der Werkstatt zum Insolvenzverfahren
- 1966Gründung in West-Berlin
Gotthard und Marianne König eröffnen eine kleine Werkstatt, ab den 1980er-Jahren wird das Haus offizieller Renault-Vertragspartner.
- 2019Beginn des Vorwurfszeitraums
Seit 2019 sollen Steeger und Kerber Forderungen von rund 40 Millionen Euro nicht eingetrieben haben.
- März 2025Rekord beim Werkstattumsatz
Der Werkstattumsatz erreicht mit 6,8 Millionen Euro einen Höchststand, im ersten Quartal 2025 verkauft das Haus rund 11.600 Fahrzeuge.
- Januar 2026Auszeichnung und Zukäufe
Focus Money kürt das Autohaus König zum „Unternehmen des Jahres 2026“ in der Branche Autohändler, Anfang 2026 übernimmt König weitere Betriebe.
- 26. August 2026Insolvenzanträge
Die Autohaus Gotthard König GmbH und die Autohaus König GmbH stellen Anträge beim Amtsgericht.
- 1. September 2026Information per Hausmitteilung
Die Mitarbeiter erfahren erst per Hausmitteilung von den Anträgen, eine Mitarbeiterversammlung findet nicht statt.
- 2. Oktober 2026Berichte über den Machtkampf
Medien berichten über die Forderung nach Rauswurf und Hausverbot, 40 Millionen Euro offener Forderungen und zurückgehaltene Fahrzeugbriefe.
Anfang September 2026 ordnete das Amtsgericht Charlottenburg die vorläufigen Insolvenzverfahren an. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Rainer Eckert bestellt. Dem vorläufigen Gläubigerausschuss gehören unter anderem Renault, die Stellantis Bank, Euler Hermes und die Bundesagentur für Arbeit an.
Bezahlte Autos, zurückgehaltene Fahrzeugbriefe
Für die Kunden wird der Streit konkret. Wie dem WELT-Bericht zum Machtkampf bei Autohaus König zu entnehmen ist, hält das Unternehmen Fahrzeugbriefe bereits bezahlter Autos zurück. Betroffen sind Käufer, die ihr Fahrzeug vollständig bezahlt haben.
Die Fachanwältin für Insolvenzrecht Anne Deike Riewe bremst die Erwartungen. Man könne einen Insolvenzverwalter – ob vorläufig oder nicht – nicht dazu zwingen, das Auto zu beschaffen, selbst wenn der Restkaufpreis gezahlt werde, sagt sie.
„In Deutschland landet man mit dieser sogenannten Insolvenzquote in der Regel bei drei bis fünf Prozent.“
Wie es weitergeht
Der vorläufige Insolvenzverwalter Rainer Eckert beschreibt die Ausgangslage so: „Trotz intensiver Bemühungen aller Beteiligten, Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie, Kreditgeber und Herstellerpartner, ließ sich eine Lösung außerhalb der Insolvenz zuletzt nicht mehr erreichen.“
Am 1. Oktober 2026 aktualisierte das Autohaus seine Kundeninformationen. Darin ist von intensiven Gesprächen mit den Herstellerpartnern die Rede, für die kommende Woche stellte das Unternehmen konkrete Lösungsvorschläge für betroffene Kunden in Aussicht.
Offen bleibt, ob die Gesellschafter den Rauswurf von Steeger und Kerber durchsetzen und ob die Fragen zu den Grundstücksgeschäften noch im laufenden Verfahren beantwortet werden. Der nächste Termin steht fest: In der kommenden Woche sollen betroffene Kunden konkrete Lösungen erhalten.
