Angela Merkel lockt 450 Fans zur Signierstunde im Bode-Museum
Die Schlange vor dem Berliner Bode-Museum reicht bis vor den Eingang: Angela Merkel gibt Autogramme auf Postkarten mit ihrem Porträt. Zwei Tage zuvor zeigt eine Umfrage, dass sie bei der Lösungskompetenz klar vor Kanzler Friedrich Merz liegt.
Rund 450 Tickets, und die Schlange reichte bis vor den Museumseingang: Angela Merkel (72) hat am Sonntag im Berliner Bode-Museum Kunstpostkarten mit dem Motiv ihres Kanzlerinnenporträts signiert. Zwei Tage zuvor hatte eine Umfrage gezeigt, dass die Altkanzlerin bei der Frage, wer die heutigen Probleme besser löst, klar vor dem amtierenden Kanzler Friedrich Merz liegt.
Für die Signierstunde gab es rund 450 Tickets, etwa 300 davon waren vorab buchbar und innerhalb von Stunden ausgebucht. Neben Merkel saß der Maler des Bildes, der 29-jährige Jérémie Queyras – der unbekannte Maler von Merkels Kanzlerinnenporträt. Das Gemälde zeigt Merkel stehend in leuchtend blauem Blazer vor goldbraunem Hintergrund. Sie ist die erste Kanzlerin, die sich stehend malen ließ; das Bild hat sie selbst bezahlt, es gehört ihr persönlich.
Auf den Postkarten ist genau dieses Motiv zu sehen. Die Schlange vor dem Museum wurde immer länger und reichte bis vor den Eingang. Für die Fans, die an diesem Sonntag warteten, ist Merkel keine Politikerin von gestern, sondern eine Vertraute – die Merkel-Mania im Berliner Bode-Museum. Besucher Karl brachte es in fünf Worten auf den Punkt:
„Naja, sie ist einfach Mutti.“
Karl, Besucher aus Berlin
Besucherzahlen fast verdoppelt
Der Andrang ist kein einmaliger Ausreißer. Seit der Enthüllung des Porträts am 30. Juni 2026 haben sich die Besucherzahlen des Bode-Museums fast verdoppelt; die Ausstellung wurde bis zum 3. Januar 2027 verlängert.
Merkel selbst hält sich mit politischen Ansagen zurück. Im Februar 2026 trat sie erstmals wieder bei einem CDU-Parteitag auf und wurde dort gefeiert. Seither halten sich Spekulationen, sie könne als Bundespräsidentin oder als Vermittlerin im Ukraine-Krieg gefragt sein. Bestätigt ist davon nichts.
Umfrage
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48 Prozent für Merkel, 8 Prozent für Merz
Zwei Tage vor der Signierstunde, am 2. Oktober 2026, befragte das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der dpa 2.072 Erwachsene. 48 Prozent halten Merkel für besser geeignet als Merz, die heutigen Probleme zu lösen. Nur 8 Prozent sehen Merkel schlechter, 29 Prozent beide gleichauf.
Wer löst die heutigen Probleme besser?
Befragung von 2.072 Erwachsenen zu Angela Merkel und Friedrich Merz
Quelle: YouGov im Auftrag der dpa, 2. Oktober 2026
Peter Matuschek, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Forsa, hält das nicht für pure Nostalgie: „Bei Merkel fällt das Urteil noch eindeutiger aus. Da mag natürlich auch ein bisschen Nostalgie im Spiel sein. Aber Merkel hatte eben auch in ihrer aktiven Zeit sehr, sehr hohe Zustimmungswerte.“ Was das für den amtierenden Kanzler heißt, hat der Merkur so zusammengefasst: Merkel hängt Merz bei der Kompetenz ab.
Eine Million verkaufte Bücher
Merkels Zuspruch reicht über Berlin hinaus. Ihre 736-seitige Autobiografie „Freiheit“ hat sich nach Verlagsangaben weltweit mehr als eine Million Mal verkauft. Bei einer Lesung im Historisch-Technischen Museum Peenemünde kamen rund 1.200 Menschen. Dort mahnte sie „Maß und Mitte“ an: „Maß und Mitte, das ist Basis und Voraussetzung für den Erfolg demokratischer Parteien.“
Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte sieht in dieser Haltung einen Grund für den anhaltenden Zulauf. In einer Zeit, in der die politische Debatte ständig in Aufruhr ist, sei Merkels Gelassenheit für ihre Anhänger eine Erleichterung:
„In Zeiten unserer Aufregungsdemokratie tut es gut, diese Merkel'sche Empörungsverweigerung mitzuerleben.“
Karl-Rudolf Korte, Politikwissenschaftler
Offen ist, ob Merkel bis zum Ende der verlängerten Ausstellung noch einmal Autogramme gibt und ob die Union auf die Umfragewerte reagiert.