Farbforscher Axel Buether warnt vor beigen Kinderzimmern
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Erziehung

Farbforscher Axel Buether warnt vor beigen Kinderzimmern

Ein Wuppertaler Farbforscher hält ein Kinderzimmer ganz in Beige für problematisch – Kinder brauchten Farben als Anregung. Eine Potsdamer Entwicklungspsychologin widerspricht und sieht in Beige keinen Schaden.

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Der Wuppertaler Farbforscher Axel Buether hält ein Kinderzimmer ganz in Beige für „problematisch“. Kinder brauchten Anregung, sagt er, und Farbe sei dafür das einfachste Mittel. Mit dieser Warnung stellt er sich gegen einen Einrichtungstrend, dem viele Eltern folgen.

Den Anstoß für die Debatte gab ein Beitrag, den WELT-Redakteurin Nicola Erdmann am 12. Oktober 2023 veröffentlichte. Darin beschreibt sie, wie beige Babyausstattung zum Elterntrend wurde, und lässt Fachleute zu Wort kommen, die daran zweifeln.

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Der Trend lässt sich messen: Seit 2020 steigen die Google-Suchanfragen nach dem Begriff „beige baby“ laut WELT kontinuierlich an. Der Handelsplatz Etsy meldete für 2022 ein Plus von 67 Prozent bei Suchanfragen nach der Beige-Palette gegenüber dem Vorjahr.

Kritik: „Regenbogen der Depression“

Kritiker verspotten die Farbpalette als „Regenbogen der Depression“. Befürworter halten dagegen: Beige wirke ruhig, lasse sich leichter kombinieren und sei geschlechtsneutral wiederverwendbar – ein Argument, das gerade bei Geschwistern mit unterschiedlichem Geschlecht zieht.

Die Buzzfeed-Journalistin Stephanie McNeal sieht in dem Trend auch eine Geldfrage. Wer eine komplette Baby-Garderobe und ein ganzes Zimmer in einem einzigen Ton bezahle, sei auf Geschenke nicht angewiesen – Beige als Statussymbol.

Eine Komikerin erfand den Spottnamen

Der Begriff „Sad Beige“ geht auf Hayley DeRoche zurück. Die US-Bibliothekarin und Komikerin parodierte den Trend ab 2021 auf TikTok als „That Sad Beige Lady“ im Ton des Filmemachers Werner Herzog. Ihre Videos brachten ihr mehr als eine halbe Million Follower ein.

DeRoche macht für den Aufstieg der Farbe vor allem die Modeindustrie verantwortlich: Das Label The Row der Olsen-Zwillinge und die Kardashians hätten großen Anteil daran, dass Beige zu so einem Trend geworden sei.

Im Dezember 2022 veröffentlichte Motherly den Essay „I'm a proud sad beige parent“; er gilt bis heute als Verteidigungsrede jener Eltern, die an ihrer Farbwahl festhalten. Ende September 2023 porträtierte das Richmond Magazine DeRoche unter dem Titel „Adding Color to Sad Beige“.

Vom Spottvideo zum Elterntrend

  1. 2021
    Hayley DeRoche startet ihre Satire

    Die US-Komikerin parodiert den Beige-Trend auf TikTok im Ton von Werner Herzog; der Sketch wird Ende 2021 viral.

  2. 2022
    Der Trend erreicht die Bildplattformen

    Etsy meldet ein Plus von 67 Prozent bei Suchanfragen nach der Beige-Palette gegenüber dem Vorjahr.

  3. 1. Dezember 2022
    Ein Essay verteidigt die Beige-Eltern

    Motherly veröffentlicht „I'm a proud sad beige parent“, später aktualisiert am 21. November 2023.

  4. 22. Februar 2023
    Der SPIEGEL fragt nach den Folgen

    Der Beitrag „Beigefarbene Kinderzimmer: Was richtet dieser Farbentzug bei Kindern an?“ erscheint.

  5. 19. September 2023
    Das Richmond Magazine porträtiert DeRoche

    Der Text „Adding Color to Sad Beige“ zeichnet den Weg der Komikerin nach.

  6. 12. Oktober 2023
    WELT greift die Debatte auf

    Nicola Erdmann beschreibt den Trend zur beigen Babyausstattung und zitiert zweifelnde Fachleute.

Der Spott aus dem Netz hat den Trend nicht gestoppt. Er hat ihn sichtbar gemacht – und aus einer Einrichtungsfrage eine Erziehungsdebatte gemacht.

Farbforscher: Farbe ist das einfachste Mittel

Buether forscht am Institut für evidenzbasierte Farbpsychologie in Wuppertal. Seine Einschätzung vertrat er auch in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung; dpa und weitere Medien griffen sie auf. Sein Argument richtet sich gegen alle, die Beige als beruhigende Wahl für Babys verkaufen.

„Kinder brauchen Anregung. Farben sind dafür das einfachste Mittel. Bunte Töne machen sie neugierig und aktiv.“
Axel Buether, Farbforscher in Wuppertal

Buether räumt ein, dass ein stilles Kind eher ruhige Farben braucht. Ein ganzes Zimmer in Beige hält er trotzdem für falsch, weil es dem Kind die Vielfalt nimmt.

Psychologin sieht keinen Schaden

Die Potsdamer Entwicklungspsychologin Birgit Elsner vom BabyLab widerspricht dem Farbforscher in der Sache. Ihre Einschätzung stellt die Wahrnehmung von Neugeborenen in den Mittelpunkt.

„Neugeborene bevorzugen Schwarz-Weiss-Kontraste und Primärfarben gegenüber Farben wie Beige und Grau.“
Birgit Elsner, Entwicklungspsychologin, Universität Potsdam

Für Eltern heißt das: Ein beiges Kinderzimmer schadet nach Einschätzung der Psychologin nicht, solange das Kind genug andere Reize bekommt. Der Farbton der Wand sei kein Entwicklungsfaktor.

US-Fachleute sehen die Wandfarbe ebenfalls nicht als entscheidend an. Der Kinder-Augenarzt James D. Reynolds von der University at Buffalo sagt, es spiele keine Rolle, was Eltern in das Zimmer ihres Kindes streichen. Die Psychologin Casey Krueger verweist auf Kontrast, Bewegung und menschliche Interaktion als die wirklich wichtigen Faktoren.

Wer entscheidet – Eltern oder Forscher?

Die Fronten sind klar: Auf der einen Seite steht ein Farbforscher, der Beige für ein Entwicklungsrisiko hält. Auf der anderen eine Entwicklungspsychologin, die darin kein Problem sieht. Dazwischen stehen Eltern, die ihre Zimmer weiter in Sandton streichen.

Der SPIEGEL hatte schon im Februar 2023 gefragt, was dieser Farbentzug bei Kindern anrichtet. Eine eindeutige Antwort gibt es bis heute nicht – wohl aber einen Beleg dafür, wie lange die Debatte schon läuft.

Wie sie ausgeht, hängt nicht an Studien, sondern am Geschmack der Eltern. Buether kann warnen, Elsner kann beruhigen – entscheiden werden die, die den Pinsel in der Hand halten.

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