Wirtschaftsministerium löst Referat für Wind- und Solarindustrie auf
Das Bundeswirtschaftsministerium hat sein Referat für Wind-, Solar- und Transformationsindustrien zum 2. Oktober 2026 aufgelöst. Verbände und Grüne werfen Ministerin Reiche vor, die Erneuerbaren bewusst zu schwächen.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat sein Referat für Wind-, Solar- und Transformationsindustrien zum 2. Oktober 2026 aufgelöst. Die Aufgaben des Referats IVD5 verteilt das Haus jetzt auf zwei andere Einheiten. Verbände und Opposition sehen darin den Versuch, die Erneuerbaren zu schwächen.
Betroffen ist das Referat IVD5. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehörten die Ansiedlung und Förderung von Photovoltaik- und Windenergieunternehmen, die Verwaltung von Förderprogrammen sowie die Resilienz von Lieferketten und kritischen Komponenten. Diese Aufgaben übernehmen nun das Referat IVD4 und das Referat IVC1.
Die Aufgaben gehen an zwei andere Referate
Das Referat IVD4 „Energieintensive Industrien, Strompreiskompensation“ und das Referat IVC1 „Investitions- und Konsumgüterindustrien, Stahl- und Metallerzeugung, Investitionsprüfungen“ übernehmen künftig die Themen des aufgelösten Referats IVD5.
Noch im Mai 2026 hatte das Ministerium das Feld in einer eigenen Veröffentlichung als „Referat IVD5 – Wind-, Solar- und Transformationsindustrien“ geführt. Damals reichte der Zuständigkeitskatalog von der Stromerzeugung über Wasserstoff, Energiespeicherung, Wärme und Kälte bis zu CCS sowie Förderinstrumenten wie KfW-Avale.
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Verbände sehen 436.000 Jobs in Gefahr
Der Bundesverband Erneuerbare Energie, der Bundesverband WindEnergie und der Bundesverband Solarwirtschaft haben am 7. Oktober ihre gemeinsame Stellungnahme zur Referatsauflösung veröffentlicht. Darin verweisen sie auf mehr als 436.000 Beschäftigte in der Erneuerbaren-Branche und warnen vor Jobverlusten und Gefahren für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts.
Die Verbände fürchten, dass die Auflösung Investitionen ausbremst. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser verweist auf die seit Monaten laufende Debatte um das Erneuerbare-Energien-Gesetz und das Netzanschlusspaket, die die gesamte Branche verunsichere.
„Die Auflösung des Referats kommt zur absoluten Unzeit. Die andauernde Diskussion um EEG und Netzanschlusspaket bringt schon seit Monaten starke Verunsicherung in die gesamte Branche und blockiert Investitionen.“
Ursula Heinen-Esser, Präsidentin Bundesverband Erneuerbare Energie
Kellner wirft Reiche Schwächung vor
Auch die Opposition rechnet mit dem Haus ab. Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, wertet die Auflösung als Teil einer Reihe von Entscheidungen gegen die Erneuerbaren.
„Katherina Reiche lässt wirklich keine Gelegenheit aus, die erneuerbaren Energien zu schwächen.“
Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen
Kellner steht damit nicht allein: Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands WindEnergie, wirft dem Haus vor, die Erzeugung und die Herstellerindustrie der Erneuerbaren absichtlich schwächen zu wollen. Im ersten Halbjahr 2026 deckten Erneuerbare bereits 58 Prozent des Stromverbrauchs – parallel plant die Koalition das Streichen der Solar-Vergütung.
Die Streichung blieb zunächst unbemerkt
Das Ministerium hat die Auflösung nicht aktiv kommuniziert. Bekannt wurde sie am 7. Oktober durch eine Recherche von Table.Briefings, bestätigt wurde sie auf Anfrage. Am 8. Oktober griffen weitere Redaktionen den Vorgang auf. Ob die Verbände mit ihrer Kritik im Haus noch Gehör finden, ist offen – die Aufgaben liegen jetzt bei zwei Referaten, die sich bislang um energieintensive Industrien, Stahl und Metallerzeugung kümmerten.