18-Jährige belastet ihre Mutter im Schleuserprozess in Laufen
Eine 18-Jährige sagt vor dem Amtsgericht Laufen gegen ihre eigene Mutter aus. Die Frau war schon im ersten Verfahren zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden; gegen fünf mutmaßliche Schleuser läuft der Prozess seit August.
Vor Gericht in Laufen hat eine 18 Jahre alte Zeugin ihre eigene Mutter belastet. Roxana-Maria sagte am Donnerstag, dem 1. Oktober 2026, im Prozess gegen fünf mutmaßliche Schleuser aus. Ihre Mutter ist eine der Angeklagten.
Ihre Mutter ist dem Gericht nicht neu: Im ersten Verfahren wurde sie bereits zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. In Laufen geht es jetzt um fünf Angeklagte und um Vorwürfe aus den Jahren 2022 bis 2024.
Der Auslöser war eine Kontrolle an der Autobahn
Angefangen hat der Fall mit einem Routinetermin. Beamte der Bundespolizeiinspektion Freilassing kontrollierten an einer Autobahn einen Mann. Auf seinem Handy fanden sie Chats, die auf Schleusungen hindeuteten.
Der Leiter der Inspektion, Ludger Otto, beschreibt den Anfang nüchtern: „Ursprung für dieses Verfahren war eine ganz normale Kontrolle an der Autobahn, wo die Kolleginnen und Kollegen jemanden kontrolliert haben.“ Aus einem angehaltenen Fahrzeug wurde ein Verfahren gegen einen ganzen Ring.
Die Anklage beschreibt ein Netz, das zwischen 2022 und 2024 rund 300 Migranten nach Mitteleuropa brachte, vor allem aus dem Nahen Osten. 28 Fälle listet die Anklage auf.
Der Vater nennt einen „großen Chef“ in der Türkei
Vor Gericht sagte auch der Ehemann der Angeklagten aus. Byroll N. sprach von Menschenhandel – und verortete die Drahtzieher nicht in Bayern.
„Der große Chef ist aus der Türkei.“
Byroll N., Ehemann der Angeklagten, als Zeuge vor Gericht
Mit diesem Satz weist der Zeuge über den Verhandlungssaal von Laufen hinaus. Angeklagt sind dort fünf Personen; aus dem Bericht geht nicht hervor, ob der von Byroll N. erwähnte „große Chef“ zu ihnen gehört.
Auch die Tochter beschrieb, wie nah der Ring an die Familie rückte. Nachdem ihr Vater nicht mehr zu Hause gewesen sei, seien Männer zu ihnen gekommen, sagte sie vor Gericht.
Zäher Start, dann ein Geständnis
Am 1. Oktober kam Bewegung in das Verfahren: Einer der Angeklagten hat die Taten eingeräumt, wie der Bayerische Rundfunk über das Geständnis eines Angeklagten berichtet.
Von der Autobahnkontrolle zum Urteil
2022 bis 2024
Der Ring schleust rund 300 Migranten
Laut Anklage bringt das Netz in diesen Jahren etwa 300 Menschen vor allem aus dem Nahen Osten nach Mitteleuropa; die Anklage listet 28 Fälle auf.
11. August 2026
Prozessauftakt am Amtsgericht Laufen
Vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Traunstein beginnt das Verfahren gegen fünf mutmaßliche Schleuser. Die Angeklagten schweigen zunächst.
1. Oktober 2026
Die Tochter sagt aus
Die 18-jährige Roxana-Maria belastet ihre Mutter: „Die macht Fahrten mit Menschen.“ Nach Angaben des Bayerischen Rundfunks gesteht ein Angeklagter die Taten.
Mitte Oktober 2026
Urteil erwartet
Nach insgesamt 18 Sitzungstagen soll die Kammer über die fünf Angeklagten entscheiden.
Verfahren am Limit, Urteil Mitte Oktober
Der Aufwand ist für ein Amtsgericht ungewöhnlich: Der Prozess gilt als XXL-Verfahren, das das Haus an seine Kapazitätsgrenze bringt. Sechs weitere Verhandlungstage sind noch angesetzt.
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Nach insgesamt 18 Sitzungstagen soll Mitte Oktober 2026 das Urteil fallen. Bis dahin muss die Kammer bewerten, was die Tochter und der Ehemann der Angeklagten ausgesagt haben – über die Fahrten der Mutter und über einen Chef, der in der Türkei sitzen soll.