212 Millionen Euro fällige Verbindlichkeiten – und nur rund 1,3 Millionen Euro, die beim Insolvenzantrag noch auf den Konten der Autohaus Gotthard König GmbH lagen. Kunden, die dort ein Auto bezahlt und nie erhalten haben, reihen sich damit am Ende einer langen Gläubigerliste ein.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Berliner Rechtsanwalt Dr. Rainer Eckert bestellt. In einer internen Besprechung der König-Führung ging es plötzlich um Kundengelder; die WELT berichtet über die Aussagen aus der internen Besprechung der Firmenführung.
Ein langjähriger Insider schildert im Podcast „Macht und Millionen“ von Business Insider und WELT, dass Kundengelder genutzt worden seien, um ältere offene Verpflichtungen des Unternehmens zu begleichen. Belegt ist dieser Vorwurf bislang nicht.
Kunden haben keinen Anspruch auf ihr Auto
Wer sein Auto vollständig bezahlt oder angezahlt hat und trotzdem keine Lieferung erhielt, hat nach deutschem Insolvenzrecht keinen durchsetzbaren Anspruch auf das Fahrzeug. Nach Einschätzung der Insolvenzrechtlerin Anne Deike Riewe lässt sich ein Verwalter auch nicht zur Beschaffung des Wagens zwingen, selbst wenn der Kunde den Restkaufpreis zahlt. Riewe rechnet vor, was stattdessen bleibt:
„Wenn ich als Kunde ein Auto für 10.000 Euro gekauft habe, es aber noch nicht bekommen habe, dann kann ich einen Schadenersatzanspruch von 10.000 Euro zur Insolvenztabelle anmelden - das ist das, was ich rechtlich wirklich noch verlangen kann.“
Ausgezahlt wird eine solche Forderung nur mit der Insolvenzquote, die in Deutschland meist zwischen drei und fünf Prozent liegt. Bestehende Leasing- und Finanzierungsverträge bleiben nach Angaben des Unternehmens gültig. Eingeschränkt ist dagegen der vorausbezahlte Werkstattservice KWS.
Schon im Sommer 2026 berichteten Kunden zunehmend von verzögerten Auslieferungen, fehlenden Fahrzeugbriefen und ausstehenden Rückzahlungen. Am 1. Oktober veröffentlichte König eine aktualisierte Kundeninformation und stellte Lösungsvorschläge für die folgende Woche in Aussicht. Der rbb hat zusammengestellt, was betroffene König-Kunden jetzt tun können.
Der Gewinn brach von 16 auf 1,2 Millionen Euro ein
Die Schieflage hat sich über Jahre aufgebaut. Im Geschäftsjahr 09/2023 bis 08/2024 setzte die Gruppe rund 570 Millionen Euro um, übrig blieb ein Gewinn von rund 1,2 Millionen Euro. Im Warenbestand standen Fahrzeuge für rund 382 Millionen Euro, gegenüber Kreditinstituten liefen Verbindlichkeiten von rund 451 Millionen Euro.
Gewinn der Autohaus König Gruppe in Millionen Euro
Jahresüberschuss bzw. Gewinn je Geschäftsjahr
Trotz dieser Entwicklung expandierte König weiter: Im März 2025 meldete das Unternehmen das beste erste Quartal der Firmengeschichte mit 11.612 Fahrzeugen und übernahm den insolventen Betrieb der Autohaus Staffel Suhl GmbH. Im September 2025 kam die chinesische Elektromarke BYD an sechs Standorten hinzu, Anfang 2026 folgten ein KTM-Betrieb in Hamburg-Lokstedt und das insolvente Autozentrum Treskow in Neuruppin und Zehdenick.
Drei Bieter sollen die Kette übernehmen
Drei Interessenten prüfen eine Übernahme: die AVAG Holding aus Augsburg, die niederländische Van Mossel Automotive Group und die König Mobility Group. Angebote sollen bis zum 20. Oktober 2026 eingereicht werden, eine Einigung war für Anfang November angestrebt.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Eckert erklärte, trotz intensiver Bemühungen von Geschäftsführung, Gesellschafterfamilie, Kreditgebern und Herstellerpartnern habe sich eine Lösung außerhalb der Insolvenz zuletzt nicht mehr erreichen lassen.
Mitarbeiter erfuhren es aus Funk und Fernsehen
Betroffen sind rund 1.200 Arbeitsplätze und 82 Standorte. Am 26. August 2026 stellte die Autohaus Gotthard König GmbH beim Amtsgericht Charlottenburg den Insolvenzantrag, am 1. September wurde das vorläufige Verfahren angeordnet und die Belegschaft per Hausmitteilung informiert. Wie bei der Insolvenz der Baumarktkette Hellweg greift für die Beschäftigten zunächst das Insolvenzgeld.
Der IG-Metall-Gewerkschafter Lars Buchholz kritisiert den Umgang des Unternehmens mit der Belegschaft:
„Der Umgang mit den Mitarbeitern ist dem Vernehmen nach schon immer nicht der beste und in diesem Falle wurde es erst bekannt gegeben, dass die Kette in Insolvenz ist, als die Mitarbeiter das alles schon aus Nachrichten, Funk und Fernsehen erfahren hatten.“
Ob ein Käufer auch die offenen Kundenbestellungen übernimmt, ist offen. Die Frist für die Angebote läuft bis zum 20. Oktober, eine Einigung mit einem Investor wurde für Anfang November angestrebt.
