Matthias Reim: Bruder half mit 500.000 Euro – Insolvenz endete im Vergleich
Matthias Reim war nach eigener Aussage „komplett pleite“ – weil er seinem damaligen Manager eine Generalvollmacht gab. Sein Bruder Christoph kaufte ihn 2010 mit 500.000 Euro bei den Banken frei; heute unterschreibt Reim nichts mehr ohne ihn.
Matthias Reim (68) war „komplett pleite“. Sein Bruder Christoph half ihm nach Reims Darstellung mit 500.000 Euro, um ihn bei den Banken herauszukaufen. Wie es so weit kommen konnte, erzählt Reim in der SWR4-Talkshow „Assenheimers Promitalk“: Ein Manager, dem er eine Generalvollmacht ausgestellt hatte, habe sein Vermögen verspekuliert. Reim meldete 2006 Privatinsolvenz an; das Verfahren endete 2010 mit einem Vergleich.
Die Episode heißt „Matthias Reim: Vom Millionenrausch in die Pleite und zurück“ und dauert 43:24 Minuten; verantwortlich sind Jörg Assenheimer und Julia Schönleber. Veröffentlicht wurde sie am 25. September 2026, ausgestrahlt am Sonntag, 27. September 2026, um 10 Uhr auf SWR4. Ausführlich erzählt Reim das in dem SWR4-Interview über Aufstieg, Pleite und Rückkehr. Dort sagt er: „Ich war komplett pleite. Ich wusste gar nicht, wo die Pleite herkam, weil ich habe mich ja um nichts gekümmert.“
Vertrauen in einen Manager, der verspekulierte
Seit 1990 besaß Reims damaliger Manager Alfred Reimann eine Generalvollmacht über dessen Vermögen. Er sollte das Geld gewinnbringend anlegen, doch viele Geschäfte warfen nicht den erwarteten Gewinn ab: In Reims Namen kaufte Reimann wertlose Immobilien in Ostdeutschland, dazu eine Imbissbude, eine Dachdeckerfirma, einen Autohandel und eine Computerkette.
Reim warf Reimann vor, ihn mit spekulativen Immobiliengeschäften in die Schuldenkrise gestürzt zu haben. Erst 2001 setzte er sich mit seinem Steuerberater und dem Manager zusammen, erfuhr das Ausmaß und schmiss den Manager raus. Reim sagt: „Mein damaliger Manager verwaltete alles für mich. Ich habe ihm dummerweise vertraut.“
Umfrage
Lädt
Vom Chartstürmer zum Gerichtsvollzieher
1990 schrieb Reim Musikgeschichte: Seine erste Single „Von fremden Sternen“ verkaufte sich nur rund 800-mal, doch „Verdammt, ich lieb’ dich“ erreichte am 18. Mai 1990 Platz eins der deutschen Charts. Dort hielt sich der Song 16 Wochen, bis zum 6. September 1990 – länger als jedes andere Lied zwischen 1971 und 2017. Die Single verkaufte sich 2,5 Millionen Mal, das Debütalbum „Reim“ wurde in Deutschland und der Schweiz mit Dreifachplatin ausgezeichnet.
Der Erfolg brachte Geld, und Reim verlor die Bodenhaftung: Er kaufte Autos, eine Yacht in Florida und ein Haus in Kanada, machte den Flugschein. „Ich hab’s krachen lassen – und jeden Scheiß gemacht, den man machen konnte“, sagt er heute. Der Absturz folgte Jahre später: Bei einem Konzert in Dresden standen nur zwölf Zuschauer vor der Bühne – gerechnet hatte Reim mit 13.000.
„Das war das Ende eines Irrwegs“, sagt Reim. 2006 bestritt er die Privatinsolvenz, 2007 sang er im Werbespot der Autovermietung Sixt: „Verdammt, ich hab nichts, ich miet bei Sixt.“ Nach Auftritten wurde er teils im Backstagebereich vom Gerichtsvollzieher erwartet, Gagen wurden gepfändet. Reim sagt: „Ich habe mich geschämt.“
Von der Chartspitze in die Privatinsolvenz
18. Mai 1990
„Verdammt, ich lieb’ dich“ stürmt Platz eins
Der Song bleibt 16 Wochen auf Platz eins, bis zum 6. September 1990; die Single verkauft sich 2,5 Millionen Mal.
ab 1990
Generalvollmacht für den Manager
Alfred Reimann erhält Vollmacht über Reims Vermögen und investiert in Immobilien und Firmen.
2001
Reim erfährt das Ausmaß der Schulden
Nach einem Gespräch mit Steuerberater und Manager entlässt Reim seinen Manager.
2006
Privatinsolvenz und zwölf Zuschauer in Dresden
Reim bestreitet die Privatinsolvenz; Tiefpunkt ist ein Konzert vor zwölf statt 13.000 Zuschauern.
Anfang 2010
Bruder Christoph kauft Reim frei
Mit 500.000 Euro löst Christoph Reim bei den Banken aus.
April 2010
Offiziell schuldenfrei
Ein verkürztes Insolvenzverfahren bzw. ein Vergleich mit den Banken beendet Reims Schuldenzeit.
25. September 2026
SWR veröffentlicht das Interview
Die Episode „Matthias Reim: Vom Millionenrausch in die Pleite und zurück“ läuft am 27. September 2026 um 10 Uhr auf SWR4.
Wie hoch war der Schuldenberg wirklich?
Über die exakte Höhe des Schuldenbergs gibt es unterschiedliche Angaben. Reim selbst nannte 2011 im Süddeutsche-Interview über seine 13 Millionen Euro Schulden diese Summe. Im Spiegel-TV-Interview 2023 sprach er von 20 Millionen D-Mark, ein Insolvenz-Fachanwalt nannte 6,5 Millionen Euro, in der Boulevardpresse war von bis zu 22 Millionen Euro die Rede.
„Ich hatte tatsächlich 13 Millionen Euro Schulden.“
Matthias Reim, Schlagersänger
Der Bruder kauft ihn frei
2010 kam Reim sein Bruder Christoph „wie ein rettender Engel“ zu Hilfe: Der Banker bürgte und kaufte ihn mit 500.000 Euro bei den Banken frei. Reim sagt: „Mein Bruder hat mich ja rausgekauft (mit 500 000 Euro, Anm. d. Red.). Der ist recht wohlhabend, sehr sparsam.“ Das Insolvenzverfahren endete mit einem Vergleich: Dreieinhalb Jahre lang bekam die Bank jeden Cent, den Reim verdiente; seit April 2010 ist er offiziell schuldenfrei.
„Bis heute ist mir die Pleite eine nachhaltige Lehre. Wenn es um Geldfragen geht, vertraue ich nur noch meinem Bruder.“
Matthias Reim, Schlagersänger
Heute unterschreibt Reim gar nichts mehr und lässt jede Investition vorab von seinem Bruder prüfen – selbst vom Kauf eines Quads riet ihm Christoph ab: „Das ist doch ein Rentnergefährt.“ Reim lebt mit Ehefrau Christin Stark in Stockach am Bodensee, wird im November 2027 siebzig, und sein Vermögen wird auf rund 5,4 Millionen Euro geschätzt. Aus seinem Besitz ist zuletzt einiges verschwunden: Nach 13 Jahren ist sein Boot verkauft. Offen bleibt, ob Reim je wieder ohne seinen Bruder über Geld entscheidet.