Ein Admiral, der vor zwei Jahren noch „Null Toleranz“ gegenüber sexuellem Fehlverhalten in der Royal Navy versprochen hatte, verliert seinen Ritterschlag – wegen einer Affäre mit einer unterstellten Offizierin. Am 12. Oktober 2026 veröffentlichte das britische Kabinettsbüro die Oktober-Runde des Forfeiture-Registers: Fünf Menschen verlieren ihre Ehrungen.
Der prominenteste Fall ist Ben Key, bis 2026 Chef der Royal Navy. Er verliert den 2021 verliehenen Knight Commander of the Order of the Bath und den CBE aus dem Jahr 2016. Im Register steht als Grund „Professional censure“, eine berufsständische Rüge. Bereits im Juni 2026 hatte das Verteidigungsministerium ihn aus der Royal Navy entlassen.
Vier weitere Namen stehen in derselben Runde: Maqsood Ahmad, 2010 mit dem OBE geehrt, und Nirpal Riat verlieren ihre Auszeichnungen, weil sie nach Angaben des Kabinettsbüros das Ehrensystem in Verruf gebracht haben. Ian Hudson (OBE 2020) und Charles Montegriffo (MBE) wegen strafrechtlicher Verurteilungen.
Eine Affäre mit einer unterstellten Offizierin
Auslöser war eine offizielle Beschwerde des Ehemanns der betroffenen Offizierin bei der Royal Navy. Im Mai 2026 reichte Key aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt ein; abgelehnt wurde er, weil zu diesem Zeitpunkt bereits eine Untersuchung wegen der Beziehung zu der unterstellten Offizierin lief.
Im Juni 2026 entließ das Verteidigungsministerium den First Sea Lord aus der Royal Navy. Die Begründung: Key sei den „erwarteten Werten und Standards bei Weitem nicht gerecht geworden“. Vier Monate später folgte der zweite Schritt – die Aberkennung von Ritterschlag und CBE.
„Ich akzeptiere das Ergebnis voll und ganz und die Notwendigkeit von Verantwortung – besonders für diejenigen von uns, die Führungspositionen in den Streitkräften innehatten.“
In seiner am 8. Oktober 2026 veröffentlichten Stellungnahme argumentiert Key nicht gegen das Verfahren. „Ich bedauere zutiefst, was geschehen ist und welche Folgen mein Handeln für andere hatte“, heißt es darin; der Dienst in der Navy sei für ihn ein großes Privileg gewesen.
Vom CBE zum Eintrag im Register
Keys Weg durch das britische Ehrsystem reicht mehr als ein Jahrzehnt zurück – vom Aufstieg in der Marine bis zum Eintrag in der Aberkennungsliste.
Ben Key und das britische Ehrsystem
- 2016CBE und Fleet Commander
Ben Key wird in den New Year Honours mit dem CBE ausgezeichnet und Fleet Commander der Royal Navy.
- 2021Ritterschlag und First Sea Lord
Key wird zum Knight Commander of the Order of the Bath geschlagen und zum Chef der Royal Navy ernannt.
- Oktober 2024Null-Toleranz-Bericht
Als First Sea Lord stellt Key einen Bericht über sexuelle Belästigung im U-Boot-Dienst vor, der 18 Entlassungen nach sich zieht, und sagt „Null Toleranz“ gegenüber sexuellem Fehlverhalten zu.
- Mai 2026Rücktritt abgelehnt
Keys Rücktritt aus persönlichen Gründen wird bekannt. Er wird abgelehnt, weil eine Untersuchung wegen einer Beziehung zu einer unterstellten Offizierin läuft.
- Juni 2026Entlassung aus der Royal Navy
Das Verteidigungsministerium entlässt Key und erklärt, er sei den erwarteten Werten und Standards bei Weitem nicht gerecht geworden.
- 8. Oktober 2026Stellungnahme und Reformruf
Keys Stellungnahme wird veröffentlicht; die Times fordert in einem Kommentar eine Reform des Ehrsystems.
- 12. Oktober 2026Oktober-Runde des Registers
Fünf Personen verlieren ihre Ehrungen, darunter Key. Die Gesamtzahl seit August 2023 steigt auf 48.
48 Aberkennungen seit August 2023
Das Kabinettsbüro begründet Entzüge mit einem festen Katalog: strafrechtliche Verurteilungen, berufsständische Sanktionen, Berufsverbote, Verstöße gegen Gerichtsbeschlüsse und sonstiges Verhalten, das das Ehrensystem in Verruf bringt. Beständig wächst damit die Liste der seit August 2023 aberkannten Ehrungen – mit der Oktober-Runde steht sie bei 48 Fällen.
Verteilt über die Ordensstufen ergibt sich seit August 2023 folgendes Bild: 27 Aberkennungen entfallen auf den MBE, 15 auf den OBE und drei auf den CBE. Hinzu kommen zwei British Empire Medals und zwei Ritterwürden.
Aberkennungen seit August 2023 nach Ordensstufe
Streit über die Verhältnismäßigkeit
Widerspruch kommt von Gerry Northwood, einem ehemaligen Kapitän der Royal Navy. Keys Affäre sei „ein einmaliger moralischer Fehltritt“ gewesen und „keine schwere Straftat wie Unterschlagung“, sagt er; die Ritterwürde habe Key sich über eine lange Karriere erarbeitet.
„Wie viele andere Amtsträger hatten Affären und wurden trotzdem nicht ihrer Ehrungen beraubt? Ich finde das ziemlich gehässig“, sagt Northwood. Seine Frage zielt auf die Verhältnismäßigkeit: Im Register steht bei Key eine berufsständische Rüge, bei Hudson und Montegriffo dagegen eine Verurteilung.
Der Fall befeuert die Debatte über das britische Ehrsystem. Der Times-Kommentar zur Reform des Ehrsystems fragt, warum ein Admiral wegen einer Affäre seinen Orden verliert, während andere Träger unbehelligt bleiben, und fordert eine Reform.
Seit Beginn seiner Regentschaft hat König Charles mehr als 40 Ehrungen streichen lassen; allein in der ersten Jahreshälfte 2026 waren es zehn Personen. Im Juli 2026 verlor der frühere DUP-Vorsitzende Jeffrey Donaldson nach einer Verurteilung wegen historischer Kindesmissbrauchstaten seinen Ritterorden.
Offen bleibt, wo das Kabinettsbüro die Grenze zwischen privatem Fehlverhalten und Amtsverfehlung zieht – und ob weitere prominente Namen folgen. Die nächste Runde des Forfeiture-Registers wird zeigen, ob die Zahl der Aberkennungen weiter steigt.
