Unwetter auf Kreta reißt Brücke weg – ein Toter, Notstand
Ein Herbststurm hat Kreta seit Mittwochabend fest im Griff: Ein 80-jähriger Viehzüchter starb in den Fluten, in Livadia brach eine Brücke ein, die Gemeinde Mylopotamos wurde in den Notstand versetzt. Der Wetterdienst EMY hält die rote Warnung bis Sonntag aufrecht – es drohen mehr als 500 Millimeter Regen.
Ein 80-jähriger Viehzüchter ist tot, eine Brücke liegt in Trümmern, und eine ganze Gemeinde steht unter Notstand: Seit Mittwochabend wütet ein Herbststurm über Kreta.
Der Mann aus Karines südlich von Rethymno war am Abend des 30. September zu seinem Vieh gegangen und nicht zurückgekehrt. Am 1. Oktober wurde er tot aufgefunden. Ob das Unwetter unmittelbar zu seinem Tod führte, geht aus den vorliegenden Angaben nicht hervor. In Livadia riss der Sturm laut der Meldung über den Brückeneinsturz in Livadia die Diskouri-Brücke teilweise weg; ein rund 60-jähriges Paar stürzte mit dem Auto in die Schlucht und kam verletzt ins Universitätsklinikum Heraklion. Lebensgefahr bestand nach Behördenangaben nicht.
Notstand für Mylopotamos
Für die schwer getroffene Bergregion Mylopotamos mit Zoniana, Livadia und Axos beantragte Bürgermeister Giorgos Klados den Notstand beim Ministerium für Klimakrise und Katastrophenschutz – mit Erfolg: Die Gemeinde wurde in den Ausnahmezustand versetzt. Alle Schulen und Kindergärten Mylopotamos blieben auch am Freitag geschlossen.
Zoniana, Livadia, Anogeia und Axos waren zeitweise ohne Strom, umgestürzte Strommasten legten die Leitungen lahm.
361 Liter Regen in Anogia
In Anogia wurden binnen weniger als 24 Stunden 361 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen, auf dem Lasithi-Plateau in Tzermiado 174 Millimeter seit Unwetterbeginn, in Profitis Ilias bis zu rund 300 Millimeter. In der Ägäis maß der Wetterdienst Böen bis 100 Stundenkilometer.
Das Lasithi-Plateau wurde für den Verkehr gesperrt, in vielen Gemeinden blieben Schulen und Kindergärten zu. Der Fährverkehr von und nach Rafina und Lavrio wurde ausgesetzt; das Kreuzfahrtschiff Queen Anne mit rund 2.841 Passagieren lief am Abend des 30. September außerplanmäßig Souda an.
Regenmengen auf Kreta seit Unwetterbeginn
Gemessene Niederschläge in Litern pro Quadratmeter
Der griechische Wetterdienst EMY hielt die rote Unwetterwarnung für Kreta aufrecht. Nach der Reise-Warnung des ADAC zu Kreta werden bis Sonntag, 4. Oktober, weitere Starkregen, Hagel und Stürme erwartet, in Teilen der Insel möglicherweise mehr als 500 Millimeter Gesamtniederschlag.
Die Regierung hat Einsatzkräfte und Zivilschutz auf der ganzen Insel zusammengezogen und spricht von einer vollständigen Mobilisierung. Regierungssprecher Pavlos Marinakis sagte, sie gelte von Mittwoch, dem 30. September, bis Sonntag.
„Die Urlaubsinsel befindet sich seit Mittwoch (30. September) und noch bis Sonntag im Zustand vollständiger Mobilisierung.“
Für Samstag, den 3. Oktober, erwarten die Meteorologen den Höhepunkt einer zweiten Unwetterwelle mit Starkregen, Gewittern und Sturmwinden von 8 bis 9 Beaufort im südlichen Ägäisraum. Erst am Morgen des 4. Oktober soll sich die Lage beruhigen; das präventive Zutritts- und Verkehrsverbot in Schluchten und Wandergebieten läuft an diesem Tag aus. Ob die rote Warnung so lange steht, entscheidet EMY je nach Lage neu.