Russischer Satellit nähert sich ICEYE-X36 bis auf 26 Meter
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Weltraum

Russischer Satellit nähert sich ICEYE-X36 bis auf 26 Meter

Ein russischer Militärsatellit hat sich dem Ukraine-Radar ICEYE-X36 bis auf 26 Meter genähert – bei Relativgeschwindigkeit null. Experten sprechen von der ersten nicht abgestimmten Annäherung zweier aktiver Satelliten im Erdorbit; die Denkfabrik CSIS fordert eine westliche Antwortstrategie.

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26 Meter – so viel Abstand nennt die Beobachtungsplattform Orbital Radar in ihrer jüngsten Fortschreibung für die Passage des russischen Militärsatelliten Kosmos 2612 am kommerziellen Radarsatelliten ICEYE-X36. Die Relativgeschwindigkeit der beiden Objekte in rund 540 bis 550 Kilometern Höhe: praktisch null.

Zuvor hatte dieselbe Plattform die Passage mit 103 Metern beziffert; am 18. Oktober wurden 578 Meter berechnet, spätere Bahndaten ergaben 136 Meter. Hinweise auf einen Treffer oder eine Störung von ICEYE-X36 gibt es bislang nicht.

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Kurzer Zeitraffer eines Teils des ersten Überflugs von ICEYE-X36 (59103) und COSMOS 2612 (68762) heute Morgen über Südamerika unter teilweise bewölktem Himmel. https://t.co/t8RhwmKcV4

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Hinter der Zahl steckt ein Manöver, das Satellitenbeobachter und Sicherheitspolitiker seit Wochen beschäftigt. Ein im April gestarteter russischer Militärsatellit hat sich über Monate an einen Satelliten herangefahren, dessen Radaraufnahmen die Ukraine im Krieg gegen Russland nutzt.

Von 320 Kilometern auf fünf

Kosmos 2612 startete am 16. April 2026 mit einer Sojus-2.1b vom Kosmodrom Plesetsk, gemeinsam mit fünf weiteren Militärsatelliten der Serie Kosmos 2609 bis 2614. Zwischen dem 30. September und dem 16. Oktober 2026 folgten mehrere Manöver.

Sie brachten den Satelliten auf dieselbe Bahnebene und nahezu dieselbe Höhe wie ICEYE-X36. Am 16. Oktober schrumpfte der Abstand nach Daten von LeoLabs binnen eines Tages von mehr als 320 Kilometern auf rund fünf Kilometer.

Wie Kosmos 2612 den Abstand zu ICEYE-X36 verkürzte

  1. 16. April 2026
    Start in Plesetsk

    Kosmos 2612 hebt mit einer Sojus-2.1b ab, zusammen mit fünf weiteren Militärsatelliten der Serie Kosmos 2609 bis 2614.

  2. Mai 2026
    Erste Annäherung

    Fünf der sechs Satelliten manövrieren in die Bahnebene von ICEYE-X36; am 26. Mai kommt Kosmos 2609 bis auf 2,5 Kilometer heran.

  3. 30. September 2026
    Neue Manöverserie

    Kosmos 2612 beginnt, in eine koplanare Bahn und nahezu dieselbe Höhe wie ICEYE-X36 zu wechseln.

  4. 16. Oktober 2026
    Abstand schrumpft auf fünf Kilometer

    Ein weiteres Manöver; LeoLabs meldet am Nachmittag rund fünf Kilometer Abstand – einen Tag zuvor waren es mehr als 320.

  5. 17. Oktober 2026
    Ein bis zwei Kilometer

    Marco Langbroek dokumentiert um 18:15 UTC einen Abstand von einem bis zwei Kilometern und sagt eine Annäherung auf wenige Meter voraus.

  6. 18. Oktober 2026
    Engste Passage

    Orbital Radar berechnet für die frühen Morgenstunden 578 Meter bei rund 547 Kilometern Höhe, spätere Bahndaten ergeben 136 Meter.

  7. 19. Oktober 2026
    26 Meter

    Orbital Radar schreibt die Passage um 13:03 UTC fort: 26 Meter Minimalabstand bei 0,00 km/s Relativgeschwindigkeit.

Ein Rendezvous ohne Zustimmung

Am 17. Oktober dokumentierte Marco Langbroek um 18:15 UTC einen Abstand von einem bis zwei Kilometern. Der Satellitenbeobachter von der TU Delft hält in Marco Langbroeks Protokoll der Bahnannäherung fest, wie beide Objekte nahezu im Gleichschritt fliegen.

Sein Urteil fällt eindeutig aus: „Diese Annäherungsoperation ist in keiner Weise abgestimmt.“ Der Astrophysiker Jonathan McDowell, der Satellitenbahnen seit Jahrzehnten auswertet, sieht darin eine Premiere: die erste Annäherung zweier aktiver Satelliten im niedrigen Erdorbit, bei der der Eigentümer eines der beiden keine Genehmigung erteilt hat.

Langbroek hält sogar einen ersten tatsächlichen Angriff im All für möglich: „So frage ich mich und fürchte, ob wir hier womöglich einen ersten tatsächlichen ASAT-Angriff im Orbit entstehen sehen.“ Nachgewiesen ist ein Angriff nicht.

Der Weltraumanalyst Greg Gillinger von Integrity ISR spricht von einem „in hohem Maße ungewöhnlichen“ Vorgang und verweist auf ein „gezieltes Vorgehen zwischen Russland und einem westlich betriebenen Satelliten, der die Ukraine unterstützt“.

Der Verteidigungsexperte Michael Bohnert von der RAND Corporation liest das Manöver als Botschaft an den Westen, nicht als Inspektion:

„So nah heranzukommen und dabei so demonstrativ vorzugehen, ist keine Inspektion, sondern eine Machtdemonstration. Es zeigt, dass Cosmos 2612 ICEYE jederzeit treffen könnte.“
Michael Bohnert, Verteidigungsexperte bei RAND

Die Forderung nach einer Antwortstrategie

Clayton Swope und Chantal Li von der Denkfabrik CSIS verlangten am 15. Oktober eine klare westliche Abschreckungs- und Reaktionsstrategie. In der CSIS-Analyse zur möglichen Orbitwaffe nennen sie als mögliche Antworten die Kündigung des US-russischen Diesel-Abkommens und ein Vorgehen gegen die russische Schattenflotte.

Swope selbst formuliert die Unsicherheit offen: „Niemand sollte annehmen zu wissen, was Russland mit Kosmos 2612 als Nächstes tut – aber das Potenzial für eine Bedrohung ist vorhanden.“

Bereits am 9. Oktober hatte Generalmajor Michael Traut, Chef des deutschen Weltraumkommandos, der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Russland „jage“ den ICEYE-Satelliten. Am 15. Oktober lagen die Objekte nach Angaben von Tracker-Communities noch mehr als 400 Kilometer auseinander.

Pentagon und US-Verteidigungsministerium äußerten sich nicht. ICEYE sowie die US-Luftwaffe und die Space Force gaben keinen Kommentar ab. Der Kreml hatte kommerzielle Satelliten, die die Ukraine unterstützen, bereits mehrfach zu legitimen Zielen erklärt.

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Radarbilder für Kiew

ICEYE-X36 gehört zum US-Arm der finnisch gegründeten Firma ICEYE. Der Satellit liefert Radaraufnahmen, die Wolken und Dunkelheit durchdringen – Daten, die die Ukraine seit 2022 nutzt. Auch das polnische Militär greift darauf zurück.

Schon im Mai 2026 waren fünf der sechs Satelliten der Serie in die Bahnebene von ICEYE-X36 manövriert; am 26. Mai kam Kosmos 2609 bis auf 2,5 Kilometer heran. ICEYE-Chef Rafal Modrzewski erklärte damals, sein Unternehmen habe den Satelliten als Reaktion bewegt.

Was ein Zusammenstoß in dieser Höhe auslösen könnte, beschreibt Bohnert mit Blick auf die Trümmerwolken im Orbit:

„Wenn die beiden Satelliten kollidieren, könnte es zum Kessler-Effekt kommen.“
Michael Bohnert, Verteidigungsexperte bei RAND

Für den Westen stellt sich nun die Frage, ob er die von CSIS vorgeschlagenen Schritte tatsächlich geht – oder ob er es bei Protesten belässt. Die jüngste Berechnung stammt vom 19. Oktober, 13:03 UTC. Ob Moskau Kosmos 2612 erneut manövriert, entscheidet über die nächste Annäherung.