Alf-Darsteller drehten bei bis zu 48 Grad über Löchern im Boden
Bild: KI-generiert
Kultserie

Alf-Darsteller drehten bei bis zu 48 Grad über Löchern im Boden

Am Set der Kultserie „Alf“ fehlte die Klimaanlage, im Studioboden klafften Löcher für die Puppenspieler, und eine 30-Minuten-Folge bedeutete 20 bis 25 Stunden Drehzeit. Vier Darsteller sind tot – der Streit um den angeblichen „Fluch“ der Serie ist neu entfacht.

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Bei „Alf“ standen die Schauspieler bei bis zu 48 Grad vor der Kamera – über Löchern im Studioboden, in die sie stürzten. Ein Bericht über den angeblichen „Fluch“ der Kultserie lässt nun wieder den Vorwurf laut werden, die Serie habe die Karrieren ihrer Darsteller ausgebremst.

Der Anlass ist ein Jubiläum: Am 22. September 1986 lief „Alf“ erstmals bei NBC. Im Januar 1988 startete die Serie im ZDF, „Null Problemo!“ von Sprecher Tommi Piper wurde zum geflügelten Wort. 1990 war nach vier Staffeln und 102 Folgen Schluss – mit einem Cliffhanger, weil eine fünfte Staffel nie produziert wurde.

48 Grad im Studio, weil das Geld fehlte

In den ersten Drehfolgen gab es aus Geldmangel keine Klimaanlage am Set. Zeitweise standen die Darsteller bei bis zu 48 Grad vor der Kamera, wie dem Interview über die schlechten Erinnerungen der Alf-Darsteller zu entnehmen ist.

Alf war eine Handpuppe, die meist drei Puppenspieler gleichzeitig steuerten. Das komplette Set stand auf einer Plattform, die 1,20 bis 1,50 Meter hoch war. Darunter verlief ein System aus Gräben und Öffnungen – im Studioboden klafften Löcher, in die auch Schauspieler fielen.

„Vier Menschen kümmerten sich um ihn. Am Set waren überall Löcher für die Puppenspieler. Wenn ich zum Beispiel aus der Küche kam, musste ich einen Schritt gehen und dann stehenbleiben, weil die Löcher erst überdeckt werden mussten. Einmal bin ich sogar reingefallen.“
Anne Schedeen, spielte Kate Tanner

Schedeen stürzte bei den Dreharbeiten durch eine Bodenluke. Wie dem SWR-Bericht über das Drama hinter den Kulissen zu entnehmen ist, hätte der Sturz „gut und gerne mit einem Knochenbruch“ enden können. Die Crew benannte die Löcher später nach den Personen, die hineingefallen waren.

25 Stunden Dreh für eine halbe Stunde Serie

Eine 30-minütige Folge bedeutete laut Schedeen 20 bis 25 Stunden Drehzeit. Paul Fusco, der Erfinder der Figur und selbst Puppenspieler, sprach von bis zu 22 Stunden Arbeit für eine einzige Minute fertiges Material. Vor der Kamera standen Menschen, die sich nach einer Puppe richten mussten.

Für Schedeen blieb vor allem der Ausnahmezustand. Sie sagte über die vier Jahre: „Es war ein einziges Chaos. Die Show war super. Aber es war hart.“ Genau dieser Satz steht im Zentrum des Vorwurfs, der jetzt wieder diskutiert wird: Erfolg auf Kosten derer, die ihn vor der Kamera trugen.

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Max Wright war nur der Sidekick einer Puppe

Max Wright spielte Willie Tanner und war am Set nur der Sidekick einer Puppe. Der renommierte Theater- und Fernsehschauspieler nannte die Arbeit „hart und sehr trostlos“. Bei einer Probe rief er einen Satz, der die Hierarchie am Set auf den Punkt bringt.

„Spießt uns alle auf Stöcke auf! Wir sind hier die Puppen.“
Max Wright, spielte Willie Tanner

Schedeen, seine Serienfrau, beschrieb ihn später mit Respekt und Distanz zugleich: „Max ist einer der brillantesten Schauspieler, mit denen ich gearbeitet habe. Es gibt nur einen Max Wright. Aber ich glaube, er würde mir nicht widersprechen, wenn ich sage, er war nicht die einfachste Person zum Arbeiten.“

Vier Tote, eine Überlebende

Max Wright starb im Juni 2019 mit 75 Jahren an Krebs. Michu Meszaros, der Alf in Ganzkörperaufnahmen spielte, starb 2016 nach einer Woche im Koma mit 76 Jahren. 2024 wurde Benji Gregory, der Brian Tanner spielte, mit 46 Jahren leblos auf einem Parkplatz gefunden; die Gerichtsmedizin bestätigte später einen Hitzschlag in Verbindung mit einer Zirrhose.

Im Juni 2026 starb Anne Schedeen mit 77 Jahren, die Kate Tanner gespielt hatte. Andrea Elson, Lynn Tanner, ist damit das letzte lebende Mitglied der Tanner-Familie. Sie zog sich aus dem Schauspiel zurück und betreibt heute ein Yogastudio in Kalifornien.

Von der Premiere bis heute

  1. 22. September 1986
    Start bei NBC

    „Alf“ läuft erstmals im US-Fernsehen; in der ersten Folge stürzt der Außerirdische in die Garage der Familie Tanner.

  2. Januar 1988
    Start im ZDF

    Die Serie wird in Deutschland zum Kinderliebling, „Null Problemo!“ von Sprecher Tommi Piper zum geflügelten Wort.

  3. 1990
    Ende nach vier Staffeln

    Nach 102 Folgen endet die Serie mit einem Cliffhanger, weil die fünfte Staffel nicht mehr produziert wird.

  4. Juni 2016
    Michu Meszaros stirbt

    Der Darsteller im Ganzkörperkostüm stirbt nach einer Woche im Koma mit 76 Jahren.

  5. Juni 2019
    Max Wright stirbt

    Der Willie-Tanner-Darsteller erliegt mit 75 Jahren seinem Krebsleiden.

  6. 13. Juni 2024
    Benji Gregory tot gefunden

    Der Brian-Tanner-Darsteller wird mit 46 Jahren leblos auf einem Parkplatz entdeckt; später bestätigt die Gerichtsmedizin einen Hitzschlag in Verbindung mit einer Zirrhose.

  7. Juni 2026
    Anne Schedeen stirbt

    Die Darstellerin der Kate Tanner stirbt mit 77 Jahren; bekannt wird ihr Tod am 15. Juni.

Ein Fluch, kein Befund

Eine medizinische Erklärung für die Häufung der Todesfälle gibt es nicht. Der Vorwurf, der jetzt wieder auflebt, richtet sich auf die Arbeitsbedingungen am Set – nicht auf eine gemeinsame Krankheit.

Offen bleibt, ob sich an Fernsehsets seither etwas geändert hat. Für die Darsteller von „Alf“ kommt die Antwort zu spät: Was bleibt, sind 102 Folgen und die Erinnerungen derer, die über den Löchern standen.