Bundeswehr ermittelt gegen zehn Soldaten in Weißenfels
Zehn Soldaten des Sanitätsregiments 1 in Weißenfels stehen im Zentrum schwerer Vorwürfe: sexuelles Fehlverhalten, Drogenhandel, unterdrückte Beschwerden. Wehrbeauftragter Henning Otte macht die Aufklärung zur Chefsache – die Ermittlungen könnten Monate dauern.
Zehn Soldaten des Sanitätsregiments 1 in Weißenfels sind ins Visier der Ermittler geraten, darunter Vorgesetzte. Nach Informationen des „Spiegel“ soll mindestens eine betroffene Frau zum Tatzeitpunkt minderjährig gewesen sein. Bislang handelt es sich um Vorwürfe, verurteilt ist niemand.
Der Verdacht ist breit: Unter männlichen Soldaten soll ein Wettbewerb bestanden haben, wer mit mehr Rekrutinnen Sex hat. Die Vorwürfe reichen von sexualisiertem Fehlverhalten über Drogenhandel mit Amphetaminen und Testosteron bis zum Unterdrücken von Beschwerden. Das Verteidigungsministerium bestätigt Hinweise auf mögliche Verstöße, wie die neuen Details zum Bundeswehr-Skandal in Weißenfels zeigen.
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Pistorius: bestätigte Vorwürfe wären widerwärtig
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius reagierte am Rande eines Kreta-Besuchs: „Bislang handelt es sich um Vorwürfe. Wenn die sich bestätigen, wäre das widerwärtig.“ Der SPD-Politiker sagte zudem, man werde alles tun, „um jeden Täter dingfest zu machen und seiner gerechten Strafe zuzuführen“ und die Betroffenen besser zu schützen.
Zuvor hatten Nicole Schilling und der Befehlshaber des Sanitätsdienstes, Ralf Hoffmann, den Verteidigungsausschuss des Bundestags am 14. Oktober in vertraulicher Sitzung informiert. Hoffmann sagte anschließend: „Sexualisiertes Fehlverhalten und Übergriffe haben in der Bundeswehr keinen Platz – und erst recht nicht im Sanitätsdienst.“
Wehrbeauftragter nimmt den Minister in die Pflicht
Wehrbeauftragter Henning Otte fordert, die Aufklärung zur Chefsache zu machen und einen Maßnahmenkatalog vorzulegen. Die „allgemein steigende Zahl von Meldungen über sexuelles Fehlverhalten“ sei für den Dienstherrn ein klarer Handlungsauftrag, sagte der CDU-Politiker. Damit nimmt Otte den Minister in die Pflicht, nicht die Truppe.
„Die Vorwürfe aus Weißenfels sind schwerwiegend und müssen umfassend, konsequent und transparent aufgeklärt werden.“
Henning Otte, Wehrbeauftragter des Bundestags (CDU)
Sara Nanni von den Grünen hält die internen Strukturen für das Kernproblem: „Wenn ein Täter nicht fürchten muss, dass der Vorgesetzte gegen Fehlverhalten vorgeht, dann schreitet man unbekümmert weiter zur Tat. Nur eine externe Meldestelle kann diese Dynamik brechen.“
Auch in der Union wächst der Druck. Die CDU-Abgeordnete Vivian Tauschwitz verlangt, lückenlos zu klären, „wie lange Vorgesetzte von möglichen Missständen wussten und warum nicht früher eingegriffen wurde“. Ihre Fraktionskollegin Kerstin Vieregge begrüßt die „schnelle und lückenlose Aufklärung“ und sagt: „Jeder Fall ist einer zu viel. Hier endet die Kameradschaft.“
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Die Vorgeschichte reicht bis 2024
Die Vorwürfe sind nicht neu. Laut RND reichen die Vorfälle im Sanitätsregiment 1 mindestens bis ins Jahr 2024 zurück. Erst am 7. September 2026 hatte Generalinspekteur Carsten Breuer die Truppe in einem Tagesbefehl aufgefordert, Fehlverhalten nicht zu tolerieren – unter dem Stichwort „kein Wegsehen“. Fünf Wochen später machte das RND die internen Ermittlungen öffentlich.
Chronologie des Falls Weißenfels
2024
Die frühesten bekannten Vorfälle
Laut RND reichen die Vorfälle im Sanitätsregiment 1 mindestens bis ins Jahr 2024 zurück.
7. September 2026
Breuers Tagesbefehl
Generalinspekteur Carsten Breuer ruft die Truppe auf, Fehlverhalten nicht zu tolerieren – „kein Wegsehen“.
13. Oktober 2026
RND macht den Fall öffentlich
Das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet über die internen Ermittlungen; das Verteidigungsministerium bestätigt Hinweise auf mögliche Verstöße.
14. Oktober 2026
Unterrichtung des Verteidigungsausschusses
Nicole Schilling und Ralf Hoffmann informieren den Ausschuss in vertraulicher Sitzung. Pistorius spricht von „widerwärtig“, sollten sich die Vorwürfe bestätigen.
15. Oktober 2026
Der „Spiegel“ nennt neue Details
Bericht über einen mutmaßlichen Sex-Wettbewerb, zehn Beschuldigte und eine minderjährige Betroffene; Otte fordert Aufklärung als Chefsache.
16. Oktober 2026
Ermittlungen dauern an
Eine dreistellige Zahl von Vernehmungen wird erwartet, der Fall bestimmt weiter die Berichterstattung.
Offen bleibt, wie lange Vorgesetzte von den Vorgängen wussten und warum niemand früher eingriff. Antworten sollen die Vernehmungen liefern – und die Frage klären, ob sich der Verdacht gegen die zehn Beschuldigten bestätigt. Bis dahin gilt für sie die Unschuldsvermutung.