YouTube will aus Videos einen Marktplatz machen – und greift damit den Onlinehandel an. Auf dem Event „Made on YouTube“ im New Yorker Pier 57 kündigte die Plattform am 23. September mehr als 30 Produktneuerungen an. Im Zentrum steht der Ausbau des Shopping-Geschäfts.
Das Affiliate-Programm, mit dem Creators an Verkäufen mitverdienen, soll bis Ende 2026 in 35 Ländern laufen. In internationalen Märkten setzt YouTube dabei auf Unterstützung von Amazon. Mehr als 1,3 Millionen Creators sind nach Angaben der Plattform bereits im Programm.
Sichtbar wird der Umbau für Zuschauer an den Produkt-Tags. Sie zeigen automatisch lokalisierte Händlerangebote – abhängig davon, wo sich der Zuschauer gerade aufhält. Nach YouTube-Angaben erzeugen diese Tags mehr als doppelt so viele Klicks wie Links in der Videobeschreibung und binnen zwei Jahren ein 13-faches Wachstum des Verkaufsvolumens (GMV).
Von Ask YouTube zum Shopping-Ausbau
- 12. Dezember 2024Konversationelles KI-Tool für US-Premium-Nutzer
YouTube listet das Tool unter seinen KI-Funktionen.
- 19. Mai 2026Ask YouTube startet bei Google I/O
Vorgestellt für US-Premium-Mitglieder ab 18 Jahren.
- 27. Mai 2026Test für eigene Startseiten-Tabs
„Your custom feed“ läuft zunächst mit einem Feed pro Konto.
- 6. Juli 2026Ask YouTube erreicht US-Desktop-Nutzer
Angemeldete Nutzer ab 13 Jahren können die Funktion nutzen.
- 23. September 2026Made on YouTube 2026 in New York
Über 30 Ankündigungen, darunter Shopping in 35 Ländern, Ask YouTube als Produktberater, Custom Feeds und Shorts Series.
Händlerangebote folgen dem Zuschauer
Das Programm soll bis Ende 2026 in 35 Ländern laufen, in internationalen Märkten mit Unterstützung von Amazon. Wie aus der Übersicht zu YouTubes Shopping-Programm in 35 Ländern hervorgeht, richten sich die Produkt-Tags nach dem Aufenthaltsort der Zuschauer.
Für Händler wird der Videoplayer damit zur Auslage: Wer in einem der 35 Märkte sitzt, kann Zuschauer aus seinem Umfeld künftig direkt aus dem Video heraus erreichen – zugeschnitten auf das Land, in dem gerade geschaut wird.
Mary Ellen Coe verantwortet als Chief Business Officer das Geschäft von YouTube – und beschreibt die Creators darin als neue Ladenfront, nicht als bloße Reichweite:
„Seien wir ehrlich: Creators sind die neuen globalen Schaufenster, und eure Zuschauer stehen bereits an der Kasse an.“
Ask YouTube wird zum Produktberater
Auch die Suche auf der Plattform wird zum Verkaufskanal. Ask YouTube soll als Produktberater auftreten: mit Vergleichstabellen, der Auswertung von Kommentaren und visueller Suche in Videos. Von der Antwort führt ein Klick direkt zum Händler und in den Warenkorb – über Produktkarten, die Käufer zu Händlern führen.
Die Funktion ist kein Neustart. Am 12. Dezember 2024 listete YouTube ein konversationelles KI-Tool für US-Premium-Nutzer. Am 19. Mai 2026 stellte der Konzern Ask YouTube bei Google I/O für US-Premium-Mitglieder ab 18 Jahren vor. Seit dem 6. Juli 2026 erreicht es angemeldete US-Desktop-Nutzer ab 13 Jahren.
Auf der Bühne in New York standen unter anderem die YouTube-Stars Colin Rosenblum und Samir Chaudry, bekannt als „Colin and Samir“. Sänger Troye Sivan führte mit dem Creator Derrick Gee die Musikfunktion von Ask YouTube vor. Suche und Empfehlung rücken damit näher an den Kaufabschluss.
Custom Feeds und Shorts in Staffeln
Nutzer in den USA sollen ihre Startseite selbst zusammenstellen. Mit Custom Feeds lassen sich per Texteingabe eigene Tabs anlegen, der Start ist für Herbst 2026 auf Web, Mobile und TV geplant. Getestet wurde das Format seit dem 27. Mai 2026, zunächst mit einem Feed pro Konto; Demo-Videos folgten am 25. September.
Bei Shorts setzt YouTube auf Fortsetzungsgeschichten. Shorts Series organisiert Kurzvideos in Staffeln und Episoden, jede mit eigenem Thumbnail und in fester Reihenfolge abspielbar. Die Plattform reagiert damit auf Microdramas, die im ersten Halbjahr 2026 auf mehr als 6,5 Milliarden Views kamen – ein Plus von 60 Prozent zum Vorjahr.
Auf Fernsehern wuchsen diese Aufrufe um 90 Prozent. Emily Moxley, bei YouTube für Produktmanagement im Zuschauerbereich zuständig, sagte: „Shorts sind mehr als eine Entdeckungsmaschine für längere Videos, und Zuschauer sehen sie nicht nur auf dem Handy; sie schauen sie auch gemeinsam auf dem größten Bildschirm im Haus.“
Coachella bleibt bis 2030 bei YouTube
Auch im Musikgeschäft setzt YouTube auf Exklusivität. Die Livestream-Partnerschaft mit dem Coachella-Veranstalter Goldenvoice wurde bis 2030 verlängert; die Zusammenarbeit läuft seit 2011. Die Ausgabe 2026 war nach Angaben der Plattform die meistgesehene Coachella-Übertragung von YouTube.
Nach Angaben des US-Radiosenders Kiss 95.1 setzte sich YouTube bei der Verlängerung gegen Netflix und Amazon durch. Neal Mohan, CEO von YouTube, sagte:
„Wir freuen uns, die Energie der Wüste zu Millionen Musikfans auf der ganzen Welt zu bringen.“
Goldenvoice-Chef Paul Tollett begründete die Fortsetzung mit der offenen Zugänglichkeit: „Kostenlos und ohne Anmeldung, das ist entscheidend. Man muss sich keine Passwörter merken, man kann einfach einsteigen.“
Der Vertrag mit Goldenvoice läuft bis 2030. Kurzfristiger ist der Fahrplan beim Shopping: Bis Ende 2026 sollen die Kaufwerkzeuge in 35 Ländern stehen, im Herbst 2026 starten die Custom Feeds in den USA. Ob die Zuschauer die neuen Kaufknöpfe im Video tatsächlich nutzen, entscheidet dann über YouTubes Rolle im Handel.
