Nur 6,6 Millionen von 24,3 Millionen Haushalten nutzen Glasfaser
Bild: KI-generiert
Breitbandausbau

Nur 6,6 Millionen von 24,3 Millionen Haushalten nutzen Glasfaser

Von 24,3 Millionen Haushalten mit Glasfaser in der Straße buchen nur 6,6 Millionen den Anschluss. Verivox-Experte Schamberg sieht den Fehler im Marketing der Anbieter: Die werben mit Tempo statt mit Preisen.

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24,3 Millionen Haushalte in Deutschland haben Glasfaser in der Straße liegen, genutzt wird sie aber nur von 6,6 Millionen. Nicht einmal jeder dritte Anschluss ist aktiv – die Leitungen liegen buchstäblich brach.

Für die Netzbetreiber wird das zum Problem: Sie legen Glasfaser bis in die Straße, doch viele Haushalte buchen die Anschlüsse nicht. Die Analyse zur Glasfaser-Falle in Deutschland führt das auch auf das Marketing der Branche zurück.

Preis schlägt Geschwindigkeit

Die Verivox-Umfrage zu den Wechselgründen zeigt, was Kunden wirklich bewegt: 65 Prozent der DSL- und Kabelkunden nennen einen günstigen Preis als wichtigsten Grund für einen Wechsel. Höhere Geschwindigkeit und eine stabilere Verbindung folgen mit jeweils 52 Prozent.

Die Wechselbereitschaft ist groß: 48 Prozent der DSL- und Kabelkunden würden laut Verivox gerne umsteigen, 20 Prozent lehnen einen Wechsel ab, 32 Prozent sind unschlüssig. Fast die Hälfte der Kunden wäre also offen für einen neuen Anbieter.

Das ist DSL- und Kabelkunden beim Wechsel am wichtigsten

Quelle: Verivox-Umfrage, 2026

Die Branche wirbt am Kunden vorbei

Für Verivox-Telekommunikationsexperte Jörg Schamberg liegt das Problem bei den Anbietern selbst. Sie setzen in ihrer Werbung auf hohe Übertragungsraten und technische Stabilität – Argumente, die viele Kunden offenbar nicht überzeugen.

„Die Anbieter werben in erster Linie mit hohem Speed, teilweise auch mit der Stabilität der Technik. Dabei können sie auch mit guten Preisen punkten: Unsere Analysen zeigen, dass Glasfaser-Internet für Neukunden bei besserer Leistung oft heute schon günstiger ist als DSL.“
Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox

Wie viel Potenzial ungenutzt bleibt, zeigen die bereits gebauten Anschlüsse: 22 Prozent der Haushalte mit Glasfaser im Haus nutzen den Anschluss nicht. 2024 waren es noch 32 Prozent – die Lücke sinkt, bleibt aber groß.

DSL hält trotz Brüsseler Vorgabe

DSL dominiert weiter: 94 Prozent der Haushalte können einen DSL-Anschluss bekommen, 63 Prozent Kabel und 49 Prozent Glasfaser. In 8 Prozent der Gemeinden ist DSL sogar die einzige stationäre Technologie.

Verfügbarkeit stationärer Internet-Technologien in Deutschland

Quelle: Verivox, 2026

Auch bei den Neukunden hält sich DSL: 59 Prozent der Internet-Neukunden bei Verivox buchten zuletzt einen DSL-Tarif. Der Anteil der Haushalte mit DSL sinkt nur langsam – 2021 lag er bei 55 Prozent, im März 2026 bei 49 Prozent. Schamberg zufolge reicht vielen ein Anschluss mit 100 Megabit pro Sekunde; wer einen solchen habe, verspüre „meist keinen Druck“, auf Glasfaser zu wechseln.

Wann schließt sich die Lücke?

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger verweist auf die gemeinsame Anstrengung von Staat und Wirtschaft. Man arbeite eng zusammen, „um mit Glasfaser und Mobilfunk überall im Land sicherzustellen, dass die Daten schneller fließen“, und schaffe damit „die Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand“. Zuletzt erreichte die gigabitfähige Versorgung rund 42,9 Prozent der Haushalte.

Bis 2035 soll DSL EU-weit vollständig durch Glasfaser ersetzt werden; Deutschland will das schrittweise und regional schaffen. Ob sich die Lücke bis dahin schließt, hängt an einer Frage, die die Branche bisher nicht beantwortet: Wollen die Kunden mehr Tempo – oder vor allem einen niedrigeren Preis?

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