44-Jähriger rammt in Mörlenbach mit einem Bagger ein Familienhaus
Ein 44-Jähriger rammt mit einem Bagger die Fassade des Nachbarhauses in Mörlenbach-Bonsweiher – die Familie entkommt unverletzt, das Haus ist einsturzgefährdet. Die Wohngebäudeversicherung der Eigentümerin übernimmt den Schaden nicht.
Ein roter Bagger hat am Sonntagmorgen gegen 9.30 Uhr die Fassade eines Familienhauses in Mörlenbach-Bonsweiher aufgerissen. Die Wand brach über mehrere Stockwerke weg, dahinterliegende Räume stürzten teilweise ein. Nicole Gerstner und ihre drei Kinder konnten sich auf eine angrenzende Wiese retten und blieben unverletzt.
Der Mann am Steuer war ihr Nachbar. Um 9.40 Uhr ging der Notruf der Bewohnerin ein, die Polizei nahm den 44-Jährigen am Tatort widerstandslos fest und brachte ihn wegen seines Gesundheitszustands in eine psychiatrische Fachklinik nach Heppenheim.
Die Polizei schätzt den Sachschaden auf mehrere hunderttausend Euro. Das Technische Hilfswerk sicherte das einsturzgefährdete Gebäude in der Alten Landstraße bis tief in die Nacht, das Loch in der Fassade ist mit Folie abgedichtet. Für das Haus besteht eine Nutzungsuntersagung.
Die längsten zehn Minuten ihres Lebens
Zwei Tage nach dem Angriff hat Nicole Gerstner in einem Interview geschildert, wie sie die längsten zehn Minuten erlebte. Sie war mit ihren drei Kindern im Haus, als die Baggerschaufel durch die Wand kam.
„Ich habe geschrien, er soll aufhören. Er hat mich von unten angegrinst und hat gesagt, das wird jetzt abgerissen.“
Nicole Gerstner, Hauseigentümerin
Der Satz ist eine Ankündigung, keine Panne. Schon am Freitag vor der Tat hatte der Nachbar sie angeschrien und sich über „Schallwellen“ beschwert. Am Samstagabend forderte er, die Strahlung abzustellen; auf Anraten der Polizei stellte sie ihm ein Hausverbot zu. Am nächsten Morgen saß er im Bagger. Auch in Vilshofen soll ein Mann das Gartentor des Nachbarn unter Strom gesetzt haben.
Warnungen vor WLAN und Funkmasten
Als Motiv gilt eine Verschwörungserzählung. Auf seiner Internetseite verbreitete der 44-Jährige Warnungen vor angeblicher Strahlung durch WLAN und Mobilfunkmasten, sprach von Eliten und einer globalen Machtübernahme und von „Gottes letztem Angebot an das System“ – mit „Gott“ meint er offenbar sich selbst.
Die Strahlung, vor der er warnte, verortete er im Nachbarhaus. Zu der Tat schrieb er, er habe einen Funkmast abgerissen, „der gegen uns gerichtet war“.
Die Versicherung zahlt nicht
Gerstners eigene Wohngebäudeversicherung übernimmt den Schaden nach ihren Angaben nicht. Sie hofft nun auf die Haftpflichtversicherung des Tatverdächtigen – und darauf, dass er überhaupt eine hat.
„Die übernehmen den Schaden natürlich nicht. Wir sind nicht versichert gegen Menschen, die Hauswände einreißen. Seine Versicherung muss zahlen, wenn er hoffentlich eine hat.“
Nicole Gerstner, Hauseigentümerin
Freunde der Familie richteten ein Online-Spendenkonto ein. Die Eltern und ihre drei Kinder kamen bei Freunden und Verwandten unter. Einen Tag nach dem Angriff wurde die älteste Tochter 14 Jahre alt.
Statiker prüfen Abriss oder Reparatur
Ob das Haus je wieder bewohnbar ist, prüfen Statiker: Sie sollen klären, ob die Schäden repariert werden können oder das Gebäude abgerissen werden muss. Offen ist auch, wer den Schaden letztlich trägt. Hat der 44-Jährige keine Haftpflichtversicherung, bliebe der Familie nur das Spendenkonto.