Chris O'Neill sitzt erstmals ohne Übersetzer im Reichstag
Bild: KI-generiert
Schwedens Königshaus

Chris O'Neill sitzt erstmals ohne Übersetzer im Reichstag

Bei der Eröffnung des schwedischen Parlamentsjahres saß Chris O'Neill erstmals ohne Übersetzungs-Kopfhörer – der Hof bestätigt, dass der Ehemann von Prinzessin Madeleine Schwedisch versteht. Den schwedischen Pass hat er nie angenommen.

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Chris O'Neill (52) hat am Dienstag erstmals ohne Übersetzungs-Kopfhörer auf der Zuschauertribüne des schwedischen Reichstags gesessen. Noch im Vorjahr hatte der Ehemann von Prinzessin Madeleine (44) sich die Reden live ins Englische übertragen lassen. Der Mann, der einen schwedischen Prinzentitel und den schwedischen Pass stets abgelehnt hat, versteht die Sprache des Landes inzwischen.

Anlass war die feierliche Eröffnung des Riksmöte 2026/27 am Dienstag, 29. September 2026, in Stockholm. Zuerst fand der traditionelle Gottesdienst in der Storkyrkan statt, anschließend fuhr das Königspaar per Kutsche zum Reichstagsgebäude. König Carl XVI. Gustaf eröffnete die Sitzungsperiode im Plenarsaal auf Bitte von Reichstagspräsident Andreas Norlén.

Von New York nach Stockholm: die Vorgeschichte

  1. 2010
    Kennenlernen in New York

    Chris O'Neill und Prinzessin Madeleine lernen sich in New York kennen. O'Neill spricht kein Schwedisch.

  2. 8. Juni 2013
    Hochzeit ohne Prinzentitel

    Bei der Hochzeit verzichtet O'Neill bewusst auf einen schwedischen Prinzentitel und nimmt die schwedische Staatsbürgerschaft nicht an.

  3. 2018
    Erklärung im King Magazine

    O'Neill begründet öffentlich, warum er keinen Titel und keine königliche Rolle wollte.

  4. Sommer 2024
    Rückkehr nach Stockholm

    Die Familie zieht aus Florida dauerhaft nach Stockholm. O'Neill besitzt seit 2024 die deutsche Staatsbürgerschaft.

  5. September 2025
    Noch mit Kopfhörern

    Bei der Parlamentseröffnung ist O'Neill mit Übersetzungs-Kopfhörern zu sehen.

  6. 29. September 2026
    Erstmals ohne Übersetzung

    Bei der Eröffnung des Riksmöte 2026/27 sitzt O'Neill ohne Kopfhörer auf der Zuschauertribüne.

Der Kopfhörer ist weg

Im Livebild aus dem Plenarsaal war der Unterschied sofort zu erkennen: 2025 trug O'Neill noch die Kopfhörer für die englische Übertragung, in diesem Jahr keinen. Der schwedische Hof hat den Wandel inzwischen bestätigt – in ihrer Antwort auf die Anfrage des Magazins Hänt lässt Hofsprecherin Margareta Thorgren keinen Zweifel.

„Er kann Schwedisch und versteht Schwedisch, also kommt er ohne Übersetzung aus.“
Margareta Thorgren, Informationschefin des Königshauses

Der Sprachwechsel passt zur neuen Lebenssituation: Seit Sommer 2024 lebt die Familie dauerhaft in Stockholm, nach Jahren in den USA – in New York, London und Florida. Für Madeleine war die Eröffnung die erste nach sieben Jahren Pause, für ihren Mann die erste nach elf.

Verzicht auf Titel und Pass

Bemerkenswert ist die Sprachkenntnis vor allem, weil O'Neill dem Königshaus formal bis heute nicht angehört. 2010 lernte er Madeleine in New York kennen, damals ohne ein Wort Schwedisch. Bei der Hochzeit am 8. Juni 2013 verzichtete er bewusst auf einen schwedischen Prinzentitel, um weiter im Finanzsektor arbeiten zu können, und nahm auch die schwedische Staatsbürgerschaft nicht an.

Warum er so entschied, hat O'Neill 2018 im „King Magazine“ erklärt: „Ich wurde nicht in eine königliche Familie hineingeboren. Ich bin Christopher O'Neill, mein Vater war Paul O'Neill. Er war ein Familienmensch, der seine eigene Identität hatte, hart arbeitete und es zu etwas gebracht hat.“ Der in London geborene O'Neill arbeitete als Geschäftsmann im Finanzsektor und besitzt seit 2024 die deutsche Staatsbürgerschaft; die schwedische hat er nie angenommen.

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Keine Premierrede, keine ersten Plätze

Die Zeremonie fand unter ungewöhnlichen Bedingungen statt: Sie lag zwei Wochen nach der schwedischen Parlamentswahl, zu einem Zeitpunkt, an dem noch keine Regierung gebildet war. Deshalb blieb in diesem Jahr die Rede eines Premierministers nach der Ansprache des Königs aus.

Auch die Sitzordnung folgte strengem Protokoll: Chris und Madeleine nahmen nach der Hofrangordnung auf der Zuschauertribüne Platz, nicht auf den ersten Plätzen neben Kronprinzessin Victoria und Prinz Daniel. Die Erklärung zur Sitzordnung im Reichstag nennt die Hofrangordnung als Grund – sie bestimmt die Plätze in der Storkyrkan und im Sitzungssaal.

An seinem Verzicht hat sich nichts geändert: O'Neill hat die schwedische Staatsbürgerschaft nie angenommen, den Titelverzicht von 2013 nie revidiert. Über eine Einbürgerung ist bislang nichts bekannt. Bei der nächsten Eröffnung des Riksmöte wird sich zeigen, ob er erneut ohne Dolmetscher auf der Zuschauertribüne sitzt.