Deutsche Telekom übertrifft KI-Sparziel um 300 Millionen Euro
Bild: KI-generiert
Stellenabbau

Deutsche Telekom übertrifft KI-Sparziel um 300 Millionen Euro

Die Telekom hat ihr KI-Sparziel für 2027 um 300 Millionen Euro übertroffen. Zugleich soll auf drei ausscheidende Beschäftigte nur eine Neueinstellung kommen. Der Fachverband DPVKOM kritisiert die Pläne und warnt vor Arbeitsplatzabbau.

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Die Deutsche Telekom hat ihr selbst gestecktes KI-Sparziel für 2027 um 300 Millionen Euro übertroffen – und will zugleich die Belegschaft deutlich verkleinern. Konzernchef Tim Höttges verkündete die Zahlen am Montag, 5. Oktober 2026, auf dem KI-Analystentag in Bonn. Einen Tag später kritisierte Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der DPVKOM, die Pläne als geplanten Arbeitsplatzabbau.

Zum Auftakt zeigte Höttges ein KI-generiertes Video mit sich selbst als Hauptfigur; das Format im Kapitalmarktkalender der Telekom heißt offiziell „AI Investor Day“. In Bonn ging es um Milliardensummen – und um die Frage, wie viele Menschen der Konzern künftig dafür braucht. Anfang September hatte Höttges auf der Digitalmesse Digital X in Köln gesagt, er sei der größte KI-Optimist.

„Wir haben schon jetzt unser beim vergangenen Investorentag für 2027 angestrebtes Einsparungsziel durch KI und Automatisierung um 300 Millionen Euro übertroffen.“
Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom

Das Sparziel für 2027 ist bereits geschlagen

Vor rund drei Jahren hatte Höttges auf dem Investorentag 2023 angekündigt, bis 2027 durch KI 800 Millionen Euro einzusparen. Dieses Ziel ist nach seinen Worten übertroffen. „Heute sparen wir in Europa bereits 1,1 Milliarden Euro ein“, sagte er in Bonn. Wie der Konzern Wachstum, Effizienz und Qualität mit KI steigern will, hält er in einer Mitteilung fest.

Höttges beschreibt den Umbau als Neustart des gesamten Konzerns: „KI verändert die Telekom von Grund auf. Sie macht unsere Netze noch besser und intelligenter, unseren Service persönlicher und eröffnet neue Geschäftsmodelle.“ Deutschlandchef Rodrigo Diehl sagte in Bonn: „Wir sind gesund und können mit selbst gebauten Agenten Wert schöpfen.“

Von 800 Millionen bis 2,5 Milliarden Euro

  1. 2023
    Investorentag: 800 Millionen Euro bis 2027

    Tim Höttges kündigt an, durch KI und Automatisierung bis 2027 800 Millionen Euro einzusparen.

  2. Anfang September 2026
    „Ich bin der größte KI-Optimist“

    Auf der Digitalmesse Digital X in Köln bekennt sich Höttges zum KI-Kurs des Konzerns.

  3. 5. Oktober 2026
    AI Investor Day in Bonn

    Höttges eröffnet mit einem KI-generierten Video seiner selbst; Personalvorständin Birgit Bohle stellt die Belegschaftsstrategie vor.

  4. 5. Oktober 2026
    Einsparziel übertroffen

    Höttges meldet, das Sparziel für 2027 sei um 300 Millionen Euro übertroffen; in Europa spart die Telekom 1,1 Milliarden Euro.

  5. 6. Oktober 2026
    DPVKOM kritisiert die Pläne

    Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus nennt „Transformation“ eine Umschreibung von geplantem Arbeitsplatzabbau.

  6. 2027
    KI-Karriere Coach startet

    Der Coach soll allen Mitarbeitenden zur Verfügung stehen.

  7. 2030
    Zielmarke 2,5 Milliarden Euro

    So viel will die Telekom bei den indirekten Kosten sparen, dazu rund 800 Millionen Euro KI-Umsatz außerhalb der USA.

Auf drei Ausscheidende kommt eine Neueinstellung

Wesentlich heikler als die Sparzahlen ist der Blick auf die Belegschaft. Personalvorständin Birgit Bohle stellte ein Schaubild vor, nach dem auf etwa drei ausscheidende Mitarbeitende nur eine Neueinstellung kommt – die Belegschaft soll spürbar kleiner werden. Bohle sagte: „Wir beschleunigen die Transformation der Belegschaft, das wird selbstverständlich sozialverträglich gestaltet.“ In ihrer Präsentation betonte sie die „Employability“ der Beschäftigten.

Flankiert werden soll der Umbau durch Weiterbildung: 2027 soll ein „KI-Karriere Coach“ für alle Mitarbeitenden starten. Für die DPVKOM liegt genau hier der Streitpunkt – sie liest die Qualifizierung als Vorbereitung auf Jobs außerhalb des Konzerns.

Die DPVKOM nennt die Fortbildung zynisch

DPVKOM-Bundesvorsitzende Christina Dahlhaus kritisierte, dass die Weiterbildung auf Jobs außerhalb des Unternehmens zielt: „Aber dies schon als Fortbildungsauftrag außerhalb des Unternehmens zu beschreiben, empfinden viele Mitarbeiter als zynisch.“ Zugleich warnt die DPVKOM vor einer enormen Arbeitsverdichtung durch den KI-Einsatz. Die WirtschaftsWoche griff am 6. Oktober die Frage auf, ob die Mitarbeiter den KI-Agenten weichen müssen.

„Transformation ist für mich eine nette Umschreibung von geplantem Arbeitsplatzabbau in Bezug auf KI – auch wenn Sozialverträglichkeit gut und wichtig ist.“
Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der DPVKOM

Dahlhaus bezweifelt auch, dass die Beschäftigten vom KI-Kurs profitieren: „Von der Produktivitätssteigerung kommt nichts bei den Beschäftigten an.“ Der Streit um KI und Arbeitsplätze reicht über die Telekom hinaus – Barbara Schönebergers Warnung vor überflüssigen Menschen ist Teil derselben Debatte.

Bis 2030 sollen 2,5 Milliarden Euro weg

Der Konzern hat seine Finanzziele bis 2030 festgeschrieben: 2,5 Milliarden Euro Einsparungen bei den indirekten Kosten, dazu rund 800 Millionen Euro KI-Umsatz außerhalb der USA. Damit liegt das neue Ziel deutlich über den 800 Millionen Euro, die Höttges 2023 für 2027 angekündigt hatte.

Wie viele Stellen konkret wegfallen, blieb in Bonn offen. Das Verhältnis, das Bohle zeigte, bleibt: drei Ausscheidende, eine Neueinstellung. An den Zielen für 2027 und 2030 wird sich messen lassen, ob die versprochene Weiterbildung in Jobs innerhalb des Konzerns führt – oder ob die Beschäftigten den Sparrekord bezahlen.

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