Mehr als 100.000 Vorbestellungen und Platz eins der britischen Bestsellerliste: Die „Grüffelo-Oma“ verkauft sich schneller als jeder Band der Reihe zuvor. Ihr Zeichner Axel Scheffler will die Figuren trotzdem nicht dem Zeitgeist anpassen – woke ist der neue Grüffelo nicht.
Am 9. Oktober veröffentlichte der stern das Gespräch unter dem Titel „Der neue Grüffelo überrascht. Aber woke ist er immer noch nicht“. In dem Interview über den Erfolg des neuen Grüffelo geht es um das Monster, um die Bedeutung von „Gutmenschen“ – und um die Frage, ob sich die Reihe verändern muss.
„Es war ein bisschen abzusehen, aber die Zahlen sind schon crazy. Es gab ja auch schon mehr als 100.000 Vorbestellungen, viele Leute wollten die Katze im Sack kaufen.“
In Großbritannien erschien das Buch am 10. September, in Deutschland am 6. Oktober 2026. Wie aus dem Bericht der Augsburger Allgemeine zum neuen Band hervorgeht, hat „Die Grüffelo-Oma“ 38 Seiten, kostet 16 Euro und ist für Kinder ab vier Jahren gedacht; übersetzt wurde sie in 41 Sprachen.
Eine Oma mit Stock, aber ohne Brille
Am schwierigsten war für Scheffler das Aussehen der neuen Figur. „Die Herausforderung war, ein Grüffelo zu zeichnen, das alt und weiblich ist. Aber ich wollte sie auch nicht zu sehr vermenschlichen, deshalb kam zum Beispiel eine Brille nicht in Frage“, sagt der Illustrator – gezeichnet hat er die Oma mit Stock und ohne Brille.
Auch die Maus bekommt eine neue Rolle: Im dritten Band rettet sie sich als Scheherazade-Figur, indem sie Geschichten aus anderen Donaldson/Scheffler-Büchern erzählt und diese stets vor dem Ende abbricht.
Die erste Grüffelo-Figur, die lesen kann
Die Grüffelo-Oma ist die erste Figur der Reihe, die lesen und schreiben kann. Diese Botschaft ist bewusst gesetzt: Sie fällt in eine Zeit, in der die Lesekompetenz von Kindern sinkt.
Autorin Julia Donaldson begründet, warum sie überhaupt noch einmal in den dunklen Wald zurückkehrte. „Eine Fortsetzung zu schreiben ist immer eine Herausforderung. […] Erst die Tatsache, dass der National Literacy Trust, dessen Arbeit mich sehr beeindruckt, die beiden ersten Bücher für das Early-Words-Matter-Programm genutzt hat, spornte mich an, meine Idee wieder aus der Schublade zu ziehen“, sagt sie.
Rekordstart zwei Wochen vor dem deutschen Termin
In Großbritannien war „Gruffalo Granny“ bereits am 10. September 2026 erschienen, zwei Wochen vor dem deutschen Start, und brach als schnellstverkauftes Kinderbuch Rekorde. Auf der Insel stand sie auf Anhieb auf Platz eins.
Von 1999 bis zur Grüffelo-Oma
- 1999„Der Grüffelo“ erscheint
Julia Donaldson und Axel Scheffler veröffentlichen den ersten Band – er wird zum Weltbestseller.
- 2004„Das Grüffelokind“ folgt
Der zweite Band der Reihe kommt heraus.
- April 2025Dritter Band angekündigt
Nach über 20 Jahren kündigen Autorin und Illustrator eine Fortsetzung an.
- 6. Februar 2026Titel und Figur enthüllt
Scheffler stellt im Frankfurter Literaturhaus „Die Grüffelo-Oma“ und die neue Figur vor.
- 10. September 2026„Gruffalo Granny“ startet in Großbritannien
Der englische Band erscheint und bricht als schnellstverkauftes Kinderbuch Rekorde.
- 24. September 2026Deutscher Start
„Die Grüffelo-Oma“ erscheint bei Beltz & Gelberg, übersetzt in 41 Sprachen.
- 9. Oktober 2026Interview und Festivalauftritt
Der stern veröffentlicht das Gespräch; Scheffler stellt das Buch beim Frankfurt Kids Festival vor.
In Deutschland wurde der Band am 6. Oktober erstmals öffentlich gelesen: Axel Scheffler stellte ihn im Jungen Literaturhaus Frankfurt vor, moderiert von Benno Hennig von Lange. Drei Tage später folgte die Vorstellung beim Frankfurt Kids Festival in der Stadtbücherei Frankfurt.
Warum das gedruckte Bilderbuch bleiben soll
Scheffler macht im Interview keinen Hehl aus seinem Standpunkt. „Julia und ich sind Traditionalisten, wir wollen, dass Bilderbücher erhalten bleiben, darin gehen Bilder und Worte Hand in Hand und das ist wichtig für die Entwicklung von Kindern“, sagt er. Der Satz ist auch eine Antwort auf die sinkende Lesekompetenz, die die Autoren im neuen Band aufgreifen.
Dass es überhaupt einen dritten Band gibt, hält Scheffler selbst für eine kleine Sensation. „Sag niemals nie. Diese Lektion habe ich gelernt, nachdem ich jedes Mal, wenn ich gefragt wurde, nein zu der Möglichkeit einer neuen Reise in den dunklen Wald gesagt habe. Bis mich eines Tages ganz unerwartet ein neuer kluger und inspirierender Text von Julia erreichte“, sagt er.
Wie es nach dem dritten Band weitergeht, lässt Scheffler offen: „Sag niemals nie“, lautet seine Antwort auf die Frage nach einer weiteren Reise in den dunklen Wald. Sicher ist zunächst ein Termin – am 17. Oktober liest er in der Zentralbibliothek der Bücherhallen Hamburg, die Veranstaltung ist ausgebucht.
