Ingrid van Bergen enterbt Tochter und Enkel, Mitgefangene erbt alles
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Testament

Ingrid van Bergen enterbt Tochter und Enkel, Mitgefangene erbt alles

Ingrid van Bergen hat ihre Tochter und ihre Enkel enterbt – und ihr Vermögen einer Frau vermacht, die sie 1977 im Gefängnis kennengelernt hat. Der letzte Wille der Dschungelkönigin von 2009 wurde jetzt am Amtsgericht Winsen (Luhe) eröffnet.

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Die Tochter und die Enkel gehen leer aus, eine frühere Mitgefangene erbt alles: Ingrid van Bergen (94) hat kurz nach ihrem Sieg im Dschungelcamp ihre Familie enterbt – jetzt ist ihr letzter Wille amtlich.

Am Mittwoch, dem 23. September 2026, eröffnete das Amtsgericht Winsen (Luhe) in Niedersachsen das Testament der Schauspielerin und Synchronsprecherin. Van Bergen war am 28. November 2025 im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus im nahe gelegenen Eyendorf gestorben. Zuerst hatte Bild über die Enterbung berichtet, am selben Tag meldete die Landeszeitung die Testamentseröffnung in Winsen.

Wer erbt – und wer leer ausgeht

Der Kern des Testaments ist ein radikaler Schnitt durch die eigene Familie. Van Bergen enterbte ihre Tochter Andrea (68) und deren Kinder. Handschriftlich notierte sie: „Meine Tochter Andrea, die sich seit Jahrzehnten nicht um mich kümmert und auch die Enkel enterbe ich.“ Verfasst hat sie das Dokument am 29. Dezember 2009, wenige Monate nach ihrem Triumph im RTL-Dschungelcamp – geändert hat sie es bis zu ihrem Tod nicht mehr.

Erbin wird stattdessen Sieglinde „Linda“ Schnitzler (82), eine ehemalige Taxifahrerin aus München. Sie hatte van Bergen 1977 im Frauengefängnis Aichach kennengelernt und war vor rund fünf Jahren zu ihr nach Eyendorf gezogen, um die zuletzt erblindete Schauspielerin zu pflegen.

„Im Falle meines Todes oder Verlustes meiner geistigen Kräfte durch Unfall oder Krankheit verfüge ich, dass mein Eigentumsanteil am Anwesen in Eyendorf in den Besitz von Sieglinde Schnitzler in München übergeht. Ebenso alles bewegliche und unbewegliche Inventar sowie meine Tiere.“
Ingrid van Bergen, Schauspielerin und Dschungelkönigin von 2009

Eine Freundschaft aus dem Gefängnis

Beide Frauen saßen in den 1970er-Jahren in Aichach ein. Schnitzler verbüßte eine Strafe, weil sie aus Eifersucht die Geliebte ihrer damaligen Partnerin erschossen hatte; van Bergen war 1977 wegen Totschlags an ihrem Verlobten Klaus Knaths zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. 1981 kamen beide frei.

Danach half Schnitzler der hoch verschuldeten Schauspielerin, eine sechsstellige Schadensersatzsumme an die Angehörigen von Klaus Knaths abzuzahlen. Warum sie das tat, beantwortete sie mit einem Satz: „Aber für mich selbstverständlich. Ingrid war meine liebste Freundin und sie hat nach der Haft lange kein Filmangebot bekommen.“

Von der Haft in Aichach bis zur Testamentseröffnung

  1. 3. Februar 1977
    Van Bergen erschießt ihren Verlobten

    In München tötet Ingrid van Bergen aus Eifersucht Klaus Knaths.

  2. 27. Juli 1977
    Sieben Jahre Haft, Begegnung in Aichach

    Das Gericht verurteilt van Bergen wegen Totschlags. Im Frauengefängnis Aichach lernt sie Sieglinde Schnitzler kennen.

  3. 1981
    Beide Frauen kommen frei

    Schnitzler hilft van Bergen danach, eine sechsstellige Schadensersatzsumme an die Angehörigen von Klaus Knaths abzuzahlen.

  4. 1990
    Tochter Carolin stirbt

    Van Bergens jüngere Tochter Carolin stirbt im Alter von 26 Jahren an einer Herzinsuffizienz.

  5. 29. Dezember 2009
    Handschriftliches Testament

    Wenige Monate nach ihrem Sieg im Dschungelcamp enterbt van Bergen Tochter Andrea und die Enkel und setzt Schnitzler als Erbin ein.

  6. 28. November 2025
    Van Bergen stirbt in Eyendorf

    Sie stirbt im Alter von 94 Jahren in ihrem Haus.

  7. 23. September 2026
    Das Testament wird eröffnet

    Das Amtsgericht Winsen (Luhe) eröffnet den letzten Willen.

Haus, Inventar und ein betagter Mops

Zum Nachlass gehört van Bergens Eigentumsanteil am Anwesen in Eyendorf, dessen Wert auf rund 450.000 Euro geschätzt wird, dazu alles bewegliche und unbewegliche Inventar sowie ihre Tiere – darunter der betagte Mops Rocky, für den die Erbin ausdrücklich sorgen soll. Schnitzler gehörte die andere Hälfte des Hauses bereits; sie lebt laut Bericht von 240 Euro Rente im Monat.

Die Nachricht von der Alleinerbschaft traf Schnitzler nach eigener Aussage nicht als Erleichterung, sondern als Erinnerung an den Verlust. Über ihre Freundin sagt sie:

„Mir wäre lieber, meine Ingrid wäre noch da. Ich habe ihren Tod nicht verwunden, sie fehlt mir jeden Tag.“
Sieglinde „Linda“ Schnitzler, Alleinerbin und langjährige Vertraute

Die Enterbung ist nicht absolut

Rechtlich ist die Enterbung nicht das letzte Wort: Andrea kann ihren Pflichtteil geltend machen, die Hälfte des Erbes. Der Ausschluss aus dem Testament ist damit vor allem eine symbolische und persönliche Abrechnung.

Mit der Mutter hatte Andrea ohnehin wenig Zeit: Als van Bergen 1977 verurteilt wurde und bis 1981 in Aichach einsaß, war die Tochter 19. Ihre jüngere Schwester Carolin starb 1990 mit 26 Jahren an einer Herzinsuffizienz. Van Bergen selbst hatte erklärt, es gebe ohnehin nichts zu vererben – ob Andrea den Pflichtteil fordert, ist offen.

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