Harry-Potter-Serie dreht mit Kindern nur 90 Minuten am Stück
Kameramann Adriano Goldman sagt, die drei Kinderdarsteller der HBO-„Harry Potter"-Serie stünden nur rund 90 Minuten am Stück vor der Kamera – in dieser Zeit muss er sechs Einstellungen drehen. Den Rest des Tages sind die Kinder in der Schule, fast alle Szenen werden vorgezogen. Goldman warnt vor Kompromissen bei der Qualität.
Rund 90 Minuten am Stück stehen die drei Hauptdarsteller der neuen „Harry Potter"-Serie vor der Kamera – länger nicht. In dieser Zeit muss Kameramann Adriano Goldman sechs Einstellungen fertig drehen. Den Rest des Tages verbringen Dominic McLaughlin (Harry), Arabella Stanton (Hermine) und Alastair Stout (Ron) in der Schule.
Goldman schildert den Druck in dem Interview „A Masterclass with the Harry Potter Cinematographer" mit dem brasilianischen Filmemacher Andre Pilli, das am 18. Juli 2026 erschien. Zwei Tage später machten Berichte über die brutalen Drehbedingungen der Serie seine Aussagen international bekannt.
„Man muss wirklich schnell drehen, und je schneller man dreht, desto mehr Kompromisse macht man bei der Qualität. Daran führt kein Weg vorbei, oder? Wir haben natürlich viele Ressourcen, aber es ist brutal. Die Zeit der Kinder vor der Kamera ist wirklich brutal. Die Methode ist sehr speziell: Man muss praktisch alle Szenen vordrehen, während sie im Unterricht sind.“
Adriano Goldman, Kameramann der HBO-Serie „Harry Potter"
Drehen gegen die Handlung
Aus den kurzen Fenstern folgt ein Drehplan, der die Geschichte auseinandernimmt. Die Szenen entstehen nicht in der Reihenfolge der Handlung, sondern nach den Zeiten, in denen die Kinder verfügbar sind. Fast alles wird vorgezogen, während McLaughlin, Stanton und Stout im Klassenzimmer sitzen.
„Es ist wirklich hart, man dreht alles durcheinander wegen dieser Terminplanung„, sagt der Kameramann. „Der Prozess ist wirklich kompliziert, aber ich habe jetzt eine Staffel geschafft.“ Eine chronologische Produktion hält Goldman unter diesen Bedingungen kaum für möglich.
Eine eigene Schule auf dem Studiogelände
Damit überhaupt gedreht werden kann, wurde am Produktionsstandort Warner Bros. Studios Leavesden nördlich von London eine eigene Schule errichtet. Der Three Rivers District Council genehmigte die Anlage im Juli 2025 – für zehn Jahre.
Ausgelegt ist sie auf bis zu 600 Schüler in Spitzenzeiten, üblicherweise sind es rund 150. Der Betrieb läuft werktags etwa von 5:30 bis 20:30 Uhr. Was die Kinder den Tag über tun, wenn sie nicht vor der Kamera stehen, beschreibt der Bericht über den Alltag am Set.
Von der Besetzung bis zum Serienstart
Mai 2025
HBO stellt das Trio vor
Mehr als 30.000 Kinder hatten sich für die Rollen von Harry, Hermine und Ron beworben.
Juli 2025
Grünes Licht für die Schule
Der Three Rivers District Council genehmigt am Studiostandort Leavesden eine temporäre Schulanlage für zehn Jahre.
Sommer 2025
Drehstart der ersten Staffel
Die Arbeiten an Staffel 1 beginnen in den Warner Bros. Studios Leavesden.
Mai 2026
Klappe für Staffel 1
Die Dreharbeiten enden, die Postproduktion beginnt.
18. Juli 2026
Goldman packt aus
Das Interview mit dem Kameramann erscheint; zwei Tage später berichten internationale Medien über 90 Minuten Set-Zeit und sechs Einstellungen.
Herbst 2026
Staffel 2 startet
Geplanter Drehstart in Großbritannien unter der Regie von Mark Mylod.
25. Dezember 2026
Serienstart
Staffel 1 soll bei HBO und HBO Max anlaufen.
Sieben Bände in rund zehn Jahren
Hinter dem engen Takt steckt ein Plan über ein Jahrzehnt. Alle sieben Rowling-Romane sind auf rund zehn Jahre Produktionszeit angelegt – damit der Kinder-Cast nicht sichtbar herauswächst. Die erste Staffel soll am 25. Dezember 2026 bei HBO und HBO Max starten.
Die Pausen zwischen den Staffeln müssen deshalb kurz bleiben. HBO-Chef Casey Bloys nennt den Grund offen:
„Unser Ziel ist es, die Pause so kurz wie möglich zu halten, vor allem, weil die Kinder ja älter werden.“
Casey Bloys, HBO-Chef
Je schneller, desto schlechter
Goldman führt den Druck ausdrücklich nicht auf fehlendes Geld zurück. Die Produktion habe „viele Ressourcen", sagt er – der Engpass ist die Zeit, die die Kinder am Stück vor der Kamera stehen dürfen. Genau daraus entsteht seine Warnung vor Qualitätsverlusten.
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Wie sich der Takt in der zweiten Staffel auswirkt, ist offen. Sie soll im Herbst 2026 in Großbritannien unter der Regie von Mark Mylod gedreht werden. Die erste Staffel startet am 25. Dezember 2026 bei HBO und HBO Max.