Luftwaffe verlegt drei Tornados zur Nato-Atomübung nach Italien
Bild: KI-generiert
Abschreckung

Luftwaffe verlegt drei Tornados zur Nato-Atomübung nach Italien

Drei Tornados aus Büchel fliegen nach Aviano, wo am Dienstag die Nato-Atomwaffenübung Steadfast Noon beginnt. Die Linke im Europaparlament nennt das Manöver brandgefährlich, die Nato verweist auf Abschreckung.

Veröffentlicht
JUX auf Google folgen

Die Luftwaffe verlegt drei Tornados nach Aviano in Norditalien. Die Kampfjets gehören zum Taktischen Luftwaffengeschwader 33 auf dem Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz und sind der deutsche Beitrag zur Nato-Atomwaffenübung „Steadfast Noon“, die an diesem Dienstag beginnt.

Mit den drei Maschinen aus der Eifel beteiligt sich Deutschland an einem Manöver, das nach Nato-Angaben 17 Länder mit Gastgeber Italien bestreiten. Die Übung dauert rund eineinhalb Wochen.

Für die Linke im Europaparlament ist der Start in Aviano kein Routinevorgang. Ihre Abgeordnete Özlem Alev Demirel nennt das Manöver brandgefährlich und fordert eine Abkehr von Atomwaffen. Die Nato hält dagegen: Die Übung richte sich gegen kein bestimmtes Land.

Was in Aviano geprobt wird

Die Nato kündigte „Steadfast Noon“ am 8. Oktober an; die Übung beginnt am Dienstag, 13. Oktober. Geübt wird das Zusammenspiel der beteiligten Länder. Echte Atomwaffen kommen nach Angaben des Bündnisses nicht zum Einsatz.

Nassima Barrows, Chefin der Nato-Nuklearpolitik, sagt, die Übung solle zeigen, dass das Bündnis im Fall der Fälle zur Verteidigung des Bündnisgebiets bereit sei und über die nötigen Fähigkeiten verfüge.

Oberst David Bull ist im Nato-Kommando für Nuklearoperationen zuständig. Er beschreibt das Ziel der Übung so:

„Es gehe vor allem darum, das Zusammenspiel aller Beteiligten zu trainieren, um eine sichere, glaubwürdige und verlässliche nukleare Abschreckung aufrechtzuerhalten.“
David Bull, Oberst, Nato-Nuklearoperationen

Kritik aus dem Europaparlament

Widerspruch kommt aus dem Europaparlament. Die Linken-Abgeordnete Özlem Alev Demirel warnt vor den Folgen militärischer Manöver in der aktuellen Weltlage und erinnert an Fehleinschätzungen im Kalten Krieg, die die Welt mehrfach an den Rand des nuklearen Abgrunds gebracht hätten.

„Das Manöver sei in der aktuellen Weltlage brandgefährlich. Man wisse aus der Zeit des Kalten Krieges, dass Fehleinschätzungen bei militärischen Manövern die Welt mehrfach an den Rand des nuklearen Abgrunds gebracht hätten. Man brauche eine Abkehr von Atomwaffen statt einer weiteren Verschärfung der nuklearen Eskalation.“
Özlem Alev Demirel, Linken-Europaabgeordnete

Die Nato hält an der Übung fest. Der 59-jährige Generalsekretär Mark Rutte nennt das Bündnis ein Verteidigungsbündnis und sagt, man werde überall dort Anpassungen vornehmen, wo sie nötig seien.

Politisch ist der Einsatz heikel: Deutschland übt mit, während im Europaparlament offener Widerspruch gegen die nukleare Abschreckung laut wird. Die drei Tornados aus Büchel sind dafür der sichtbarste Beleg.

Drohungen aus Moskau

Der Hintergrund ist angespannt. Ende September hatte Russland mit Blick auf die Nato-Manöver und eine aus seiner Sicht drohende Isolierung Kaliningrads erneut mit dem möglichen Einsatz seines gesamten militärischen Arsenals einschließlich Atomwaffen gedroht.

Die russische Exklave zwischen Litauen und Polen ist seit Monaten ein Brennpunkt. Im August schickte die Nato über 50 Maschinen vor Kaliningrad, verbunden mit einer Warnung an Moskau.

Von der russischen Drohung zum Übungsstart

  1. Ende September 2026
    Moskau droht mit Atomwaffen

    Mit Blick auf die Nato-Manöver und die aus russischer Sicht drohende Isolierung Kaliningrads droht Russland erneut mit dem Einsatz seines gesamten militärischen Arsenals einschließlich Atomwaffen.

  2. 8. Oktober 2026
    Nato kündigt Steadfast Noon an

    17 Teilnehmerländer, Gastgeber Italien, Dauer rund eineinhalb Wochen, Start am darauffolgenden Dienstag. Deutschland nimmt teil.

  3. 12. Oktober 2026
    Tornados aus Büchel nach Aviano

    Die Luftwaffe verlegt drei Kampfjets des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 nach Norditalien. Die Linke im Europaparlament nennt das Manöver brandgefährlich.

  4. 13. Oktober 2026
    Übungsbeginn in Italien

    Steadfast Noon beginnt mit deutscher Beteiligung.

Wie gefährlich ist das Manöver?

Die Bewertung hängt davon ab, wen man fragt. Die Nato sieht in „Steadfast Noon“ einen Beleg für die Glaubwürdigkeit ihrer Abschreckung. Die Linke sieht ein Risiko in einer Lage, in der eine Fehleinschätzung folgenreich wäre.

Umfrage
Lädt

Nach rund eineinhalb Wochen endet die Übung in Italien. Offen ist, wie Moskau auf die deutsche Beteiligung reagiert — und ob die Kritik an der nuklearen Abschreckung in Europa nach dem Manöver lauter wird.