42 von 100 Sitzen – so stark war in Lettland noch keine politische Kraft. Regierungschef Andris Kulbergs gewinnt mit seiner Vereinigten Liste (AS) die Parlamentswahl vom 3. Oktober mit 35,4 Prozent der Stimmen und schließt eine Koalition mit der Ukraine-Hilfen-kritischen Souveränen Macht (SV) aus.
Der bisherige Rekord lag bei 36 Sitzen, die Latvijas ceļš 1993 errang. Zweitstärkste Kraft wurde die populistische Partei Lettland an erster Stelle (LPV) mit 13,1 bis 13,2 Prozent, drittstärkste die Souveräne Macht (SV) mit 11,7 bis 11,8 Prozent. Beide punkteten vor allem bei der russischsprachigen Minderheit.
Nur rund 51,8 Prozent der etwa 1,55 Millionen Wahlberechtigten gingen zur Wahl, rund 800.000 Menschen – ein Negativrekord. Sechs der 14 angetretenen Parteien ziehen in die 15. Saeima ein. Für Kulbergs' Bündnis werden damit mehr Partner verfügbar, die Regierungsbildung bleibt trotzdem eine Rechenaufgabe.
Von der Drohne in Rēzekne zum Rekordmandat
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Die AS gewinnt die Parlamentswahl mit 35,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei nur rund 51,8 Prozent.
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Nach Auszählung von 94 bis 99,9 Prozent der Stimmen steht der höchste Mandatswert der lettischen Parlamentsgeschichte fest.
- 19. Oktober und 3. November 2026Bestätigung und erste Sitzung
Die Wahlkommission soll die Ergebnisse bis zum 19. Oktober offiziell bestätigen. Am 3. November tritt die 15. Saeima zusammen.
42 Sitze – Rekord in der Geschichte der Saeima
Für die AS ist das eine Verdreifachung ihres Ergebnisses von 2022. Nach Auszählung von 94 bis 99,9 Prozent der Stimmen bestätigte sich am 4. Oktober das massive Mandat der Vereinigten Liste. Kulbergs liest das Ergebnis als Auftrag: „Das zeigt, dass die Menschen Wandel wollen, dass sie klare Worte wollen."
Stimmenanteile der stärksten Parteien in Lettland
Angaben nach Auszählung von 94 bis 99,9 Prozent der Stimmen; für LPV und SV ist der untere Wert ihrer Auszählungsspanne dargestellt.
Kulbergs schließt die Ukraine-Kritiker aus
Für die Koalitionsbildung hat Kulbergs eine klare Grenze gezogen: Eine Zusammenarbeit mit der Souveränen Macht (SV) unter Julija Stepanenko schließt er aus. Die SV tritt als Kritikerin der Ukraine-Hilfen auf; für Lettland an der Ostflanke der Nato wäre das ein Bruch mit dem bisherigen Kurs. Auch eine Koalition mit LPV-Chef Ainars Slesers gilt als unwahrscheinlich.
Als wahrscheinlichste Variante gilt eine Fortsetzung der bisherigen Zusammenarbeit. Nach der Sitzverteilung der fast vollständig ausgezählten Stimmen käme die AS mit der Nationalen Allianz (9,1 Prozent) und der Neuen Einheit (6,2 Prozent) auf rund 59 bis 60 der 100 Sitze – genug für eine stabile Mehrheit.
Prüfstein an der Nato-Ostflanke
Der Blick auf die Wahl reicht über Lettland hinaus. Linas Kojala, Leiter des Sicherheitszentrums GSSC in Vilnius, sieht in dem Land einen Testfall für die gesamte Nato-Ostflanke – und formuliert, worauf es jetzt ankommt:
„Lettland liegt an der Ostflanke der Nato und hat sich zu einem wichtigen Prüfstein dafür entwickelt, wie Regierungen mit den politischen Kosten höherer Verteidigungsausgaben, der anhaltenden Unterstützung für die Ukraine und wiederholten Sicherheitsbedrohungen umgehen.“
Kojala zufolge würde ein Einbruch bei der Ukraine-Hilfe weit über Lettland hinaus wirken: Bleibe der breite Konsens in der Verteidigungspolitik trotz des Regierungswechsels erhalten, zeige das, dass Frontstaaten Druck aushalten können, ohne die Sicherheitspolitik zum Spielball innenpolitischer Instabilität zu machen.
Zwei Termine entscheiden nun über die Umsetzung: Bis zum 19. Oktober soll die Wahlkommission das Ergebnis offiziell bestätigen, am 3. November tritt die 15. Saeima zusammen. Offen ist bis dahin, ob sich die 42 Sitze der AS ohne die Ukraine-Kritiker zu einer Mehrheit verbinden lassen.
