Mit scharfen Klingen stehen sich an diesem Samstag zwei AfD-Ratsherren gegenüber. Der Kölner Fraktionsgeschäftsführer Matthias Büschges und der Düsseldorfer Ratsherr Jeremy Franosch fechten am 17. Oktober 2026 eine Mensur aus – im Verbindungshaus der Alten Halleschen Burschenschaft Rhenania-Salingia in Düsseldorf.
Eine Mensur ist ein Fechtkampf mit scharfen Hiebwaffen nach dem Comment der schlagenden Studentenverbindungen, also nach deren eigenem Regelwerk. Gefochten wird nach dem verschärften Schlägerbrauch mit dem rechten Arm, wie der Spiegel-Bericht über den geplanten Fechtkampf beschreibt; Augen, Nase, Hals und Oberkörper sind geschützt, Gesicht und Kopf bleiben Trefferfläche.
Beide Seiten stellen einen Kartellträger und einen Paukarzt: Der Kartellträger wacht über die Einhaltung der Regeln, der Paukarzt steht für Verletzungen bereit. Schauplatz ist ein Haus mit AfD-Vorgeschichte – dort sprach im Juni 2024 der frühere Republikaner-Funktionär Björn Clemens über ein AfD-Verbot, Matthias Helferich war Gast, rund 80 Menschen demonstrierten davor.
Herausforderung aus einer Bierlaune
Die Ansetzung reicht in den Juli 2026 zurück. Am Rande der AfD-Aufstellungsversammlung für die Landtagswahl 2027 in Marl forderte der damals angetrunkene Büschges seinen Parteikollegen Franosch zur Mensur heraus – nach eigener Darstellung aus einer Bierlaune.
Die Versammlung war zuvor vollständig eskaliert. Über zwei Wochenenden rang die Partei um die Landesliste, der Bundesvorstand verlangte den Abbruch der Listenaufstellung, AfD-Funktionäre sprachen vom „Parteitag der Schande“.
Büschges rahmt die Mensur als sportlichen Vergleich zweier Väter, nicht als Politikum. Der Kölner Fraktionsgeschäftsführer sagt:
„Wir beide sind Familienväter. Wir machten das aufgrund der sportlichen Herausforderung.“
Einen Parteibezug weist er von sich: „Das ist eine Privatangelegenheit, sie hat nichts mit der Partei zu tun.“ Und er betont: „Am Ende gehen wir nicht da rein, um den anderen zu verletzen.“
Machtkampf in der NRW-AfD
Hinter der Mensur steht der Richtungsstreit der Landespartei. Büschges zählt zum Lager des Landeschefs Martin Vincentz, der als gemäßigt gilt. Franoschs Düsseldorfer Kreisverband gilt als Hochburg der Anhänger von Matthias Helferich, den der Bundesverfassungsschutz als erwiesenen Rechtsextremisten beobachtet.
Der Streit wird längst nicht mehr nur mit Worten geführt. Im Mai 2026 erstattete Landesvorstandsmitglied Sabine Reinknecht Anzeige wegen Körperverletzung gegen einen Parteikollegen. Im August wurde zudem der Vorwurf gegen AfD-Politiker Bausemer öffentlich, er habe einen 14-Jährigen mit einem Baseballschläger angegriffen.
Von der Anzeige bis zum Klingen-Duell
- Mai 2026Anzeige im Landesvorstand
AfD-Landesvorstandsmitglied Sabine Reinknecht erstattet Anzeige wegen Körperverletzung gegen einen Parteikollegen – der Richtungsstreit in NRW wird auch physisch ausgetragen.
- Juli 2026Eskalation in Marl
Die Aufstellungsversammlung für die Landtagswahl 2027 eskaliert über zwei Wochenenden, der Bundesvorstand verlangt den Abbruch. Am Rande fordert Büschges Franosch zur Mensur.
- 16. Oktober 2026Das Duell wird öffentlich
t-online berichtet zuerst, Büschges bestätigt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“; Spiegel, WZ, NOZ, Express und derwesten greifen den Fall auf.
- 16. Oktober 2026Der Landeschef geht auf Distanz
Martin Vincentz erklärt, er sei nicht als Paukarzt angefragt worden, und unterstützt das Vorgehen nicht.
- 17. Oktober 2026Mensur in Düsseldorf
Das Duell soll im Verbindungshaus der Alten Halleschen Burschenschaft Rhenania-Salingia ausgetragen werden.
Franosch lässt die Motivation offen
Franosch hält sich mit einer Deutung des Duells zurück. Der Düsseldorfer Ratsherr sagt über die Motive seines Kontrahenten:
„Über die Motivation von Herrn Büschges, dies zu tun, kann ich mir kein abschließendes Urteil erlauben.“
Auch er will keine Politik im Fechtkampf sehen – Parteitage seien strapaziöser: „Dafür gibt es schließlich Parteitage, die in meiner Partei wesentlich kräftezehrender sind als jede Fechtpartie.“ Rückhalt bekommt er aus der eigenen Partei: „Parteifreunde, zu denen ich Kontakt pflege, wünschten mir Waffenschwein.“
Öffentlich wurde die Sache am Freitag, 16. Oktober: Die Ankündigung des Klingen-Duells bei t-online stieß die Berichterstattung an, Büschges bestätigte den Plan der Deutschen Presse-Agentur und dem „Kölner Stadt-Anzeiger“, WZ, NOZ, Express und derwesten zogen nach.
Ein Landeschef auf Distanz
Rückendeckung von oben bekommt das Duell nicht. Landeschef Martin Vincentz erklärte am Freitag, er sei nicht als Paukarzt angefragt worden, und unterstütze das Vorhaben nicht. Der Landeschef setzt auf andere Formen der Auseinandersetzung: „Politik heißt friedliche Lösungen und intellektuelles Kreuzen der Klingen.“
Das wiegt, weil Büschges zu Vincentz’ Lager zählt. Im Duell stehen damit auch die beiden Flügel der NRW-AfD gegenüber: der als gemäßigt geltende Landeschef und die Anhänger Helferichs, die im Düsseldorfer Kreisverband organisert sind.
Am Samstag soll die Mensur im Verbindungshaus geschlagen werden, mit Kartellträger und Paukarzt auf beiden Seiten. Beide Kontrahenten nennen das Duell eine reine Privat- und Sportangelegenheit. Ob die NRW-AfD das nach dem 17. Oktober weiter so sieht, ist offen.
