Anträge auf Kriegsdienstverweigerung steigen 2026 auf 12.102
12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 – mehr als dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr. Die Behörde klagt über fehlgeleitete Anträge, Verteidigungsminister Pistorius hält am freiwilligen Wehrdienst fest.
12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung hat das zuständige Bundesamt BAFzA zwischen Januar und August 2026 gezählt – mehr als dreimal so viele wie im gesamten Jahr 2025. Den starken Anstieg der Verweigerungszahlen bestätigte die Behörde auf Anfrage mehrerer Redaktionen. Grundlage dafür ist ein Recht, das unabhängig von jeder Wehrpflicht gilt.
Hintergrund ist ein Gesetzeswechsel: Seit dem 1. Januar 2026 gilt das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Männer eines Jahrgangs müssen einen Fragebogen zur Wehrerfassung ausfüllen, Frauen können freiwillig mitmachen. Der Wehrdienst selbst bleibt freiwillig, die allgemeine Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt und steht weiter in Artikel 12a des Grundgesetzes.
Die Behörde warnt vor falschen Anträgen
Das Recht auf Kriegsdienstverweigerung garantiert Artikel 4 Absatz 3 des Grundgesetzes. Anträge stellen deshalb nicht nur Reservisten und aktive Soldaten, sondern trotz ausgesetzter Wehrpflicht auch Ungediente – Beratungsstellen melden wachsenden Zulauf.
Das BAFzA beobachtet zugleich eine hohe Zahl fehlgeleiteter Anträge. Sie enthielten nicht anerkennungsfähige Inhalte und müssten unbearbeitet zurückgesandt werden, sagt eine Sprecherin der Behörde. Als Ursache nennt sie Falschinformationen, die sich vor allem über soziale Netzwerke verbreiten.
Anträge steigen seit Jahren
Die Entwicklung ist kein Ausreißer eines Sommers. 2024 gingen beim BAFzA 2.249 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein, 2025 waren es 3.879. Schon die Halbjahresbilanz zum 30. Juni 2026 übertraf mit 5.862 Anträgen beide Vorjahre.
Anträge auf Kriegsdienstverweigerung beim BAFzA
2024 und 2025 umfassen das ganze Jahr, die Werte für 2026 sind Teiljahre.
Quelle: BAFzA, Stand Oktober 2026
Der Sprung auf 12.102 Anträge bis Ende August fällt damit in die Sommermonate. Zum Stichtag 31. August verzeichnete das BAFzA zudem rund 85.000 Erstberatungen, rund 53.100 Bewerbungen und rund 17.000 Einstellungen beim „Arbeitgeber Bundeswehr“ – während bis Juni nur 530 Einberufungen trotz hohen Interesses gezählt wurden.
Gemustert wird auch, wer nicht will
Seit Juli 2026 lädt die Bundeswehr nach Angaben des Verteidigungsministeriums auch 18-Jährige zur Musterung ein, die keinen Wehrdienst wollen. Die Musterung von 18-Jährigen ohne Wehrdienstinteresse trifft junge Männer, die im Fragebogen jedes Interesse an der Truppe verneint haben.
Von der ausgesetzten Wehrpflicht zur Verweigerungswelle
2011
Wehrpflicht ausgesetzt
Die allgemeine Wehrpflicht in Deutschland wird ausgesetzt, bleibt aber in Artikel 12a des Grundgesetzes verankert.
2024
2.249 Anträge im Jahr
Das BAFzA registriert im gesamten Jahr 2.249 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung.
2025
3.879 Anträge
Ein Jahr später steigt die Zahl auf 3.879 Anträge.
1. Januar 2026
Neuer Wehrdienst startet
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz tritt in Kraft: Männer eines Jahrgangs müssen einen Fragebogen ausfüllen, Frauen freiwillig. Der Wehrdienst bleibt freiwillig.
30. Juni 2026
Halbjahresbilanz
Bis Ende Juni meldet das BAFzA 5.862 Anträge – mehr als im gesamten Vorjahr.
25. September 2026
Schulstreik gegen die Wehrpflicht
Nach Organisatorenangaben beteiligen sich mehr als 45.000 Menschen an einem bundesweiten Schulstreik.
5./6. Oktober 2026
12.102 Anträge bis August
Das BAFzA meldet für Januar bis August 12.102 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung.
Widerstand auf der Straße
Der Unmut wird laut: Am 25. September beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren mehr als 45.000 Menschen an einem bundesweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht. Am 1. Oktober zählten die Veranstalter bis zu 40.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor, am 2. Oktober kamen zur DFG-VK-Kundgebung „Unzwingbar“ in Berlin nach Veranstalterangaben mehr als 20.000 überwiegend junge Teilnehmende.
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Pistorius hält am Freiwilligkeitsprinzip fest
Verteidigungsminister Boris Pistorius hält an der Freiwilligkeit des Wehrdienstes fest. Sein Satz richtet sich an alle, die eine Rückkehr der Wehrpflicht fürchten – an den Erfassungsbögen ändert das nichts.
„Der Wehrdienst ist und bleibt freiwillig.“
Boris Pistorius, Bundesverteidigungsminister
Für die Behörde bedeutet die Welle mehr Arbeit: Sie muss gültige Anträge bearbeiten und fehlgeleitete zurückschicken. Ob der Anstieg bis zum Jahresende anhält, ist offen – in den Zahlen bis August zeichnet sich kein Rückgang ab.