Die Krankheit nahm ihr das Gehen, das Atmen, zuletzt das Sprechen. Am 1. Oktober 2026 ist Brooke Eby (37) im US-Bundesstaat Maryland an den Komplikationen ihrer Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) gestorben – vier Jahre nach der Diagnose.
Bekannt wurde sie nicht als Patientin, sondern als Erzählerin. Unter dem Namen „Limpbroozkit" dokumentierte sie seit 2022 auf TikTok und Instagram, was die Diagnose mit ihrem Körper und ihrem Alltag machte: offen, selbstironisch, ohne die übliche Schwere. Über alle Plattformen hinweg folgten ihr mehr als 800.000 Menschen.
Brooke Ebys Reichweite in sozialen Netzwerken
Follower nach Plattform und insgesamt
Vier Jahre zwischen erstem Symptom und Diagnose
Die ersten Anzeichen spürte Eby 2018 mit 29 Jahren: ein Spannungsgefühl in der Wade, später ein Hinken. Zunächst galt das als Trainingsverletzung. Erst im März 2022, mit 33 Jahren, stand nach jahrelangen Untersuchungen die Diagnose ALS fest.
Wenige Monate später startete sie ihre Kanäle. 2023 gründete sie die Slack-Community ALStogether, in der sich Betroffene direkt austauschen konnten. 2024 zog sie zu ihren Eltern nach Potomac zurück, weil ihre Mobilität weiter abnahm.
Brooke Ebys Weg mit der ALS
- 22. Dezember 1988Geburt in Maryland
Brooke Elizabeth Eby wird in Potomac im US-Bundesstaat Maryland geboren.
- 2018Erste Symptome mit 29 Jahren
Ein Spannungsgefühl in der Wade, später Hinken – zunächst als Trainingsverletzung gedeutet.
- März 2022Diagnose ALS
Nach jahrelangen Untersuchungen erhält Eby mit 33 Jahren die Diagnose.
- 2022Start als „Limpbroozkit"
Wenige Monate nach der Diagnose beginnt sie, ihre Krankheit auf TikTok und Instagram zu dokumentieren.
- 2023Gründung von ALStogether
Die Slack-Community für ALS-Betroffene startet.
- Juli 2025Mehr als eine Million Dollar
Target ALS meldet, Eby habe über eine Million US-Dollar für die Forschung eingeworben.
- 1. Oktober 2026Tod mit 37 Jahren
Eby stirbt in Maryland an den Komplikationen ihrer ALS.
Eine Million Dollar und eine eigene Community
Aus Reichweite wurde Struktur. 2026 wurde ALStogether in das ALS Network integriert, um Reichweite und Ressourcen zu bündeln. Im Juni 2026 zeichnete das ALS Network Eby mit dem Dean and Kathleen Rasmussen Advocate of the Year Award aus.
Nach Angaben der Stiftung Target ALS warb sie mehr als eine Million US-Dollar für die ALS-Forschung ein. Der Nachruf des ALS Network auf Brooke Eby würdigt sie als außergewöhnliche Fürsprecherin, Geschichtenerzählerin, Gemeinschaftsbildnerin und Freundin.
Sheri Strahl, Präsidentin und CEO des ALS Network, macht in ihrer Würdigung genau diesen Doppelcharakter stark: Eby habe nicht nur das Bild der Krankheit verändert, sondern auch, wie Betroffene zueinander finden.
„Brooke hat verändert, wie Menschen ALS sehen – aber auch, wie Menschen mit ALS einander finden und einander stützen. Sie brachte Humor in unglaublich schwierige Momente, sprach mit furchtloser Ehrlichkeit und schuf Verbindung, wo sie dringend gebraucht wurde.“
Sie setzte auf Humor statt auf Infografiken
Eby erklärte ihre Methode selbst: Eine Infografik darüber, dass etwa einer von 400 Menschen diese Krankheit bekommt und den Betroffenen in der Regel nur zwei bis fünf Jahre bleiben, rühre niemanden an – deshalb habe sie auf „zeigen statt erzählen" gesetzt.
Ihr Markenzeichen war der Witz. „Levity is my superpower„ – Leichtigkeit sei ihre Superkraft, sagte sie 2023 in der US-Sendung „Today“.
2025 schrieb sie in einem Essay für das Magazin People, alle seien entspannter mit ihrer Lage umgegangen, wenn sie lachte – und das habe ihr selbst geholfen, sich wohler zu fühlen.
Im Juni 2025 berichtete sie von stark gesunkener Atemkapazität und erhielt eine Magensonde. Im Januar 2026 kamen bulbäre Symptome hinzu: Schluck- und Sprechprobleme, vermehrter Speichelfluss. Zuletzt war sie auf Rollstuhl und Beatmungsgerät angewiesen.
Am 3. September 2026 sagte sie in einem Video, andere könnten sie kaum noch verstehen. „I'm not ready to give up talking" – sie sei nicht bereit, das Sprechen aufzugeben.
Wie sehr eine ALS-Diagnose die ganze Familie umbaut, beschreibt Sandra Bullocks Umgang mit der ALS ihres Partners.
Die ALS-Welt verliert ihre lauteste Stimme
Neben dem ALS Network meldete sich die ALS Association zu Wort. In ihrer Würdigung der ALS Association für Brooke Eby schreibt Präsidentin Calaneet Balas, Eby habe ALS unmöglich zu ignorieren gemacht – und es unmöglich, sie dabei nicht zu lieben.
„Brooke hat es unmöglich gemacht, ALS zu ignorieren, und sie hat es unmöglich gemacht, sie dabei nicht zu lieben. Sie hat dieser Gemeinschaft ihre Ehrlichkeit, ihren Humor und ihr ganzes Herz gegeben.“
Auch ihr langjähriger Arbeitgeber trauerte. Eby war 2016 als Business Development Managerin zu Salesforce gekommen und blieb rund zehn Jahre im Unternehmen. Konzernchef Marc Benioff nannte sie eine großartige Kämpferin mit einer Haltung, die einen Gletscher schmelzen könnte.
Die internationale Presse meldete ihren Tod am 2. Oktober 2026; zwei Tage später griffen deutsche Medien wie RTL, Gala, Bild, news.de und t-online die Nachricht auf.
Eby hatte vorgesorgt: Ihre Videos, sagte sie, würden sie überleben – sie hoffte, dass sie als visuelles Tagebuch für alle dienen, die gerade erst ihre Diagnose bekommen. Auch andere Creatorinnen haben ihre Krankheit öffentlich gemacht, etwa Sydney Towles Verlegung ins Hospiz Anfang August 2026.
Offen ist, was aus ihrer Community wird. ALStogether läuft seit 2026 innerhalb des ALS Network – ob sie ohne ihre Gründerin trägt und wer Ebys Rolle übernimmt, muss sich erst zeigen.
