Burnham bestätigt erstmals russische Einmischung ins Brexit-Votum
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Großbritannien

Burnham bestätigt erstmals russische Einmischung ins Brexit-Votum

Als erster amtierender britischer Premierminister sagt Andy Burnham, Russland habe sich 2016 in das Brexit-Referendum eingemischt. Belege, Quelle und Ausmaß nennt er nicht – Moskau bestreitet, Brexit-Hardliner sprechen von einem Angriff auf die Legitimität des Votums.

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In einem Gespräch für den Politikpodcast „The Rest Is Politics“, dessen Folge am 12. Oktober erscheinen soll, stellte Andy Burnham eine Frage, die vor ihm kein britischer Regierungschef öffentlich gestellt hatte – und erhielt eine eindeutige Antwort. Russland habe sich in das Brexit-Referendum 2016 eingemischt, sagte der Premier. Es wäre die erste Bestätigung durch einen amtierenden britischen Premier.

Burnham ließ offen, von welcher Stelle er diese Einschätzung erhalten hat. Er nannte weder Belege noch Art und Ausmaß der Einmischung. Auch die Frage, ob die Einmischung das Ergebnis vom 23. Juni 2016 beeinflusst hat, beantwortete er nicht. Akten, Bericht oder benannte Quelle legte er nicht vor.

Burnham richtete den Blick zugleich auf Deutschland und Frankreich. Ein Teil der dortigen Politik werde „von unseren Feinden, nämlich Russland, initiiert“, warnte er und verwies auf Desinformation aus Russland, die in die deutsche Politik einwirke. Nach seinem Berlin-Besuch am 8. Oktober sagte er, Bundeskanzler Friedrich Merz habe ihm gegenüber die AfD als „clearly linked to Russia – funded“ bezeichnet.

Die klare Antwort aus Downing Street

„Ich habe die Frage gestellt, als ich in die Downing Street kam: Gab es 2016 eine Einmischung aus Russland ins Referendum? Ich habe die klare Antwort erhalten: Ja, die gab es.“
Andy Burnham, britischer Premierminister

Bisher hatte die britische Regierung erklärt, es gebe keine Belege für eine erfolgreiche Einmischung. Die erste Bestätigung russischer Einmischung durch einen Premierminister widerspricht dieser Linie – und liefert denen Munition, die eine Aufarbeitung des Votums fordern.

Burnham trägt diese Linie seit Monaten vor. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im September sprach er von einem Informationskrieg Russlands und kündigte ein neues Zentrum gegen Desinformation an. Burnham führt Labour seit dem Sommer: wie Burnham Labour aus der Krise führen soll, entschied sich im Juli 2026, als er Keir Starmer als Premier ablöste.

Zehn Jahre zwischen Votum und Bestätigung

Vom Referendum zur Bestätigung

  1. 23. Juni 2016
    51,9 Prozent stimmen für den Austritt

    Beim Brexit-Referendum votieren 51,9 Prozent für den EU-Austritt, 48,1 Prozent für den Verbleib. Rund 33,6 Millionen Wähler beteiligen sich.

  2. 24. Juni 2016
    Putin bestreitet jede Einmischung

    Russlands Präsident Wladimir Putin erklärt, sein Land habe sich nicht in den Abstimmungsprozess eingemischt und das Ergebnis nicht beeinflussen wollen.

  3. 2018
    Bericht über Treffen von Leave.EU-Vertretern

    Der „Observer“ berichtet über mehrere Treffen von Spitzenvertretern von Leave.EU mit hochrangigen russischen Funktionären zwischen 2015 und 2017.

  4. Juli 2020
    Ausschuss rügt fehlende Untersuchung

    Der Geheimdienst- und Sicherheitsausschuss des Parlaments kritisiert in seinem Russland-Bericht, mögliche Einflussnahme auf das Referendum sei nicht ausreichend untersucht worden. Die Regierung lehnt eine nachträgliche Bewertung ab.

  5. Juli 2026
    Burnham wird Premierminister

    Andy Burnham löst Keir Starmer an der Spitze der britischen Regierung ab.

  6. 8. Oktober 2026
    Berlin-Besuch bei Merz

    Burnham trifft Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin und spricht über die Bedrohung durch die AfD.

  7. 11. Oktober 2026
    Aussagen werden öffentlich

    Burnhams Sätze aus dem Podcast „The Rest Is Politics“ werden publik. Die Episode soll am 12. Oktober erscheinen.

Schon 2019 hatte die National Crime Agency keine Belege für Straftaten im Zusammenhang mit der Finanzierung von Leave.EU gefunden. Eine unabhängige Bewertung, ob russische Einflussnahme das Ergebnis verschoben hat, gibt es bis heute nicht – die Chronik der russischen Einmischung ins Brexit-Votum endet bei der Feststellung der Einmischung selbst.

Widerspruch aus Moskau und aus der Brexit-Kampagne

Moskau hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Präsident Wladimir Putin erklärte bereits am 24. Juni 2016, Russland habe sich weder am Abstimmungsprozess beteiligt noch das Ergebnis beeinflussen wollen. Botschafter Andrei Kelin wies die Vorwürfe 2020 erneut zurück. Zu Burnhams neuen Aussagen lag zunächst keine Stellungnahme der russischen Botschaft vor.

Widerspruch kommt auch aus dem eigenen Land. Die pro-Brexit-Kampagnengruppe „Britain Unbound“ nannte Burnhams Äußerungen einen „crude attempt to undermine the legitimacy of the decision that the British people made in 2016“ – den Versuch, die Legitimität der Entscheidung der Briten von 2016 zu untergraben.

Burnham selbst sieht die Aufarbeitung als Bringschuld des Staates. Man sei bei diesem Thema zu lange in der Defensive gewesen und habe die Bevölkerung nicht ausreichend darüber informiert, in welchem Umfang von außen versucht werde, politische Verfahren zu stören, sagte er.

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Bis zur Veröffentlichung der Podcast-Episode

Burnham hat die Einmischung bestätigt, ihre Wirkung aber nicht bewertet. Ob sie das Ergebnis vom 23. Juni 2016 verschoben hat, ob es neue Ermittlungen gibt und ob London belastbares Material nachliefert, bleibt offen. Auch eine Stellungnahme der russischen Botschaft steht noch aus.

Die Episode des Podcasts „The Rest Is Politics“ soll am 12. Oktober erscheinen. Burnham hat die Einmischung bestätigt, ihre Wirkung aber nicht bewertet. Ob sie das Ergebnis vom 23. Juni 2016 verschoben hat, ob es neue Ermittlungen gibt und ob London belastbares Material nachliefert, bleibt offen. Auch eine Stellungnahme der russischen Botschaft steht noch aus.