US-Arbeitsmarkt schafft nur 29.000 Stellen – 60.000 Jobs gestrichen
Nur 29.000 neue Jobs im September, erwartet waren 84.000 bis 90.000 – der letzte Jobbericht vor den Midterms. Vormonatswerte um 60.000 Stellen nach unten korrigiert, die Löhne fallen real, und das Weiße Haus nennt die Zahlen trotzdem „nicht enttäuschend“.
Die US-Wirtschaft hat im September nur 29.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft geschaffen – weniger als ein Drittel dessen, was Ökonomen erwartet hatten, wie der CNBC-Bericht zu den September-Zahlen zeigt. Die Prognosen lagen bei 84.000 bis 90.000 Stellen. Es ist der letzte Jobbericht vor den Zwischenwahlen am 3. November.
Die Vormonatswerte wurden kräftig nach unten korrigiert: Der Juli-Wert fiel von +21.000 auf −10.000 – der erste negative Beschäftigungsmonat seit Dezember 2020. Der August-Wert sank von +162.000 auf +133.000. Zusammen sind das 60.000 Jobs weniger als zuvor gemeldet. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent, nach 4,1 Prozent im August.
Zuwächse fast nur im Gesundheitswesen
Das Plus kam fast ausschließlich aus dem Gesundheitswesen (+17.000), dem Bau (+11.000) und der Industrie (+9.000). Der Gesundheitssektor liegt mit 17.000 Stellen aber nur halb so hoch wie sein Zwölf-Monats-Schnitt von 33.000. Der Staat strich 17.000 Stellen, die Zeitarbeitsbranche 11.000, Information und Datenverarbeitung 10.000, die Finanzbranche 7.000 und die professionellen Dienstleistungen 9.000.
Unter schwarzen Amerikanern sprang die Arbeitslosenquote um einen vollen Prozentpunkt auf 7,0 Prozent – fast doppelt so hoch wie die 3,6 Prozent unter weißen Amerikanern. Die Erwerbsbevölkerung wuchs vor allem, weil 485.000 Menschen neu in den Arbeitsmarkt eintraten. Die Partizipationsrate kletterte um 0,2 Punkte auf 61,8 Prozent, den höchsten Stand seit Mai.
Arbeitslosenquote in den USA nach Gruppe, September 2026
Quelle: Bureau of Labor Statistics
Deutlich weniger Jobs als unter Biden
Im laufenden Jahr 2026 entstanden bislang im Schnitt 68.000 Jobs pro Monat. 2025 waren es nur rund 9.700, im letzten vollständigen Amtsjahr von Joe Biden 2024 rund 117.000. Unter Donald Trump läuft der Jobmarkt also solide – aber schwächer als zuvor. Auch in Deutschland bleibt der Einstieg ins Berufsleben schwierig: Jeder zehnte 20- bis 24-Jährige ohne Job oder Ausbildung.
Auch die Löhne enttäuschen: Die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen gegenüber dem Vormonat nur um 0,1 Prozent und gegenüber dem Vorjahr um 3,0 Prozent – der schwächste Jahreswert seit Mai 2021. Die Inflation liegt bei rund 3,4 Prozent. Damit fallen die Reallöhne den sechsten Monat in Folge.
Neue Jobs pro Monat im Jahresdurchschnitt
Quelle: Bureau of Labor Statistics, Newsweek, AP
Das Weiße Haus sieht seine Agenda bestätigt
Das Weiße Haus kontert mit einer Positiv-Lesart. Sprecherin Taylor Rogers erklärte, die Wirtschaft habe 9.000 Industriejobs und 12.300 Stellen im Fabrikbau geschaffen – ein Beweis, dass Trumps Reindustrialisierungsagenda funktioniere. Auf die Frage, ob er die Zahlen enttäuschend finde, antwortete Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats, im Sender Fox Business:
„Nein, nicht einmal ein bisschen.“
Kevin Hassett, Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats
Hassett verwies auf den Anstieg der Baujobs als Folge der unter Trump angestoßenen Fabrikbauten, der Abwärtsdruck auf die Inflation ausübe. Für die Demokraten liefert der Bericht Munition im Wahlkampf. „Präsident Trumps scheiternde Wirtschaftsagenda schwächt den Arbeitsmarkt“, sagte US-Senatorin Elizabeth Warren und verwies auf das schwache Lohnwachstum bei steigenden Preisen. Wells-Fargo-Chefökonomin Sarah House nennt die Lage einen „low-hire, low-fire“-Arbeitsmarkt: „Die gute Nachricht ist, dass Sie keine massenhaften Entlassungen sehen“ – aber es sei schwer, überhaupt eine Stelle zu finden.
Börsen steigen, Fed-Pause wird wahrscheinlicher
An der Börse kam die schwache Zahl gut an: Der S&P 500 legte um 0,74 bis 0,9 Prozent zu, der Nasdaq um 1,1 Prozent. Ein schwächerer Arbeitsmarkt senkt die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen. Die Fed hatte im September erstmals seit 2023 den Leitzins um 0,25 Punkte auf 3,75 bis 4,0 Prozent angehoben – Reaktion auf die Inflation infolge des Iran-Kriegs. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinspause am 27./28. Oktober stieg auf rund 82,8 Prozent, wie die Analyse zum sinkenden Druck auf die Fed zeigt.
Die Republikaner gehen mit schwachen Umfragen in die letzten Wochen: Laut einer AP-NORC-Umfrage vom 1. Oktober billigen nur 17 Prozent der Amerikaner Trumps Umgang mit den Lebenshaltungskosten, nur 26 Prozent seine Wirtschaftspolitik. Das Verbrauchervertrauen fiel auf den tiefsten Stand seit über einem Jahrzehnt. Die Wirtschaft selbst wächst weiter – für das erste Quartal wurden 2,5, für das zweite 2,2 Prozent gemeldet, das dritte taxiert die Atlanta Fed auf 3,7 Prozent. Ob dieser Widerspruch bis zur Wahl am 3. November hält, entscheidet mit über die Mehrheiten im Kongress.