Die Pressekonferenz der irischen Nationalmannschaft vor dem Nations-League-Spiel gegen Israel ist am Samstag abgebrochen worden. Der Kommunikationschef des irischen Verbands FAI, Kieran Crowley, beendete die Fragerunde in Bačka Topola, nachdem ein israelischer Journalist behauptet hatte, irische Spieler hätten israelische Spieler „Affen“ genannt.
Crowley wies den Vorwurf zurück. Al Jazeeras Bericht über den Abbruch der Fragerunde zufolge sagte er: „Das ist eine Lüge. Sie haben gerade eine Lüge verbreitet.“ Danach setzte die FAI ein separates Briefing nur für irische Medien an und verlegte es in einen anderen Bereich des Stadions, als ein Vertreter des israelischen Rundfunks teilnehmen wollte.
Zuvor hatte eine israelische Journalistin Trainer Heimir Hallgrímsson mit dem versuchten Anschlag auf eine Flydubai-Maschine konfrontiert. Der Co-Pilot griff am Mittwoch auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv den Piloten mit einer Notaxt an, an Bord waren 174 Menschen; Passagiere überwältigten den Angreifer. Die Journalistin fragte Hallgrímsson, was er den Menschen sage, die er unterstütze – „Ihre Ideologie basiert auf Mord“.
„Das ist völlig unwahr.“
Irland weist den Vorwurf zurück
Hallgrímsson sprach später von einem „verbal attack“, einem verbalen Angriff. Zu den Vorwürfen selbst sagte er: „Ich werde nicht im Detail darauf eingehen, was gesagt wurde.“ Zugleich berichtete er, es habe Meldungen beider Teams über Vorfälle gegeben, die nun in den Abteilungen und bei der UEFA geprüft würden.
Der israelische Verband hat bislang keine Beschwerde bei der UEFA eingereicht. Ein Sprecher sagte, man werde darüber nach dem Spiel nachdenken. Israels Trainer Ran Ben Shimon ließ eine mögliche Beschwerde offen und wollte sich zu den Rassismus-Vorwürfen nicht äußern: „Ich beschäftige mich jetzt mit keiner Politik.“
Offiziell bestätigt ist bislang keine der Darstellungen. Die UEFA hat kein Verfahren bestätigt. Unabhängig davon geht die FAI dem Vorwurf nach, dass Irlands Stürmer Adam Idah beim Hinspiel von israelischen Anhängern rassistisch beleidigt worden sein soll.
Ein Spiel vor leeren Rängen
Gespielt wird am Sonntag trotzdem – vor leeren Rängen. Das Rückspiel, Irlands Heimspiel, beginnt um 20.45 Uhr in der TSC Arena in Bačka Topola und findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Die FAI hatte die Partie im Juni aus „operativen Gründen“ nach Serbien verlegt.
Sportlich ist die Lage eindeutig. Das Hinspiel am 27. September in Debrecen gewann Irland 3:0. Die irischen Spieler liefen mit schwarzen Armbinden auf, senkten bei der israelischen Hymne die Köpfe und verzichteten auf das Abklatschen.
Torhüter Gavin Bazunu boykottiert beide Spiele gegen Israel. Israels Kapitän Manor Solomon sagte vor der Partie: „Offensichtlich hassen sie uns. Wir mögen sie nicht.“
Vom Antrag bis zum Eklat
Der Eklat hat eine Vorgeschichte, die bis in den Gaza-Krieg zurückreicht.
Irland gegen Israel: die Entwicklung
- 7. Oktober 2023Hamas-Angriff auf Israel
Rund 1200 Menschen sterben, mehr als 250 werden als Geiseln verschleppt. Der Angriff löst den Gaza-Krieg aus – und die Spannungen um die Duelle Irland gegen Israel.
- November 2025FAI beantragt Israels Ausschluss
Der irische Verband beschließt, die UEFA um einen Ausschluss Israels von Klub- und Länderspielwettbewerben zu bitten.
- Februar 2026Los bringt Irland und Israel zusammen
Die Nations-League-Auslosung wirft beide Teams in eine Gruppe. Die Kampagnengruppe Irish Sport for Palestine startet die Aktion „Stop The Game“.
- Juni 2026Heimspiel wird nach Serbien verlegt
Die FAI verlegt Irlands Heimspiel aus „operativen Gründen“ nach Bačka Topola.
- 27. September 2026Irland gewinnt Hinspiel 3:0
In Debrecen laufen die Iren mit schwarzen Armbinden auf, Torwart Gavin Bazunu boykottiert die Partie.
- 30. September 2026Anschlag auf Flydubai-Maschine
Auf dem Flug von Dubai nach Tel Aviv greift der Co-Pilot den Piloten mit einer Notaxt an. 174 Menschen sind an Bord, Passagiere überwältigen den Angreifer.
- 3. Oktober 2026Pressekonferenz eskaliert
Ein israelischer Journalist behauptet, irische Spieler hätten Israeli „Affen“ genannt. FAI-Kommunikationschef Crowley bricht die Fragerunde ab.
Dublin und Jerusalem
Israels Außenminister Gideon Sa'ar warf Dublin vor, „auf der falschen Seite der Geschichte“ zu stehen. Irland hatte 2024 den Staat Palästina anerkannt und zugleich Israels Existenzrecht betont – für Jerusalem ein Affront.
Die FAI wiederum beschloss im November 2025 einen Antrag an die UEFA, Israel von Klub- und Länderspielwettbewerben auszuschließen. Die Kampagnengruppe Irish Sport for Palestine startete dazu die Aktion „Stop The Game“.
Am Sonntag um 20.45 Uhr wird angepfiffen. Offen ist, ob die UEFA von sich aus tätig wird und ob Israels Verband nach dem Spiel doch noch eine Beschwerde einreicht. Die FAI hat die komplette 13-minütige Pressekonferenz inzwischen ungeschnitten veröffentlicht.
