Joachim Gauck warnt Merz vor Rücktritt und kritisiert Medien
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Kanzlerdebatte

Joachim Gauck warnt Merz vor Rücktritt und kritisiert Medien

Joachim Gauck warnt Friedrich Merz im Berliner Admiralspalast vor einem Rücktritt und nennt einen Rückzug „total schädlich“. Zugleich wirft er dem Kanzler einen „eklatanten Widerspruch“ zwischen Ankündigungen und Handeln vor – und nimmt die Journalisten in die Pflicht.

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Joachim Gauck hat Bundeskanzler Friedrich Merz eindringlich vor einem Rücktritt gewarnt. „Es wäre wirklich total schädlich“, sagte der 86-jährige frühere Bundespräsident am Mittwochabend im ausverkauften Berliner Admiralspalast. Ein Rückzug würde das Restvertrauen schwer beschädigen – „ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben“, sagte Gauck.

Seit Wochen wird über die Zukunft des Kanzlers spekuliert, aus der Union kommt offene Kritik, und in den Umfragen steht Merz so schlecht da wie kein Regierungschef vor ihm. Auf die Frage nach einem möglichen Rücktritt antwortete Gauck mit einem Satz, der in der CDU-Zentrale nachhallen dürfte:

„Also wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel. Das wird er nicht tun. Das geht nicht, das kann man nicht machen.“
Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.

Gauck warnte, ein Rückzug würde das Restvertrauen derjenigen beschädigen, die Merz gewählt haben. Merz wolle dem Land dienen und nützen, nicht schaden.

Der Abend im Admiralspalast

Der Auftritt war seit Monaten geplant. Die SPIEGEL-Gruppe hatte das „SPIEGEL-Spitzengespräch Live“ mit Gauck bereits am 3. Juni 2026 angekündigt, das Motto des Abends lautete „Wie wehrhaft ist unsere Demokratie?“. Am 30. September stand der Altbundespräsident um 19:30 Uhr auf der Bühne des Admiralspalasts in der Friedrichstraße 101.

Vor rund 1700 Gästen führte SPIEGEL-Journalist Markus Feldenkirchen das Gespräch, das Haus war ausverkauft. Welche Sätze Gauck an diesem Abend sagte, hat der SPIEGEL in seinem Bericht über den Talk festgehalten.

Von der Ankündigung zum Auftritt

  1. 3. Juni 2026
    SPIEGEL kündigt den Talk an

    Die SPIEGEL-Gruppe gibt das „Spitzengespräch Live“ mit Joachim Gauck für den 30. September im Berliner Admiralspalast bekannt. Motto: „Wie wehrhaft ist unsere Demokratie?“

  2. 20. September 2026
    Berlin wählt ein neues Abgeordnetenhaus

    Die Linke wird mit 25,7 Prozent stärkste Kraft, Spitzenkandidatin ist Elif Eralp.

  3. 30. September 2026
    Gauck tritt im Admiralspalast auf

    Um 19:30 Uhr beginnt das Gespräch mit Markus Feldenkirchen vor rund 1700 Gästen.

  4. 1. Oktober 2026
    Erste Berichte über Gaucks Sätze

    WELT, SPIEGEL.de, dpa und weitere Medien berichten über die Warnung vor einem Merz-Rücktritt. Zeitgleich bleiben die Koalitions-Vorgespräche von Linken, SPD und Grünen in Berlin ohne Ergebnis.

  5. 2. und 3. Oktober 2026
    Weitere Redaktionen greifen den Auftritt auf

    Die Debatte über Merz’ Zukunft und über ein Berliner Linksbündnis läuft weiter, die Berichte werden aktualisiert.

Widerspruch zwischen Ankündigung und Handeln

Gauck nahm den Kanzler in Schutz – und in die Pflicht. Er sei sich „zu 100 Prozent sicher“, dass in Merz derzeit „unglaubliche Kämpfe“ stattfänden, weil auch aus der eigenen Partei viel Kritik komme, wie der WELT-Bericht über Gaucks Auftritt im Admiralspalast festhält.

„Zwischen seinen Ankündigungen und seinem politischen Handeln klafft ein eklatanter Widerspruch.“
Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.

In der Union gibt es offene Kritik am Kanzler.

Kritik an den Journalisten

Gauck nahm auch die Medien in die Verantwortung. „Eure Zunft, ja, die lieben Journalisten, haben den Mann auch natürlich kräftig verunsichert“, sagte er. Merz sei „runtergeschrieben“ worden, bevor er richtig regiert habe.

Zugleich warnte der Altbundespräsident davor, die Kritik zu übertreiben. Wenn die demokratische Mitte dadurch als nicht mehr führungsfähig erscheine, sei eine Grenze überschritten: „Dann gehen wir zu weit“, sagte Gauck.

Skepsis gegenüber Rot-Grün-Rot in Berlin

Zur Berliner Regierungsbildung sagte Gauck, ein Bündnis von Linken, SPD und Grünen werde „äußerst schwierig“. Er verwies auf antisemitische Tendenzen in der Berliner Linken; Kritik an der israelischen Regierung von Benjamin Netanjahu nannte er dagegen legitim.

In Deutschland und Berlin müsse man „noch einmal anders hinschauen“, sagte Gauck – „Aber dies ist Deutschland, und dies ist Berlin.“ Es folgte ein Satz, der keinen Spielraum lässt.

„Und dann haben unsere Zuwanderer das bitte zu kapieren.“
Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.

Der Satz richtet sich an Zuwanderer in Deutschland: Wer hier lebt, muss die hiesigen Maßstäbe akzeptieren – gerade im Umgang mit Antisemitismus. Gauck sprach zehn Tage nach der Berliner , bei der die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft wurde.

Zehn Prozent Zufriedenheit mit dem Kanzler

Der Auftritt fällt in eine Phase, in der die Regierung Merz unter Druck steht wie nie. Im ARD-„Deutschlandtrend“ äußerten nur rund zehn Prozent der Befragten Zufriedenheit mit dem Kanzler – laut WDR der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 1997. Die Union lag bei 20 Prozent, die AfD bei 27 Prozent.

Die Umfragewerte zeigen eine geringe Zufriedenheit mit dem Kanzler.

Umfrage
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Am 1. Oktober blieben die ersten Vorgespräche von Linken, SPD und Grünen in Berlin ohne Ergebnis. Wann die drei Parteien erneut zusammenkommen, ist offen – wie auch die Frage, ob Merz nach dieser Woche im Amt bleibt.