König Haakon VIII. (53) hat seiner eigenen Mutter die Anrede „Ihre Majestät“ entzogen. Der norwegische Palast bestätigte am 15. Oktober, dass die Entscheidung von ihm selbst stammt – und beendete damit wochenlanges Schweigen. Königin Sonja (89) behält ihren Titel, gehört aber nicht mehr zum engeren Königshaus.
Auf der Website des Hofes steht sie seit dem 12. Oktober unter „Übrige Mitglieder der Königsfamilie“, in einer Rubrik neben Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise. Erklärt hat der Palast den Vorgang erst zwei Tage später, auf Nachfrage der Zeitung Aftenposten. Bis dahin war öffentlich nicht bekannt, wer den Schritt angeordnet hatte.
Nur das Königshaus trägt die Anrede
Der Hof begründet den Schritt mit einer Linie, die der König nach dem Tod seines Vaters fortsetzt. Anreden wie „Ihre Majestät“ und „Ihre Königliche Hoheit“ sollen künftig allein Mitgliedern des Königshauses zustehen. Die Zugehörigkeit zum Haus entscheidet damit über die Anrede – Palast erklärt Sonjas neue Anrede. Die Kommunikationschefin erklärt:
„König Haakon hat eine Linie im norwegischen Königshaus weitergeführt, mit begrenzter Verwendung von königlichen Anredeformen. Nur Mitglieder des Königshauses haben weiterhin Anredeformen (Ihre Majestät, Ihre königliche Hoheit). Andere Mitglieder der königlichen Familie werden mit ihren Titeln angesprochen, Königin, Prinz, Prinzessin.“
Für Sonja bedeutet die Regel einen sichtbaren Abstieg: Sie ist die Mutter des amtierenden Königs und steht in der Hofordnung nun neben ihrem Enkel Prinz Sverre Magnus und ihrer Tochter Prinzessin Märtha Louise. Die Praxis, Anreden allein dem Königshaus zuzubilligen, ist am Hof nicht neu – neu ist, dass sie die Königin selbst trifft.
Im Ausland bleibt Sonja „Her Majesty“
Im Ausland gilt die Regel nicht. Dort darf Sonja weiterhin als „Her Majesty Queen Sonja“ auftreten, Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise als „Your Highness“. Der Hof machte diese Ausnahme auf Nachfrage selbst öffentlich:
„Das bedeutet, dass Königin Sonja im Englischen weiterhin als „Ihre Majestät Königin Sonja“ bezeichnet werden kann, während Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise als „Eure Hoheit“ bezeichnet werden können.“
Historiker nennt „Königsmutter“ falsch
Kritik kommt auch aus Norwegen selbst. Seit dem 23. September, als Sonja anlässlich der Beisetzung von Prinzessin Astrid erstmals als „Königin Sonja, die Königsmutter“ bezeichnet wurde, wächst der Widerspruch gegen die Sprachregelung des Hofes. Der Historiker und Adelsexperte Trond Norén Isaksen erhebt in der Aftenposten den Vorwurf der vollständigen Missdeutung an den Palast.
Isaksen argumentiert sprachlich: Eine „kongemor“ wäre ein König, der Mutter des Monarchen ist – „biologisch unmöglich“. Korrekt sei „dronningmor“, also Königinmutter. Auch die Grundlage des Anredeentzugs bestreitet er: Eine Königin sei immer „Hennes Majestet“, gleich ob verheiratet oder verwitwet.
Der TV-2-Kongehausexperte Ole-Jørgen Schulsrud-Hansen liest die Bezeichnung dagegen als Versuch des Hofes, Sonja als mehr als die Witwe eines früheren Königs zu zeigen: Sie sei schließlich die Mutter des amtierenden Königs. Ob der Palast auf den Widerspruch reagiert, ist offen.
Sonja arbeitet weiter im Namen des Hofes
Ihren Terminkalender hat der Statuswechsel bislang nicht verändert. Am 12. Oktober besuchte Sonja das Nationalarchiv in Oslo, wo Briefe und Kondolenzen von Norwegern nach Haralds Tod lagern. Bereits zwei Tage nach dem Tod des Königs hatte sie sich beim Trauergottesdienst in Asker gezeigt – Königin Sonjas erster Auftritt nach Haralds Tod.
Geplant sind weitere Auftritte: Am 22. Oktober kommt Sonja mit König Haakon und Kronprinzessin Ingrid Alexandra zum Staatsbankett für die Parlamentsmitglieder im Schloss zusammen. Eine Woche später, am 29. Oktober, eröffnet sie die Ausstellung „Munch – Picasso“ im Museo Picasso Málaga – im Namen eines Hofes, der ihr die Anrede „Majestät“ aberkannt hat.
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