69-Jähriger überlebt 20 Stunden in der Nordsee auf seinem Surfbrett
Rettungskräfte suchten mit Kreuzer, Zollboot und zwei Hubschraubern, um 1:45 Uhr brach die Leitstelle die Suche ab. Am Freitagmorgen meldet sich der 69-Jährige aus Borkum selbst: Er hat die Nacht an sein Surfbrett geklammert überstanden.
Ein 69-Jähriger ist am Donnerstag, 8. Oktober, gegen 11:30 Uhr nahe dem Nordsee-Aquarium an der Bürgermeister-Kieviet-Promenade mit Surfbrett und Segel auf die Nordsee gegangen. Fahrrad und Fahrradanhänger blieben am Strand von Borkum zurück.
Zur Mittagszeit sah eine Bekannte ihn letztmals im Wasser. Gegen 14:16 Uhr alarmierte sie die Rettungskräfte, nachdem sie Kleidung und Surfausrüstung des Mannes am Strand gefunden hatte. Die Freiwillige Feuerwehr Borkum rückte aus.
An der Suche beteiligten sich der Seenotrettungskreuzer Hamburg der DGzRS, das Zollboot Nesserland, der Rettungshubschrauber Christoph 26 aus Sanderbusch, die Inselfeuerwehr, die DLRG und die Polizei Borkum. Sie suchten die Strandabschnitte zwischen Hooge Hörn und der Südspitze Schwarzer Deich ab.
Gegen 21:40 Uhr meldete der Lotsentender Borkum die Sichtung eines roten Segels nordwestlich der Insel. Nach Polizeiangaben wurde das Segel gegen 22:15 Uhr an der Seehundsbank am Südstrand gefunden. Die Rettungsleitstelle MRCC Bremen nahm die Suche in der Nacht erneut auf.
Beteiligt waren nun zusätzlich das niederländische Seenotrettungsboot Jan en Titia Visser von der Station Eemshaven, ein niederländischer SAR-Hubschrauber und später ein deutscher Polizeihubschrauber.
Die Bedingungen waren hart: Nordwestwind bis 6 Beaufort, nach Angaben der Feuerwehr 6 bis 7 Beaufort und 3 bis 4 Meter hohe Wellen, Wind gegen Strom und etwa 16 Grad kaltes Wasser. Wie gefährlich kaltes Wasser ist, zeigen die 26 Badetoten eines einzigen Wochenendes. Um 1:45 Uhr brach MRCC Bremen die Suche ab; nach Polizeiangaben wurde sie gegen 2 Uhr wegen einsetzender Flut unterbrochen.
Vom Segel getrennt, ans Board geklammert
Nach Problemen mit der Ausrüstung trennte sich der Surfer frühzeitig von seinem Surfsegel, klammerte sich an das Board und trieb mit der Tide zunächst emsaufwärts. Er war damit genau in dem Seegebiet unterwegs, in dem die Retter ihn bei sechs Beaufort und Wind gegen Strom nicht mehr finden konnten.
Nach NDR-Angaben trieb er bis zum Offshore-Windpark Riffgat und vor Eemshaven in den Niederlanden – bevor die Strömung ihn wieder Richtung Borkum zurückschob. Rund 19 bis 20 Stunden sollte er so auf dem Wasser bleiben.
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Um 9 Uhr die Nachricht, mit der niemand mehr gerechnet hatte
Am Freitagmorgen gegen 9 Uhr informierte die ursprüngliche Melderin die Rettungskräfte, dass sich der Vermisste wohlbehalten bei Angehörigen auf Borkum befindet. Nach rund 19 bis 20 Stunden auf See war der Mann wieder an Land – und nach ersten Erkenntnissen unverletzt. Er lief mit seinem Surfbrett zu seinem Bruder in die Borkumer Innenstadt. Wie er sich nach Bericht des NDR über die Rettung an Land rettete, blieb zunächst offen.
Bei den Rettern, die ihre Suche um 1:45 Uhr abgebrochen hatten, saß der Schreck über die Nacht noch in den Knochen. Tilman Hellberg, Vormann des Seenotrettungskreuzers Hamburg, machte daraus keinen Hehl.
„Er hat großes Glück gehabt. Wir freuen uns sehr, dass dieser Einsatz ein glückliches Ende genommen hat.“
Tilman Hellberg, Vormann des Seenotrettungskreuzers Hamburg
Offen bleibt, wie der 69-Jährige die Nacht bei sechs Beaufort, Wind gegen Strom und bis zu vier Meter hohen Wellen ohne Verletzung überstand. Auch die Angaben zum Abbruch gehen auseinander: Die Rettungsleitstelle nennt 1:45 Uhr, die Polizei spricht von einer Unterbrechung gegen 2 Uhr wegen einsetzender Flut. Damit ist die Nacht auf See noch nicht in allen Einzelheiten geklärt.