Bruce Darnell (69) hat seinen Lebenspartner zweieinhalb Jahre lang gepflegt, bis der Mann 2011 an den Folgen einer Krebserkrankung starb. 25 Jahre waren die beiden zusammen. Nun spricht der Choreograf, Model und TV-Star in der SWR-Reihe „Kurzstrecke mit Pierre M. Krause“ über das Leben danach – in der am 8. Oktober in der ARD ausgestrahlten Folge „Bruce Darnell reist mit leichtem Gepäck“.
Darnell beschreibt den Verlust als Wendepunkt. Er sagt, er müsse heute „keinem Menschen irgendwas mehr beweisen“, lasse keine negative Energie um sich herum zu und fühle sich „zu 100 Prozent angekommen“. Ans Aufhören denkt der 69-Jährige nicht.
Damit stellt er sich gegen das naheliegende Bild, mit fast 70 kürzerzutreten. Seine Begründung liegt 15 Jahre zurück: 2011 starb sein Partner, danach habe er lange gebraucht, um bei sich anzukommen. Heute will er nicht mehr zurück – weder in die Vergangenheit noch in ein ruhigeres Leben.
Zweieinhalb Jahre Pflege bis zum Tod
Darnell hat den krebskranken Mann zweieinhalb Jahre lang gepflegt, bis zuletzt. Die Folge „Bruce Darnell reist mit leichtem Gepäck“ ist als Kurzstrecke-Folge mit Bruce Darnell in der ARD Mediathek abrufbar.
Auf die Frage nach seiner Haltung zur Zeit antwortet Darnell mit einer radikalen Gegenwartsorientierung: „Was in der Zukunft passiert, interessiert mich überhaupt nicht. Ich bin mit dem Hier und Jetzt beschäftigt.“ Der Verlust ist für ihn kein offenes Kapitel, sondern der Auslöser einer Neuordnung.
Vom Tod des Partners bis zur „Kurzstrecke“-Folge
- 2011Tod des Lebenspartners
Bruce Darnells Partner, mit dem er 25 Jahre zusammen war, stirbt an den Folgen einer Krebserkrankung – nach zweieinhalb Jahren Pflege durch Darnell.
- 2. August 2026Erstmals ausführlich über die Pflege
Im ZDF-Format „Böhmi brutzelt“ von Jan Böhmermann spricht Darnell über die Zeit der Pflege und den Tod seines Partners.
- 8. Oktober 2026„Kurzstrecke“ im SWR
Ausstrahlung der Folge „Bruce Darnell reist mit leichtem Gepäck“ (Staffel 8, Folge 4).
- 12. Oktober 2026Regionalmedien greifen auf
Der teleschau-Beitrag „Tod seines Partners bewegte Bruce Darnell zum Umdenken“ erscheint in mehreren Regionalmedien.
„Ich lebe hier und jetzt“
Darnell macht aus dem Verlust keine Klage, sondern eine Regel für den Alltag. Nach dem Tod seines Lebenspartners, sagt er, habe er das Leben aus einer anderen Perspektive sehen müssen. Sein Schluss daraus: Die Vergangenheit bekommt keinen Zugriff mehr auf ihn.
„Nach dem Tod von meinem Lebenspartner musste ich das Leben aus einer anderen Perspektive sehen.“
Das ist keine Floskel, sondern eine Entscheidung. Darnell beschreibt sein Verhältnis zur Zeit als radikale Hinwendung zum Jetzt – und zugleich als Schutz: Wer nur im Augenblick lebt, kann von der Vergangenheit nicht eingeholt werden.
Selbstliebe als Ausgangspunkt
Auf die Frage, was ihm geholfen hat, nennt Darnell keine Therapie und keine Methode, sondern einen Satz. Einfach klinge er, sagt Darnell – und habe doch eine Ewigkeit gedauert, bis er ihn selbst geglaubt habe.
„Es fängt alles an damit, dich selbst zu lieben. Es hat eine Ewigkeit gedauert, aber heute bin ich angekommen und mir geht es verdammt gut.“
Der Satz hat einen langen Anlauf: zweieinhalb Jahre Pflege, ein Tod im Jahr 2011, 15 Jahre danach. Darnell beschreibt das Ergebnis nicht als Glück, sondern als Arbeit an sich selbst. In diesem Jahr hat er mehrfach zurückgeschaut – auch auf Bruce Darnells Bruch mit seiner Mutter.
Dank an Deutschland für Geborgenheit
Ein zweiter Adressat seiner Bilanz ist Deutschland. Das „deutsche Volk“ habe ihn so genommen, „wie ich einfach bin“, und ihm „so viel Geborgenheit und Liebe geschenkt“ – das habe er sein ganzes Leben gesucht, sagt Darnell.
Der in Colorado geborene US-Amerikaner würdigt damit das Land, in dem er bekannt wurde. Am 9. Oktober griff FOCUS online die Sätze auf; Darnells Liebeserklärung an Deutschland stand im Zentrum des Berichts. Wenige Tage später verbreiteten mehrere Regionalmedien den teleschau-Beitrag „Tod seines Partners bewegte Bruce Darnell zum Umdenken“.
„Ich arbeite, bis ich sterbe“
Vom Ruhestand will Darnell nichts wissen, auch mit 69 nicht. „Du, ich arbeite, bis ich sterbe“, sagt er in der Folge. Zu seinem Alter äußert er sich ohne Wehmut: „Ich bin 69, stehe dazu. Nächstes Jahr werde ich 70. Finde ich einfach megageil.“
Dass er weitermacht, ist für ihn keine Frage des Geldes, sondern der Haltung. Die Haltung ist nicht neu: Über Darnells Weiterarbeit mit 69 wurde bereits Anfang Oktober berichtet. Der „Kurzstrecke“-Auftritt reiht sich in dieselbe Linie ein.
Für die Folge hat Darnell ein Bild gefunden, das seinen Umgang mit dem Verlust zusammenfasst: „Das Leben ist eine Reise. Man muss sich nur dafür entscheiden, ob man mit schwerem oder leichtem Gepäck reist.“ Der Titel der Folge nimmt es auf.
Offen bleibt, wie es mit 70 weitergeht. Im kommenden Jahr wird Darnell 70 – ob er dann ein neues Format ankündigt, hat er in der Folge nicht gesagt. Fest steht nur: Diese Entscheidung will er nicht dem Alter überlassen.
