15.000 Euro – für diesen Preis will Citroën die Ente zurückholen. In Paris zeigt der französische Hersteller das 2CV Concept, und diese Zielmarke setzt die gesamte europäische Autoindustrie unter Druck.
Anlass ist die 91. Ausgabe des Mondial de l'Auto, die vom 12. bis 18. Oktober auf dem Messegelände Porte de Versailles läuft – mit mehr als 100 Ausstellern. Der Kleinwagen ist dort keine Nebensache, sondern die Kernfrage: An ihm entscheidet sich, ob Europas Hersteller im unteren Segment noch mitspielen.
Dieselbe Linie zieht die WELT-Analyse zum Kampf um den Kleinwagen: Im Billigsegment fällt die Entscheidung über die Zukunft der Branche – und Citroën tritt mit seiner Studie genau dort an.
3,76 Meter, 1.000 Kilo, 15.000 Euro
Die Studie ist 3,76 Meter lang, Citroën peilt rund 1.000 Kilogramm Gewicht an. Zur Batterie, zur Reichweite und zur Leistung sagt der Hersteller nichts. Die Serienversion soll 2028 kommen, gefertigt in Europa – der Bericht zum 2CV-Konzept mit 15.000-Euro-Ziel nennt den Preis als Zielmarke, nicht als Zusage.
Damit läge Citroën rund 4.500 Euro unter dem Renault Twingo E-Tech, der in Frankreich bei 19.490 Euro vor Förderung startet. Diese Preislücke ist der eigentliche Angriff: Ein elektrischer Kleinwagen für unter 16.000 Euro wäre eine Kampfansage an die gesamte Konkurrenz im Segment.
Der Preis ist die Waffe, mit der Europas Hersteller gegen die chinesische Konkurrenz antreten müssen. Ferdinand Dudenhöffer, Autoanalyst und früherer Porsche-Manager, sagt, worauf es dabei ankommt:
„Kunden interessiert nicht, ob es ein chinesisches oder ein deutsches Auto ist. Was sie interessiert, ist der Preis.“
20 bis 25 chinesische Marken reisen an
Rund 20 bis 25 chinesische Marken präsentieren in Paris ihre Europa-Modelle, unter ihnen BYD, Geely, XPeng, Changan, Leapmotor, Zeekr und Li Auto. Sie sind längst keine Randerscheinung: Die Allianz-Trade-Studie beziffert ihren Anteil an den europäischen Neuzulassungen auf knapp 10 Prozent.
Bei Elektroautos liegt der Anteil bei 16 Prozent, bei Plug-in-Hybriden bei 26 Prozent. In diesen beiden Segmenten – genau denen, in die Citroëns 2CV zielt – ist der Wettbewerb am härtesten, und dort entscheidet der Preis über Zulassungen.
Anteil chinesischer Marken an Europas Neuzulassungen
Gesamtanteil knapp 10 Prozent, gerundet dargestellt
Brüssel schafft eine neue Klasse – mit Bedingungen
Die EU-Kommission hat im Juni 2026 ihr Automotive Package vorgelegt. Kern ist die neue Fahrzeugklasse M1E für Elektro-Pkw bis 4,20 Meter Länge: Supercredits mit dem Faktor 1,3 und zehn Jahre stabile Vorgaben sollen den kleinen Stromer rentabel machen.
Die Vorteile gelten aber nur für Fahrzeuge, die in der EU gebaut werden. Genau darin liegt der politische Streit: Brüssel will den Kleinwagen retten und zugleich die Produktion im eigenen Markt halten. Wer außerhalb Europas fertigt, bekommt dieselben Erleichterungen nicht.
Stellantis antwortet mit acht Marken
Citroën ist Teil eines großen Aufgebots: Stellantis reist mit acht Marken, neun Konzeptfahrzeugen und mehr als 60 Fahrzeugen an. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron besuchte den Citroën-Stand gemeinsam mit Stellantis-Chef John Elkann, Schauspieler Omar Sy stellte die Neuauflage vor.
Citroën-Chef Xavier Chardon deutet die Resonanz als Bestätigung: Die Messe zeige die Fähigkeit der Marke, Menschen zusammenzubringen, das Publikum habe auf die neuen Modelle, die Konzeptfahrzeuge und die Idee einer einfacheren, zugänglicheren Mobilität enthusiastisch reagiert.
Offen sind die drei Zahlen, an denen der Preis hängt: Batteriegröße, Reichweite und Leistung. Solange Citroën sie nicht nennt, bleibt der 15.000-Euro-Kleinwagen eine Messestudie. Der nächste Prüfstein ist die Serienversion 2028 – und bis dahin die Frage, ob Brüssel die Klasse M1E wie geplant beschließt.
