Christian Lindner verlangt von der Politik Ruhe statt neuer Regeln
Der frühere Finanzminister und heutige Autoland-Vize Christian Lindner fordert einen Stopp neuer Regeln, Gesetze und Subventionen – und begründet das mit den Kosten, die er jetzt als Unternehmer sieht. Sein Konzern soll in diesem Jahr um 20 Prozent wachsen.
Christian Lindner fordert von der Politik eine Pause. Keine neuen Regeln, keine neuen Gesetze, keine neuen Subventionen, keine neuen Steuern – so fasst der frühere Bundesfinanzminister seine Erwartungen an Berlin zusammen. Seit dem 1. Januar 2026 ist er stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG.
Anlass ist Lindners Interview in auto motor und sport, das die dpa am 21. Oktober 2026 vorab meldete und das die Zeitschrift einen Tag später veröffentlichte. Darin liefert er die Prüfregel für neue Vorschriften gleich mit: „Wenn eine neue Regel nichts verbessert, sollte man sie nicht erlassen.“
Der Unterschied zu seiner Ministerzeit liegt im Blickwinkel. Aus der Unternehmensperspektive erlebe er „noch unmittelbarer, welche Kosten Regulierung verursacht“, sagt Lindner. Als Bundesfinanzminister hatte er über Haushalt, Steuern und Subventionen mitentschieden – jetzt sitzt er auf der Seite, die diese Kosten tragen muss.
„Lasst uns in Ruhe: Nicht immer neue Regeln, Gesetze, Verordnungen, Subventionen und Steuern“
Christian Lindner, Ex-Bundesfinanzminister und Vize-Vorstandschef der Autoland AG
Vom Ministerposten in den Autohandel
Die Autoland AG mit Sitz in Sandersdorf-Brehna in Sachsen-Anhalt bezeichnet sich selbst als größten markenunabhängigen Automobilhandelskonzern Deutschlands. Lindner verantwortet dort seit Jahresbeginn Marketing, Vertrieb und Digitalisierung.
Geholt hat ihn Gründer und Vorstandschef Wilfried Wilhelm Anclam, der längst mehr mit ihm vorhat. Im April 2026 sagte Anclam: „Das Unternehmen muss in die Hände des Managements. Und der erste Management-Leader ist Herr Lindner. Er wird der Konzernchef werden.“ Der Wechsel an die Spitze soll im kommenden Jahr folgen.
Von der Wahlniederlage zur Chefetage
23. Februar 2025
FDP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde
Christian Lindner zieht sich nach der Bundestagswahl aus der Politik zurück.
12. November 2025
Autoland holt den Ex-Minister
Der Autohandelskonzern gibt bekannt, dass Lindner zum 1. Januar 2026 stellvertretender Vorstandsvorsitzender wird.
1. Januar 2026
Neue Rolle in Sachsen-Anhalt
Lindner übernimmt Marketing, Vertrieb und Digitalisierung bei dem Konzern mit Sitz in Sandersdorf-Brehna.
27. April 2026
Anclam kündigt Beförderung an
Der Gründer sagt, Lindner solle im kommenden Jahr Konzernchef werden.
21. Oktober 2026
dpa meldet die Forderung
Die Nachrichtenagentur verbreitet Lindners Satz „Lasst uns in Ruhe“ aus dem Interview; zahlreiche Medien übernehmen ihn.
Kritik an der Großstadt-Perspektive
In der Verkehrspolitik wird Lindner deutlicher. Die Politik dürfe nicht „aus der Lebenswirklichkeit einiger Großstadtquartiere ableiten, wie ganz Deutschland mobil sein soll“, sagt er. Der Vorwurf: Regeln für einzelne Stadtviertel treffen am Ende das ganze Land.
Lindners Kritik kommt nicht aus der Defensive. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Autoland-Vize kräftiges Wachstum – die Zahl, die er dafür nennt, ist die einzige konkrete Geschäftsprognose in dem Gespräch.
„In diesem Jahr rechnen wir mit 20 Prozent Umsatzwachstum“
Christian Lindner, Vize-Vorstandschef der Autoland AG
Die FDP steckt bei fünf Prozent
Der politische Hintergrund schwingt mit. Die FDP scheiterte im Februar 2025 an der Fünf-Prozent-Hürde, Lindner zog sich aus der Politik zurück. Auch bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern verpasste die Partei den Parlamentseinzug, bundesweit liegt sie in Umfragen nahe der Fünf-Prozent-Marke.
Ob die Forderung nach einer Regulierungspause mehrheitsfähig ist, ist damit offen. Lindner trägt sie nicht mehr als Parteivorsitzender vor, sondern als Vorstand eines Handelskonzerns – mit dem Gewicht eines früheren Ministeramts, aber ohne Mandat.
Umfrage
Lädt
Entschieden wird über Lindners Forderung nicht in Interviews, sondern in Verordnungen. Im kommenden Jahr soll er die Autoland AG als Konzernchef führen. Ob die Politik bis dahin neue Vorgaben erlässt, die eine Verbesserung nicht nachweisen können, ist die offene Frage.