Wanderer überlebt 90-Meter-Sturz in der Sächsischen Schweiz
Bild: KI-generiert
Bergrettung

Wanderer überlebt 90-Meter-Sturz in der Sächsischen Schweiz

In den Hinteren Affensteinen stürzt ein 20-Jähriger aus Leipzig 90 Meter über eine Felswand – und überlebt. Weil Nebel und Dunkelheit einen Hubschrauber verhindern, bahnen sich rund 30 Retter zu Fuß einen Weg und ziehen ihn in einer Gebirgstrage nach oben.

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Ein 20-Jähriger aus Leipzig ist in der Nacht zum Samstag in den Hinteren Affensteinen rund 90 Meter über eine Felswand gestürzt – und hat überlebt. Der Notruf erreichte die Alarmgruppen Bad Schandau und Pirna am Freitagabend gegen 21:42 Uhr.

Der Mann war auf dem Weg zu einer Boofe, einer einfachen Übernachtungsstelle im Fels, unweit des Hentzschelturms. Nach Angaben der Bergwacht stürzte er rund 70 Meter im freien Fall über die Felswand und rutschte anschließend etwa 20 Meter einen steilen Hang hinab – in Summe rund 90 Meter.

Als die ersten Retter bei ihm ankamen, war der Leipziger durchgehend ansprechbar. Er erlitt mehrere Knochenbrüche, Prellungen und eine Kopfplatzwunde. Bis er in einer Klinik lag, dauerte es trotzdem noch Stunden.

Motorsägen statt Hubschrauber

Ein Hubschrauber war in dieser Nacht nicht einsetzbar: Nebel, die Wetterbedingungen und die Dunkelheit machten einen Flug unmöglich. Die Feuerwehren Bad Schandau und Porschdorf schnitten deshalb mit Motorsägen Transportwege durch Totholz frei, um überhaupt bis zu dem Verletzten zu kommen.

Im Einsatz waren nach Angaben des MDR zum Ablauf der Rettung rund 30 Kräfte von Bergwacht, Feuerwehr, Rettungsdienst, Notarzt und Psychosozialer Notfallversorgung.

Der Verletzte wurde in einer Gebirgstrage rund 90 Meter über die Felswand nach oben gezogen. Gegen 3 Uhr brachten ihn die Retter in eine Klinik, gegen 4 Uhr war der Einsatz beendet. Schon um 20:55 Uhr hatte die Bergwacht Pirna drei Wanderer aus steilem Gelände im Hirschgrund bei Kurort Rathen holen müssen, die in der Dunkelheit die Orientierung verloren hatten.

Warum die Bergwacht von Schutzengeln spricht

Der stellvertretende Leiter der Bergwacht Bad Schandau, Jens Berger, fand für das, was seine Leute in dieser Nacht vorfanden, nur ein Bild.

„Er hat tausende, wenn nicht gar zehntausende Schutzengel gehabt.“
Jens Berger, stellvertretender Leiter der Bergwacht Bad Schandau

Mit diesem Bild beschreibt Berger, wie knapp der Ausgang war. Auch DRK-Sprecher Kai Kranich nennt das Überleben des Leipzigers eine Seltenheit. „Einer der Retter hat gesagt, dass das eine absolute Seltenheit ist, dass der Mann das überhaupt überlebt hat“, sagte Kranich.

Um die sechs Begleiter des Leipzigers kümmerten sich in derselben Nacht Kriseninterventionsteams des DRK Pirna und des DRK Freital. Den Ablauf und die Einschätzung der Bergwacht fasst der Bericht über den 90-Meter-Sturz bei saechsische.de zusammen.

Weicher Waldboden als Lebensretter

Die Bergwacht vermutet weichen Waldboden als rettenden Faktor. Der Aufprall nach 90 Metern fiel dadurch glimpflicher aus, als es auf blankem Fels zu erwarten wäre. Nicht jedes Unglück im Gelände endet so: Zehnjähriger stirbt nach Forstunfall in Uffing.

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Der 20-Jährige wurde in der Nacht in eine Klinik gebracht; wie es ihm inzwischen geht, ist nicht öffentlich. Die Frage, die nach dieser Nacht bleibt, richtet sich an alle, die im Herbst spät in der Sächsischen Schweiz unterwegs sind: Was gehört in den Rucksack, wenn der Rückweg länger dauert als geplant?