Paare ohne gemeinsamen Nachnamen lassen sich 50 % häufiger scheiden
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Familienforschung

Paare ohne gemeinsamen Nachnamen lassen sich 50 % häufiger scheiden

Eine Analyse des Institute for Family Studies verknüpft Namenswahl und Ehedauer: Paare ohne gemeinsamen Nachnamen lassen sich rund 50 Prozent häufiger scheiden, Ehen mit gemeinsamem Namen halten bis zur Trennung etwa zwölf Jahre, Ehen ohne acht bis zehn. Autor Lyman Stone widerspricht der kausalen Lesart ausdrücklich.

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Wer nach der Hochzeit auf einen gemeinsamen Nachnamen verzichtet, lässt sich einer Auswertung zufolge rund 50 Prozent häufiger scheiden – und die Trennung kommt im Schnitt etwa 30 Prozent früher in der Ehe. Ehen mit gemeinsamem Namen dauern bis zur Scheidung rund zwölf Jahre, Ehen ohne nur acht bis zehn.

Hinter diesen Zahlen steht Lyman Stone, Senior Fellow und Direktor der Pronatalism Initiative am Institute for Family Studies in Charlottesville, Virginia. Seine IFS-Analyse zu gemeinsamem Nachnamen und Ehedauer erschien am 16. April 2026 und wurde Ende September erneut breit aufgegriffen.

Aufgegriffen hat den Stoff der WELT-Feuilletonredakteur Matthias Heine. Sein am 4. Oktober 2026 veröffentlichter Beitrag „Namen in der Ehe“ folgt derselben Linie: Wenn ein Partner auf seinen Namen verzichte, komme ein besonders positiver psychologischer Faktor ins Spiel.

Stone selbst hält den Befund ausdrücklich nicht für einen Beweis. Die Unterschiede spiegelten „sehr große Selektionseffekte“, weil die Wahl eines gemeinsamen Namens keineswegs zufällig sei; die Effekte seien „nicht vollständig oder auch nur überwiegend kausal“. Wer aus der Statistik einen Eheretter macht, liest sie gegen ihren Autor.

Pew-Umfrage und texanische Scheidungsregister

Stones Rechnung stützt sich auf zwei Quellen. Die eine ist die Pew-Research-Center-Umfrage von 2023, die sowohl nach der Namenswahl als auch nach Familienwerten fragte. Die andere sind die öffentlichen Scheidungsregister des US-Bundesstaats Texas aus den Jahren 2016 und 2017, in denen die Nachnamen beider Ehepartner maschinenlesbar erfasst sind.

Der texanische Datensatz liefert das auffälligste Argument: Dort tragen etwa 75 bis 80 Prozent der verheirateten Paare einen gemeinsamen Nachnamen, aber nur 64 Prozent der Scheidungen betreffen solche Paare. Diese Lücke zeigt sich auf jeder Altersstufe – von 18 bis 29 über 30 bis 49 und 50 bis 64 bis über 65 Jahre.

Der Unterschied verschwindet auch dann nicht, wenn Stone die Kinderzahl kontrolliert: Auf jeder Familiengröße bleiben Paare mit gemeinsamem Namen länger zusammen, Doppelnamen liegen zwischen den beiden Extremen. Stones Auswertung nutzt erstmals den großen texanischen Datensatz; zuvor hatte nur eine kanadische Regionalstudie von 2021 wenige hundert Scheidungsakten geprüft.

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Konservative Frauen teilen den Namen, liberale seltener

In der Pew-Auswertung zeigt sich eine deutliche Polarisierung: 92 Prozent der konservativen Frauen nehmen den Namen des Mannes an, aber nur 70 Prozent der liberalen. Nach Herkunft liegen weiße Frauen bei 88 Prozent, hispanische und asiatische Frauen unter 70 Prozent.

Das Alter verschiebt die Werte ebenfalls. 86 Prozent der über 50-jährigen Frauen gaben ihren Geburtsnamen auf, aber nur 74 Prozent der unter 29-jährigen. Nach Bildung sieht es ähnlich aus: 85 Prozent der Frauen mit High-School-Abschluss, aber nur 76 Prozent der College-Absolventinnen.

Frauen, die den Nachnamen des Mannes annehmen

Anteil in Prozent nach Gruppe

Quelle: Pew Research Center 2023, ausgewertet von Lyman Stone für das Institute for Family Studies

Stones IFS-Kollege Brad Wilcox, Soziologe an der University of Virginia, kam in seinem Buch „Get Married“ und in einer YouGov-Umfrage von 2022 zu ähnlichen Ergebnissen: Gebildetere, säkularere und linksgerichtete Frauen teilen den Nachnamen mit ihrem Mann seltener. Insgesamt gehen die Studienautoren von rund 75 bis 80 Prozent Paaren mit gemeinsamem Namen aus, Pew selbst nennt 79 Prozent.

Bürokratie und das Gespräch über den Namen

Zwei Mechanismen hält Stone für einen echten, wenn auch bescheidenen kausalen Anteil. Der erste ist die Bürokratie: Eine Namensänderung bedeutet erheblichen Aufwand, und die Aussicht, den Namen bei einer Scheidung zurückändern zu müssen, könne Paare abschrecken.

„Bürokratische Hürden prägen die Scheidungsraten auf starke Weise. Einen gesetzlichen Namen zu ändern, ist ein riesiger Aufwand.“
Lyman Stone, Institute for Family Studies

Der zweite Kanal ist das Gespräch. Weil unterschiedliche Nachnamen heute verbreitet sind, werde die Namensfrage fast immer verhandelt – und dieses Gespräch über Familie und Geschlechterrollen könne eine Beziehung stärken. Der „State of Our Unions“-Survey von 2022 stützt das: Paare mit gemeinsamem Namen berichten demnach selbst nach Kontrolle demografischer Faktoren über eine etwas höhere Beziehungsqualität.

Gegen eine kausale Deutung spricht aus Stones Sicht die Zusammensetzung der Gruppe ohne gemeinsamen Namen. In ihr steckten reflektierte, emanzipierte Paare – aber auch überstürzt und unüberlegt Verheiratete, die schlicht „ihre Papiere nicht in Ordnung bringen wollten“. Auch liberale Frauen, die ihren Namen behalten, seien womöglich schneller bereit, sich von ungeeigneten Männern zu trennen.

New York Post, Schweden – und Stones Replik

Am 17. September 2026 berichtete die New York Post über die Scheidungszahlen. Auch in Schweden wurde die Analyse diskutiert: Im TV4-Format „Efter fem“ sagte die Soziologin Emma Engdahl von der Universität Göteborg, es gebe „keine Freikarten“ für eine lange glückliche Ehe – die Namenswahl spiegele vor allem die Haltung der Paare zur Ehe.

Schweden liefert zugleich einen Kontrast. Dort behalten beide Partner per Gesetz zunächst ihre Nachnamen. Der Anteil der Paare, die den Namen des Mannes als gemeinsamen Namen wählen, sank von knapp 85 Prozent im Jahr 1985 auf 54 Prozent im Jahr 2015. Deutschland trägt zur Datenlage nichts bei: Der WELT-Beitrag stützt sich auf US-Zahlen, belastbare deutsche Längsschnittdaten nennt er nicht.

Von der IFS-Analyse zum WELT-Beitrag

  1. 16. April 2026
    Analyse erscheint beim Institute for Family Studies

    Lyman Stone veröffentlicht „Can Sharing a Last Name Save Your Marriage? It Depends“ – ausgewertet werden die Pew-Umfrage von 2023 und die texanischen Scheidungsregister von 2016 und 2017.

  2. 17. September 2026
    New York Post greift die Zahlen auf

    Die Zeitung berichtet, dass Paare ohne gemeinsamen Nachnamen häufiger geschieden werden.

  3. 1. Oktober 2026
    Stone antwortet auf Kritik

    Auf seinem Substack behandelt Stone Einwände zur hispanischen Prägung Texas’ und zur Datenqualität der Register; in Schweden diskutiert TV4 die Studie in „Efter fem“.

  4. 4. Oktober 2026
    WELT greift das Thema auf

    Der Feuilletonredakteur Matthias Heine veröffentlicht den Artikel „Namen in der Ehe: Diese Wahl entscheidet schon ganz am Anfang, wie lange Ihre Ehe statistisch hält“.

Am 1. Oktober 2026 legte Stone auf seinem Substack-Portal eine ausführliche Antwort auf Kritik nach. Er behandelte den Einwand, der hispanisch geprägte Bundesstaat Texas verzerre das Bild, ebenso wie Zweifel an der Datenqualität der Scheidungsregister – handschriftlich ausgefüllte Formulare, Tippfehler. Selbst bei einer angenommenen Fehlerquote von 30 Prozent angeblicher „Nicht-Teiler“ blieben für nicht-hispanische Weiße 74 Prozent und für Schwarze 98 Prozent höhere Scheidungsraten.

Stones Fazit fällt scharf aus: Man solle einen Nachnamen mit dem Partner teilen, und wenn der Partner partout nicht teilen wolle, sei das „eine echte rote Flagge“. Ob die Namenswahl Ehen tatsächlich stabilisiert oder nur dokumentiert, wer ohnehin heiratet, klären die texanischen Register von 2016 und 2017 nicht.