Cem Özdemir verlässt die Stuttgarter Innenstadt – wegen der Sicherheit, nicht wegen der Miete. Fenster und Türen seiner Mietwohnung müssten für den Personenschutz aufgerüstet werden, sagte der Ministerpräsident. Der Aufwand dafür sei groß, und er werde ohnehin irgendwann wieder ausziehen. Also geht er in die Dienstvilla des Landes.
Am 20. Oktober 2026 nannte der Grünen-Politiker in Stuttgart erstmals öffentlich den Grund für den Umzug. Wie dem SWR-Bericht über die Sicherheitsgründe zu entnehmen ist, will er im kommenden Jahr in die Villa auf dem Areal von Schloss Solitude ziehen. Einen konkreten Termin gibt es noch nicht.
Warum das Land lieber selbst saniert
Investitionen in ein Gebäude des Landes seien sinnvoller als der Umbau einer angemieteten Wohnung, sagte Özdemir in Stuttgart. Der Personenschutz verlangt nach seinen Worten vor allem an Fenstern und Türen Nachrüstungen. Statt Geld in eine fremde Wohnung zu stecken, fließe es nun in ein Haus, das dem Land gehört und auch nach seinem Auszug noch nutzbar bleibt.
Konkrete Zahlen lieferte der Regierungschef nicht. Wie viele Zimmer die Villa hat, konnte er nicht sagen; die Miete werde nach Quadratmetern abgerechnet. Seine Antwort auf die Kostenfrage ist eine Grundsatzbemerkung, die die Stuttgarter Zeitung über die Miete ans Land zitiert.
„Als Schwabe zahle ich die Miete lieber ans Land.“
Der Vorgänger wollte nicht hinein
Winfried Kretschmann hatte die Dienstvilla nie bezogen. Er blieb mit seiner Frau in seiner eigenen Wohnung. Das Haus sei für beide zu groß gewesen, sagte der frühere Regierungschef. Özdemir zieht dagegen mit Frau und Sohn ein und nutzt die Villa damit erstmals seit dem Ende der gewerblichen Vermietung wieder als Wohnsitz.
„Das Haus ist für mich und meine Frau einfach zu groß.“
Von der Tagungsstätte zum Wohnsitz
Gebaut wurde die Villa 1968/69 für Hans Filbinger, zugeschnitten auf dessen fünfköpfige Familie. Sie ersetzte ein angegliedertes Wirtschaftsgebäude. Zwischen 1997 und 2004 war das Haus mehrfach privat vermietet, ab 1985 nutzte es Lothar Späth, zeitweise auch nach seinem Rücktritt 1991. Günther Oettinger zog 2006 mit Frau und Sohn ein, nach einer grundlegenden Sanierung.
Von 2013 bis 2026 diente die Liegenschaft dem Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller Trumpf aus Ditzingen als Ort für Tagungen und Fortbildungen. Diese gewerbliche Nutzung endet. 2027 soll dort wieder eine Familie wohnen – Özdemir, seine Frau Flavia Zaka und der gemeinsame Sohn.
Das Anwesen liegt auf der Solitude hoch über Stuttgart. Die Solitude-Allee führt von dort 13 Kilometer Richtung Ludwigsburg. Schloss Solitude ließ Herzog Karl Eugen von Württemberg zwischen 1763 und 1767 errichten.
Wie die Dienstvilla auf der Solitude zum Wohnsitz der Ministerpräsidenten wurde
- 1763 – 1767Schloss Solitude entsteht
Herzog Karl Eugen von Württemberg lässt das Schloss errichten; die Allee führt 13 Kilometer Richtung Ludwigsburg.
- 1968/69Dienstvilla für Hans Filbinger
An Stelle eines angegliederten Wirtschaftsgebäudes wird eine zweigeschossige Villa gebaut, zugeschnitten auf die fünfköpfige Familie des Ministerpräsidenten.
- 1997 – 2004Mehrfach privat vermietet
Das Gebäude wird in diesen Jahren mehrfach an private Mieter vergeben.
- 2006Günther Oettinger zieht ein
Der Ministerpräsident zieht mit Frau und Sohn ein; das Haus wird grundlegend saniert.
- 2013 – 2026Trumpf nutzt die Villa
Der Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller aus Ditzingen mietet die Liegenschaft für Tagungen und Fortbildungen.
- 20. Oktober 2026Özdemir nennt die Sicherheitsgründe
Fenster und Türen seiner Stuttgarter Mietwohnung müssten für den Personenschutz aufgerüstet werden, sagt der Regierungschef.
- 2027 (geplant)Einzug der Familie Özdemir
Ein konkreter Termin für den Umzug steht nicht fest.
Was der Umzug kostet
Die energetische Sanierung läuft, das Haus ist eingerüstet. Was sie kostet, teilt das Land nicht mit. Auch die künftige Miethöhe bleibt offen – obwohl Özdemir betont, er zahle die Miete lieber an das Land als an einen privaten Vermieter. Eine Sprecherin des Finanzministeriums hatte den Umzug Anfang Oktober bestätigt.
Ein Termin für den Einzug steht nicht fest, die Zahlen fehlen. Ob die Villa billiger kommt als der Umbau der Mietwohnung, lässt sich damit vorerst nicht nachprüfen – die Rechnung, die Özdemir aufgemacht hat, bleibt ohne Beträge. Bis 2027 muss das Land mindestens zwei Zahlen nachliefern.
