Kiew übernimmt Verantwortung für Drohne nach Absturz in Litauen
Ein unbekanntes Flugobjekt löst am Morgen des 18. Oktober in Litauen und Lettland Luftalarm aus, Trümmer beschädigen ein fahrendes Auto. Litauen vermutet den Ursprung in Polen – Warschau fand bislang keinen Beleg für eine Verletzung seines Luftraums.
Um 07:05 Uhr schrillten in Zentral- und Nordlitauen die Warnmeldungen: Für die Bezirke Panevėžys und Šiauliai galt die höchste Warnstufe Rot, für den Raum Kaunas Gelb. Der Flughafen Kaunas sperrte bis 07:49 Uhr, zwei Flüge verspäteten sich, auch in Šiauliai ruhte der Verkehr zeitweise. Abfangjäger der NATO starteten vom Stützpunkt Šiauliai.
Litauische Radare hatten das unbekannte Flugobjekt gegen 06:00 Uhr erfasst. Verteidigungsminister Robertas Kaunas meldete um 07:45 Uhr, die NATO-Jets verfolgten es über dem Bezirk Biržai an der lettischen Grenze; Nebel und Wolken hätten eine Sichtidentifizierung verhindert. Erst Mitte September hatten italienische Eurofighter erstmals eine Drohne über Litauen abgeschossen.
Die Warnung reicht bis nach Lettland
Lettland reagierte um 07:36 Uhr: Per Mobilfunkwarnung der Stufe Orange riefen die Behörden die Bezirke Bauska, Aizkraukle und Ogre auf, in Gebäuden zu bleiben. Um 08:12 Uhr wurde die Warnung wieder aufgehoben. Ob das erfasste Objekt tatsächlich eine Drohne war, bestätigte die lettische Armee nicht.
Um 08:15 Uhr hob das litauische Krisenzentrum NKVC den Alarm landesweit auf. Zehn Minuten später meldete die Armee, das Ziel sei vom Radar verschwunden, die Abfangjäger kehrten zurück. Bodentruppen begannen, das Gebiet im Bezirk Biržai zu durchsuchen – gefunden wurden die Trümmer später an anderer Stelle.
Trümmer treffen ein fahrendes Auto
Am Vormittag entdeckten Einsatzkräfte Trümmerteile beim Dorf Juodžionys im Kreis Pasvalys, ORF über den Fund der Trümmer. Ein Teil davon beschädigte ein fahrendes ziviles Auto; verletzt wurde nach Behördenangaben niemand. Rund 50 Anwohner hatten eine mögliche Explosion gemeldet, die Polizei untersucht die Gegend.
Kaunas machte öffentlich klar, wie ernst Litauen den Fall nimmt: „In Friedenszeiten haben wir die Pflicht, das Objekt zu identifizieren“, sagte er. Der Satz richtet sich auch an die Verbündeten – denn nach seiner Einschätzung kam der Flugkörper nicht aus Russland, sondern aus einem NATO-Nachbarland.
Litauen vermutet den Ursprung in Polen
Kaunas zufolge stammte das Objekt wahrscheinlich aus Polen. Er schlug seinem polnischen Amtskollegen eine gemeinsame Untersuchung vor. Warschau prüfte daraufhin eine mögliche Verletzung des eigenen Luftraums und fand zunächst keine Bestätigung. Polen hatte erst Mitte September den schwersten Luftalarm in Ostpolen erlebt.
Der Sprecher des polnischen Operationskommandos, Jacek Goryszewski, sagte: „Auf dem derzeitigen Stand wurde eine Verletzung des polnischen Luftraums nicht bestätigt.“ Bereits gegen 02:00 Uhr hatte das Kommando ein Radarsignal registriert; Anwohner am Zemborzyce-Stausee bei Lublin meldeten ein lautes Flugobjekt. Soldaten, Polizei und Militärgendarmerie suchten nach einer Absturzstelle – ohne Fund.
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Kiew entschuldigt sich für den Zwischenfall
Am Abend übernahm Kiew die Verantwortung für die Kursabweichung: „Wir entschuldigen uns für jede Störung, Risiken und Beunruhigung, die dies verursacht haben könnte“, schrieb Heorhii Tykhyi, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums. Russische elektronische Kriegsführung bringe Drohnen bei Angriffen auf militärische Ziele in Russland vom Kurs ab – die Erklärung aus Kiew zur russischen Störtechnik. Staatspräsident Gitanas Nausėda verknüpfte den Absturz am Nachmittag mit dem russischen Angriffskrieg.
„Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine greift auf die Ostflanke von NATO und EU über.“
Gitanas Nausėda, Staatspräsident Litauens
Ob der Flugkörper tatsächlich aus Polen kam, bleibt offen: Warschau prüfte am Abend weiter, ob der eigene Luftraum verletzt wurde. Eine gemeinsame Untersuchung mit Litauen hat Polen bislang nicht bestätigt. Bis ein Ergebnis vorliegt, löst jede weitere Radarmeldung an der Ostflanke dieselbe Frage aus: Wer schickt was über wen?