Tasoulas fordert bis zu 341 Milliarden Euro von Deutschland
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Streit um Reparationen

Tasoulas fordert bis zu 341 Milliarden Euro von Deutschland

Griechenlands Staatspräsident Tasoulas erklärt bei der Gedenkfeier zum 83. Jahrestag des Massakers von Lyngiades die Reparationsansprüche für „aktiv, rechtmäßig, nicht verjährt und einklagbar“. Deutschland verweist auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag und lehnt Zahlungen ab.

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Griechenlands Staatspräsident Konstantinos Tasoulas hat die deutschen Reparationen für die Verbrechen der Besatzungszeit erneut für offen erklärt und eine Summe von bis zu 341 Milliarden Euro ins Spiel gebracht. Bei der zentralen Gedenkfeier zum 83. Jahrestag des Massakers von Lyngiades sagte Tasoulas am Sonntag, die Ansprüche der Griechischen Republik seien weiter gültig und notfalls einklagbar. Die Bundesregierung hält die Frage seit Jahren für abgeschlossen.

Anlass ist der Jahrestag des Massakers vom 3. Oktober 1943. Einheiten der 1. Gebirgs-Division „Edelweiss“ der Wehrmacht überfielen Lyngiades, töteten nach griechischen Angaben 86 Einwohner des Dorfes und drei Bewohner des nahen Amfithea, darunter 41 Kinder, und brannten das Dorf nieder. Zwei Tage zuvor hatten Partisanen der EDES bei Preveza den deutschen Oberstleutnant Josef Salminger getötet, den Kommandeur des Gebirgsjäger-Regiments 98.

Die genaue Summe hängt von der Berechnungsmethode ab: Griechische Stellen nennen 278 bis 341 Milliarden Euro – für Kriegsschäden, Besatzungsverbrechen und die Rückzahlung der von der Besatzungsmacht erzwungenen Zwangsanleihe. Die erneuerte Forderung nach deutschen Reparationen ist seit Jahren Gegenstand diplomatischer Noten, ohne dass sich beide Seiten je auf eine Summe verständigt hätten.

„Die Ansprüche und Forderungen der Griechischen Republik für die deutschen Reparationen sind aktiv, rechtmäßig, nicht verjährt und einklagbar.“
Konstantinos Tasoulas, Staatspräsident von Griechenland

Deutschland verweist auf zwei Verträge

Die Bundesregierung weist die Forderungen zurück. Sie beruft sich auf den Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990, in dem aus ihrer Sicht „keine weiteren Reparationen“ vorgesehen sind, und auf das Londoner Schuldenabkommen von 1953. Regierungssprecher Steffen Hebestreit erklärte im November 2024, Deutschland sehe die Ansprüche wegen internationaler Vereinbarungen als erledigt an.

Eine von beiden Staaten anerkannte Gesamtsumme gibt es bis heute nicht. Die griechische Regierung übermittelte 2019 und 2020 eine diplomatische Note zu Reparationsgesprächen an die Bundesregierung, 2019 befasste sich auch das griechische Parlament erneut mit dem Thema. Zu einem Ergebnis führte das nicht.

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Gauck bat um Verzeihung, zahlte aber nicht

In Lyngiades ist die deutsche Seite kein abstraktes Thema. Am 7. März 2014 besuchte Bundespräsident Joachim Gauck als erstes deutsches Staatsoberhaupt das Dorf, legte einen Kranz nieder und bat die Familien der Opfer um Verzeihung – Reparationszahlungen lehnte er zugleich ab. Bundespräsident Gaucks Besuch in Lyngiades 2014 war ein öffentliches Zeichen des Gedenkens an die Opfer.

„Mit Scham und Schmerz bitte ich im Namen Deutschlands die Familien der Opfer um Verzeihung. Ich verneige mich vor den Opfern für dieses ungeheuerliche Verbrechen.“
Joachim Gauck, Bundespräsident a. D.

Bei Gedenkfeiern in Kalavryta und Paramythia bekräftigte Tasoulas die Forderung ebenfalls. Tasoulas verwendet die Formel von den offenen Ansprüchen seit Monaten: Schon beim Gedenken an den Viannos-Holocaust auf Kreta am 13. September 2026 bekräftigte er sie, zuvor bei Gedenkfeiern in Kalavryta und Paramythia.

Eine Woche Gedenken in Lyngiades

Die Gedenkfeiern zogen sich in diesem Jahr über mehr als eine Woche. Vom 27. September bis zum 4. Oktober organisierten die Region Epirus, die Gemeinde Ioannina, die Dorfgemeinde Lyngiades und der Kulturverein Lyngiades ein Programm aus Veranstaltungen, Gottesdiensten und einem Fackelzug. Am Abend des 3. Oktober stand die Veranstaltung „Geschichte, Erinnerung und Trauma: Die Besatzungszeit in Ioannina“ auf dem Programm, danach folgten ein Trisagion am Beinhaus und der Fackelzug durch das Dorf.

Von Lyngiades bis zur erneuten Forderung

  1. 3. Oktober 1943
    Massaker von Lyngiades

    Einheiten der 1. Gebirgs-Division „Edelweiss“ töten nach griechischen Angaben 86 Einwohner von Lyngiades und drei von Amfithea, darunter 41 Kinder, und brennen das Dorf nieder.

  2. 1953
    Londoner Schuldenabkommen

    Deutschland führt das Abkommen bis heute als Argument gegen offene Reparationsansprüche an.

  3. 1990
    Zwei-plus-Vier-Vertrag

    Die Bundesregierung beruft sich auf die Formulierung, es seien „keine weiteren Reparationen“ vorgesehen.

  4. 7. März 2014
    Gauck besucht Lyngiades

    Bundespräsident Joachim Gauck bittet als erstes deutsches Staatsoberhaupt um Verzeihung, lehnt Reparationszahlungen aber ab.

  5. November 2024
    Berlin erklärt die Ansprüche für erledigt

    Regierungssprecher Steffen Hebestreit verweist auf internationale Vereinbarungen.

  6. 13. September 2026
    Viannos-Gedenken auf Kreta

    Tasoulas bekräftigt die griechischen Reparationsansprüche.

  7. 4. Oktober 2026
    Zentrale Gedenkfeier in Lyngiades

    Tasoulas legt einen Kranz nieder und nennt die Ansprüche „aktiv, rechtmäßig, nicht verjährt und einklagbar“.

Die Stärke der Demokratien

Tasoulas verband die Forderung mit dem Gedenken an die Toten. Die Dörfer hätten die „Bestialität der Besatzer“ erlitten, aber es geschafft, wieder auf die Beine zu kommen, sagte er – „das ist das beste Denkmal und die beste Antwort auf diese Bestialität“. Zur Demokratie sagte der Staatspräsident, ihre Stärke liege in den Völkern selbst, die Verantwortung übernehmen müssten und sie nicht als unerträglich ansehen dürften.

Damit steht die Frage weiter offen. Athen hält die Ansprüche für einklagbar, Berlin für erledigt; eine Klage hat die griechische Regierung bislang nicht angekündigt. Ob aus der Formel von Lyngiades mehr wird als eine jährlich wiederholte Erklärung, hängt an zwei Regierungen, die über eine Summe bis heute nicht verhandeln.