Norwegens Königin Mette-Marit (53) bleibt ihrem Volk ein weiteres halbes Jahr fern. Ihr offizielles Programm ruht bis zum Sommer 2027 – das Königshaus hat die Verlängerung am 7. Oktober mitgeteilt.
Nach ihrer Lungentransplantation befinde sich die Königin „noch in der Rehabilitation“, heißt es in der Pressemitteilung des Hofes. Ein offizielles Programm werde es „zunächst erst nächsten Sommer“ geben. Aus den im Juli angekündigten sechs Monaten ohne Termine wird damit rund ein Jahr.
Die Verlängerung trifft ein Königshaus, das sich nach dem Tod von Harald V. ohnehin neu sortieren muss. Königin Sonja (89) soll wieder mehr Aufgaben übernehmen, Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22) kehrt im Februar zum Studium nach Australien zurück – und König Haakon VIII. regiert in seinem ersten Jahr ohne die Königin an seiner Seite.
Aus sechs Monaten werden zwölf
Mette-Marit war am 17. Juni 2026 am Universitätsklinikum Rikshospitalet in Oslo erfolgreich eine Spenderlunge transplantiert worden. Bereits 2018 war bei ihr eine chronische Lungenfibrose diagnostiziert worden, 2024 nahm sie die Behandlung wieder auf.
Zwölf Tage nach ihrer Listung erhielt sie das Organ – den Fall begleiten seither die Vorwürfe der Bevorzugung bei der Transplantation. Nach der Entlassung im Juli kündigte der Palast sechs Monate ohne offizielle Termine an, verbunden mit engmaschigen Kontrollen.
Der norwegische Rundfunk NRK meldet die auf Sommer 2027 verschobene Rückkehr der Königin; weitere medizinische Details nennt der Hof nicht. Für Marthe Gundersen von der Lungenpatienten-Organisation LHL ist das kein Warnsignal: Die Rehabilitation nach einer Transplantation sei lang, „und es ist völlig normal, dass man sich abschirmen und den Körper schrittweise aufbauen muss“.
Zwei Tage vor dem Ende der Hoftrauer
Die Mitteilung fällt auf den 7. Oktober, zwei Tage bevor am 9. Oktober die Hoftrauer um König Harald V. endet. Der König war am 28. August 2026 im Alter von 89 Jahren gestorben.
Mette-Marit fehlte zuletzt bei mehreren wichtigen Anlässen: Bei der Vereidigung König Haakons VIII. am 1. September sagte sie kurzfristig ab und wurde am Abend mit Komplikationen in die Klinik gefahren. Am 2. Oktober verpasste sie wegen einer Atemwegsinfektion die Eröffnung des 171. Storting.
Haakons Fahrt mit Mette-Marit in die Klinik am Tag seiner Vereidigung wurde zum Bild des Thronwechsels. Beim Storting stand Ingrid Alexandra an seiner Seite.
Von der Diagnose zur erzwungenen Pause
- 2018Diagnose Lungenfibrose
Bei Mette-Marit wird eine chronische Form der Lungenfibrose festgestellt.
- Dezember 2025Hof bestätigt Verschlechterung
Der Palast bestätigt eine deutliche Verschlechterung und den Beginn des Verfahrens zur Prüfung einer Lungentransplantation.
- 17. Juni 2026Transplantation in Oslo
Am Rikshospitalet wird ihr erfolgreich eine Spenderlunge transplantiert.
- Juli 2026Entlassung und sechs Monate Pause
Der Palast kündigt sechs Monate ohne offizielle Termine an.
- 1. September 2026Absage bei der Vereidigung
Mette-Marit sagt ihren Auftritt beim Amtsantritt ihres Mannes ab und kommt abends mit Komplikationen in die Klinik.
- 2. Oktober 2026Eröffnung des Storting verpasst
Wegen einer Atemwegsinfektion fehlt sie bei der Eröffnung des 171. Storting.
- Sommer 2027Frühestmögliche Rückkehr
Erst dann soll die Königin wieder ein offizielles Programm haben.
Sonja übernimmt, Ingrid Alexandra studiert
Königin Sonja (89) soll künftig wieder verstärkt offizielle Aufgaben für das Königshaus übernehmen. Kronprinzessin Ingrid Alexandra (22) priorisiert dagegen ihr Studium und kehrt im Februar 2027 nach Australien zurück – damit fehlt dem Hof die nächste Generation.
Der Hof begründet die fehlenden Staatsbesuche auch mit internen Prozessen nach dem Thronwechsel. Nach der Wiederaufnahme des Programms ohne größere Reisen im Herbst und Winter will die Königsfamilie erst schrittweise zu ihrem normalen Pensum zurück.
Das Königspaar erhält 2027 eine Apanage von 30,9 Millionen Kronen. 2026 waren es 16,2 Millionen.
Ein einsamer Start für Haakon
Für Königshaus-Expertin Caroline Vagle vom Magazin Se og Hør ist die lange Auszeit keine Überraschung. Sie verweist auf die Einschätzung des behandelnden Arztes nach der Entlassung im Sommer – und darauf, was das für Haakon bedeutet.
„Es wird ein einsamer Start ins Leben als König für Haakon, aber es ist eigentlich keine Überraschung. Schon als Mette-Marit im Sommer aus dem Krankenhaus entlassen wurde, sagte ihr Arzt, dass es in einem guten Verlauf oft etwa ein Jahr dauert, bis der Zustand in eine stabilere Phase übergeht.“
Christian Taube, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie, benennt das Risiko nüchtern: „In 50 Prozent der Fälle kommt es zu einer chronischen Abstoßungsreaktion. Das passiert innerhalb von zwei bis fünf Jahren nach einer Transplantation. Die Prognose ist schlechter als bei anderen Organen.“
Frühestmöglicher Zeitpunkt für eine Rückkehr bleibt der Sommer 2027. Ob der Hof daran festhält, entscheidet der Verlauf der Rehabilitation – und ob die chronische Abstoßung ausbleibt, die Taube zufolge bei jeder zweiten Transplantation auftritt.
