BND-Vize Dag Baehrs Handynummer lag seit 2020 offen im Netz
Die private Handynummer von BND-Vize Dag Baehr war seit 2020 im Internet abrufbar – trotzdem telefonierte er weiter damit. Sicherheitsbeamte kannten ihn offenbar nur unter dieser Nummer.
Die private Handynummer, mehrere E-Mail-Adressen und die Wohnanschrift von Dag Baehr standen seit Jahren offen im Internet. Baehr ist Generalmajor der Bundeswehr und seit 2023 militärischer Vizepräsident des Bundesnachrichtendienstes. Am 2. Oktober 2026 veröffentlichten WDR und Süddeutsche Zeitung ihre Recherche zu den jahrelang auffindbaren Kontaktdaten des BND-Vizepräsidenten.
Baehr wusste nach eigener Aussage, dass seine Daten betroffen waren. 2020 hatten Hacker ein US-amerikanisches Online-Auktionshaus angegriffen und rund 3,4 Millionen Kundendatensätze ins Netz gestellt; das Auktionshaus informierte seine Nutzer damals per E-Mail. Baehr nutzte die geleakte Nummer danach weiter – bis mindestens kurz vor der Veröffentlichung.
Reporter von WDR und Süddeutscher Zeitung erreichten den BND-Vize am 9. September 2026 unter genau dieser privaten Nummer. Sechs Tage später meldete er sich zurück.
Vom Auktionshaus zum BND-Vize
Als die Daten 2020 im Netz landeten, war Baehr noch nicht beim BND. Er führte damals das Kommando Strategische Aufklärung der Bundeswehr – einen der sicherheitssensibelsten Bereiche der Truppe. Im September 2023 wurde er militärischer Vizepräsident des BND.
In dieser Funktion verantwortet er die strategische Militäraufklärung im Ausland, darunter russische Atomwaffen, das nordkoreanische Raketenprogramm und chinesische Weltraumwaffen. Vor seiner BND-Zeit führte er bis 2017 das Kommando Spezialkräfte (KSK).
Von der Auktion bis zur Veröffentlichung
2020
Hackerangriff auf ein US-Auktionshaus
Bei dem Angriff werden rund 3,4 Millionen Kundendatensätze veröffentlicht – darunter die privaten Daten von Dag Baehr.
2020
Das Auktionshaus informiert seine Nutzer
Baehr erfährt per E-Mail von der Betroffenheit seiner Daten. Er nutzt die geleakte Nummer danach weiter.
September 2023
Baehr wird militärischer BND-Vizepräsident
Der Generalmajor verantwortet seither die strategische Militäraufklärung im Ausland.
9. September 2026
Reporter erreichen Baehr unter der geleakten Nummer
WDR und Süddeutsche Zeitung rufen auf der seit Jahren auffindbaren privaten Handynummer an.
2. Oktober 2026
Veröffentlichung der Recherche
WDR und Süddeutsche Zeitung machen den Fall öffentlich; BND und Bundeskanzleramt äußern sich nicht zu Personalangelegenheiten.
Zweifel an der Einordnung privat
Baehr behält die Nummer nach eigener Darstellung aus familiären Gründen – der Vorgang wäre damit rein privat. Mehrere Beamte und Militärs aus dem deutschen Sicherheitsbereich beschreiben laut der tagesschau-Recherche zu den Datenpannen führender Spione jedoch eine andere Lage: In ihren Telefonen sei die geleakte Nummer die einzige gespeicherte mobile Erreichbarkeit Baehrs gewesen, obwohl sie ihn nur beruflich kennen.
Auf die Anfrage der Reporter reagierte Baehr erst mit Verzögerung. Dann räumte er ein, die Nummer zu lange in Betrieb gelassen zu haben.
„Das war ein Fehler. Ich habe diesen inzwischen korrigiert.“
Dag Baehr, militärischer Vizepräsident des BND
Auch der MIVD-Chef war betroffen
Baehr ist kein Einzelfall. Auch der Leiter des niederländischen Militärgeheimdienstes MIVD, Peter Reesink, war betroffen: Seine Adresse und Handynummer stammen aus einem Datenleck. Über eine Fitness-App waren zudem seine Lauf- und Fahrradrunden bis zu seinem privaten Wohnort einsehbar.
Der Geheimdienstexperte Christopher Nehring warnt vor den Folgen solcher Datensätze. E-Mail-Adressen und Handynummern seien „unser Schlüssel zur digitalen Welt“, damit seien oft Apps und Dienstleistungen verbunden. Mit solchen Daten könne ein Angreifer „eine ganze Menge machen“ – vor allem, wenn sie immer wieder genutzt und nicht geändert würden, obwohl sie geleakt wurden. Wie wenig dafür nötig ist, zeigt der Berliner Daten-Leak nach einem einzigen Phishing-Klick.
BND und Bundeskanzleramt äußerten sich nicht zu Personalangelegenheiten. Das Kanzleramt, das die Fachaufsicht führt, betonte lediglich, Hinweise auf Datenleaks würden sehr ernst genommen. Offen bleibt, ob die Aufsicht den Fall als reine Privatsache behandelt – oder ob er Konsequenzen für Baehrs Verwendung im Amt hat.